Sieben Monate nach dem Beginn eines bislang eingehaltenen „Waffenstillstands“ sind am Sonntag nach Angaben des spanischen Innenministeriums die neuen „militärischen“ Anführer der baskischen Terrororganisation Eta in Südfrankreich festgenommen worden. Oroitz Gurruchaga und Xabier Aramburu wurden in einer gemeinsamen Operation der Sicherheitsbehörden beider Länder in der Stadt Cauna gefasst. Sie fuhren ein gestohlenes Auto mit gefälschten Nummernschildern und waren beide bewaffnet.
Gurruchaga, der in Spanien wegen Straßengewaltdelikten gesucht wurde, war im Jahr 2008 nach Frankreich geflüchtet und dort offenbar rasch in eine Führungsposition aufgestiegen. Er wird unter anderem mit einem Mordanschlag im Jahr 2009 auf Mallorca in Verbindung gebracht, bei dem zwei Polizisten ums Leben kamen. Die Terrororganisation hat sich trotz des erklärten „Gewaltverzichts“ bislang nicht aufgelöst und auch nicht ihre Waffenarsenale preisgegeben. Gurruchaga und sein Stellvertreter hatten nach spanischen Angaben die Aufgabe, neue Mitglieder anzuwerben.
Der Schlag gegen Eta ist der erste seit dem Amtsantritt des neuen französischen Staatspräsidenten Francois Hollande, der dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy in der vorigen Woche weitere enge Zusammenarbeit bei der Terrorismusbekämpfung zugesagt hat. Seit der Ausrufung des „Waffenstillstands“ am 20. Oktober vorigen Jahres sind insgesamt fünfzehn Eta-Mitglieder festgenommen worden, die meisten davon in Frankreich. Die Organisation hat zuletzt in einem Kommuniqué die Regierungen beider Länder zu einem „Dialog“ aufgerufen und angeboten, eine Delegation zu benennen. Sowohl Spanien als auch Frankreich haben das bislang abgelehnt.
Die mit Eta sympathisierende „patriotische Linke“, die im Baskenland in zahlreichen Rathäusern und einer Provinz die Regierung stellt, kritisierte die Festnahmen als „sterile Repressionsmaßnahmen“ und erklärte sich mit den beiden Etarras „solidarisch“.
