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Frankreich : In Stahlwerkgewittern

Hollande mit Stahlwerksmitarbeitern in Gandrange Bild: Reuters

2008 versprach Nicolas Sarkozy den Arbeitern von Gandrange, ihren Standort zu retten. Er tat es nicht. Nun kam der Kandidat der Sozialisten, François Hollande. Es war kein Heimspiel.

          Der breite schwarze Schornstein des Stahlwerks hebt sich wie ein Glockenturm vom eisgrauen lothringischen Winterhimmel ab. Die „Kathedrale“ hatten die Bewohner von Gandrange die imposante Industrieanlage getauft, die ihre Ortschaft überragt. Das war zu den guten Zeiten, als Stahl aus Lothringen noch gefragt war. Vor knapp drei Jahren wurde der letzte Hochofen in Gandrange heruntergefahren, auch die Walzstraßen sind inzwischen außer Betrieb. „Der Rost frisst unsere letzten Hoffnungen auf“, sagt Edouard Martin von der Gewerkschaft CFDT und zeigt auf die Industrieruine. Er steht mit einer Abordnung von Stahlarbeitern vor dem schmucken Rathaus von Gandrange. 2008 hatte Nicolas Sarkozy hier einen seiner großen Auftritte. Jetzt sucht François Hollande, der sozialistische Präsidentschaftskandidat, die Enttäuschten von Gandrange um sich zu scharen.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Gewerkschafter Martin setzt Hollande einen weißen Schutzhelm auf, ein Geschenk der Stahlkocher. „Die Stahlindustrie hat Zukunft“, steht darauf. Hollande lächelt schief, dann reißt er sich den Helm vom Kopf, streicht mit der Hand die Haare zurecht. „Gandrange ist zum Symbol geworden“, ruft er, „ein Symbol für die Aufgabe der Industriepolitik, für die Vernachlässigung der Beschäftigungspolitik und für gebrochene Versprechen.“ Die Gewerkschafter klatschen.

          Vor drei Jahren jubelten sie Sarkozy zu

          2008 hatten sie Präsident Sarkozy zugejubelt. „Was hier passiert, geht über die Interessen eines Stahlkonzerns und Lothringens hinaus. Hier steht ein Industriestandort in unserem Land auf dem Spiel“, sagte Sarkozy. Zur Not werde der Staat zur Rettung von Gandrange einspringen, so der Präsident damals. Er bevorzuge es, Geld in das Werk zu investieren, statt es für den Vorruhestand der Beschäftigten oder Arbeitslosenhilfe auszugeben. Kurze Zeit später entschied der Eigentümer, der indische Stahlmagnat Lakshmi Mittal, das Werk zu schließen. Etwa die Hälfte der 1000 Beschäftigten wurde in die Arbeitslosigkeit oder den Vorruhestand verabschiedet, andere pendeln seither ins Arcelor-Mittal-Werk im nahe gelegenen Florange. Der Staat blieb als Retter aus. Sarkozy tat, was seine Landsleute nicht von ihm kennen: er schwieg. In Gandrange hat sich der Präsident nicht mehr blicken lassen.

          Hollande aber will an das Schicksal der Stahlarbeiter erinnern, um Sarkozy seinen Auftritt beim großen „Krisengipfel“ für Beschäftigung zu verderben, den der Präsident am Mittwoch im Elysée-Palast einberufen hat. „Es ist eine Illusion, den Eindruck zu erwecken, dass niedrigere Sozialabgaben für die Arbeitgeber und eine höhere Mehrwertsteuer für alle Verbraucher auf einen Schlag unsere Wettbewerbsfähigkeit verbessern“, sagt Hollande. Aber wie will der Sozialist die Stahlindustrie retten, sollte er im Mai in den Elysée-Palast einziehen? Edouard Martin von der CFDT plädiert für ein Gesetz, das Werksschließungen schlicht verbietet. Hollande druckst herum: „Das ist kompliziert. Ich kann versprechen, dass wir die Möglichkeit eines gesetzgeberischen Vorgehens prüfen werden“, sagt er.

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