Der französische Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire hatte es plötzlich eilig. Jahrelang war für die Regierung der Boom des Halal-Fleischmarktes kein Thema gewesen. Ähnlich wie in Deutschland mangelt es in Frankreich dabei an einheitlichen Standards für Erzeugung, Schlachtung und Verkauf von Halal-Produkten, an die sich die Fleischindustrie und -handel halten könnten. Damit soll es jetzt nach Wunsch der Regierung ein Ende haben. Am Freitag ist ein Dekret in Kraft getreten, mit dem sanitäre Regeln bei „religiösen Schlachtungen“ aufgestellt sowie eine Meldepflicht für alle Halal-Zertifizierer eingeführt werden. Eine Kennzeichnungspflicht für „rituell geschlachtetes Fleisch“ soll folgen. Ursprünglich war das Dekret erst für den 1. Juli geplant. Doch die Regierung sah sich unter Handlungsdruck, nachdem eine von Marine Le Pen angezettelte Debatte über Halal-Fleisch auszuufern drohte.
Die Präsidentschaftskandidatin des rechtsextremen Front National (FN) hatte eine Fernsehreportage über dubiose Praktiken auf dem lukrativen Halal-Markt aufgegriffen, um Ängste vor Überfremdung und einer heimlichen muslimischen Unterwanderung zu schüren. Sie behauptete, das im Großraum Paris verkaufte Rindfleisch sei zu 100 Prozent nach muslimischen Vorschriften geschlachtet. Auf dem Teller der Hauptstädter lande Halal-Fleisch, ohne das diese es ahnten, sagte Marine Le Pen. Präsident Nicolas Sarkozy sagte zunächst bei einem Besuch auf dem Pariser Großmarkt Rungis, es gebe keinen Grund zu einer Polemik, die Behauptungen Marine Le Pens seien schlichtweg falsch.
Doch unter dem Einfluss seiner Berater vollzog Sarkozy wenige Tage später bei einem Wahlkampfauftritt eine Kehrtwende: „Das wichtigste Problem, das die Leute bewegt, ist Halal-Fleisch.“ Er versprach eine Kennzeichnungspflicht. In seinem jüngsten Fernsehgespräch verstieg er sich zu der Äußerung: „Wir haben zu viele Ausländer auf unserem Territorium.“ Innenminister Claude Guéant sagte, die französischen Schulkinder seien bald zum Halal-Fleisch-Verzehr in der Schulkantine gezwungen, sollte die Linke wie geplant Ausländern das kommunale Wahlrecht erteilen. Marine Le Pen höhnte, der Präsident gewinne an Einsicht, wenn auch etwas spät.
Um Sarkozy den Rücken zu stärken, forderte Premierminister François Fillon dazu auf, sich von „antiquierten“ religiösen Schlachtriten zu verabschieden. Doch damit schockierte er vor allem jüdische Interessenverbände, die den Handel mit Koscher-Fleisch in Gefahr wähnten. Eilends musste Fillon im Gespräch mit dem Großrabbi von Paris versprechen, das sei alles nicht so gemeint gewesen. In der Präsidentenpartei wird der Unmut über den rechtspopulistischen Kurs ihres Kandidaten immer lauter. „Das Halal-Fleisch ist in Wirklichkeit eine falsche Debatte, es gibt andere, reelle Probleme“, sagte Außenminister Alain Juppé. Er betrachte die Debatte jetzt als beendet und warte auf das Programm, das Nicolas Sarkozy am Sonntag in Villepinte bei Paris vorstellen will.
... richtig - zumindest muß Fleisch von qualvoll
geschächtenen Tieren gekennzeichnet werden!
Ulrich Dittmann (UlrichDittmann)
- 12.03.2012, 13:07 Uhr
Jedem der meint
Closed via SSO (yahel)
- 10.03.2012, 13:55 Uhr
Hallo Herr Hesse, schön dass Sie noch da sind!
Klaus Meyer (deutschlaender2)
- 10.03.2012, 00:30 Uhr
@klaus meyer/// "den juden ist erinnerlich, was im christlichen
Europa mit .. und religiösen
nikolaus hesse (firenzass)
- 09.03.2012, 16:58 Uhr
Als Tierschützerin
Uta Vandeloh (vandel)
- 09.03.2012, 16:22 Uhr
