11.06.2012 · Es sieht alles danach aus, dass François Hollande auch aus dem zweiten Wahlgang am kommenden Sonntag gestärkt hervorgehen wird. Für die Bundesregierung wird der französische Präsident ein unbequemer Partner bleiben.
Von Michaela WiegelRichtlinien für Lesermeinungen
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so wählen viele Franzosen den Helden, der die Rückgabe der
Kredite an die "verbrecherischen
Banken" verhindern soll. Der das Rentenalter wieder senkt und die
öff. Gehälter und Pensio- nen stützen lässt. Und
wozu das alles? Wenn die Fr. Wirtschaftskraft nicht wieder steigt und
der Beamtenmuff nicht vergeht, steht die fr. Krise erst am Anfang. Denn
sie ist eine Folge des negativen Wachstums, der Arbeitsplatzverluste,
des Mangels an Erfindergeist und der Spannungen mit den Einwanderern.
Größenordnungen, wie sie Deutsche gar nicht kennen.
Ist das mit Staatskunst lösbar? Wenn ja, bitte ich um Beispiele!
Interessante Entwicklung in Poitou-Charentes
In einem Wahlkreis in La Rochelle zeichnet sich eine sehr interessante Entwicklung ab: Dort muss Ségolène Royal, die bereits als zukünftige Vorsitzende der Nationalversammlung gehandelt wurde, vermutlich gegen einen Dissidenten der Sozialisten antreten. Bisher hält dieser dem Druck aus der Parteizentrale aber stand und will seine Kandidatur aufrechterhalten (Martine Aubry hat erwartungsgemäß den "Genossen" (OT) Olivier Falorni bereits zur Ordnung gerufen). Besonders interessant ist nun, dass Hollandes neue Lebensgefährtin Valérie Trierweiler Falorni ebenso unterstützt wie der frühere Minister Dominique Bussereau (UMP), der seine Wähler dazu aufgerufen hat, im zweiten Wahlgang für Falorni zu stimmen.
Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 12.06.2012 15:11 UhrWichtiger Nachtrag
Vielen Dank für den Nachtrag! Da ich im Moment im Großraum Paris wohne, hatte ich diese wichtige Information leider wohl als bekannt vorausgesetzt...
Ein Satz fehlt noch:
S.Royal ist Quasi Ehefrau des Präsidenten (gewesen). Sie haben zusammen 4 Kinder. Es wird ein prima Schauspiel franz. Vetternwirtschaft mit Madame.
Etwa gleichgroße Lager in Frankreich!
Wenn man nicht nur die Stimmen der drei linken Parteien und der Grünen addiert nach dem ersten Wahlgang, sondern dies auch mit den Stimmen der rechten Parteien täte, dann würde man zwei etwa gleich große Lager erkennen in Frankreich. Angeblich hat die UMP ihren Wählern und Kandidaten freigestellt im Zweiten Wahlgang je nach Konstellation vor Ort auch für rechte FN-Kandidaten zu stimmen und damit ein bisher in Frankreich geltendes Tabu gebrochen. Dazu passt, dass sich in Umfragen mehr als zwei Drittel der Franzosen gegen eine absolute Mehrheit der PS Hollandes ausgesprochen haben. Das Mehrheitswahlrecht führt manchmal zu schwer verständlichen Entscheidungen. Hollandes größte Gefahr könnte die geringe Wahlbeteiligung sein, wenn seine Anhänger glauben, die absolute Mehrheit sei gesichert und deshalb am kommenden Sonntag zu Hause bleiben?
Wo bitteschön war die Lähmung?
Auch wenn man es tausendmal wiederholt, wird es deswegen nicht richtiger. Es hat keineswegs eine Lähmung in der Kohabitation gegeben. Die 35-Stunden-Woche: die wurde von Aubry und Jospin gegen Chirac einfach so durchgedrückt. Die Privatisierungen, die Immigrationshemmnisse von Chirac, Balladur mit Pasqua einfach so gegen Mitterand durchgesetzt. Mitterand und später Chirac durften noch ein dümmeres Gesicht als sonst aufsetzen, aber politisch gelähmt war Frankreich nicht. Im Gegenteil, eine solche Abreibung für den Präsidenten lässt sich keine "Opposition" (parlamentarisch hatte man ja die Mehrheit) entgehen, nicht mal im phlegmatischen Frankreich.