11.11.2009 · Fünf Tage nach dem Amoklauf in einer texanischen Kaserne hat der amerikanische Präsident Obama der 13 Opfer gedacht: „Kein Glaube rechtfertigt diese mörderischen und feigen Taten.“
Fünf Tage nach dem Amoklauf in einer texanischen Kaserne hat der amerikanische Präsident Barack Obama vor mehreren tausend Soldaten der Opfer gedacht. Obama verlas am Ort des Verbrechens die Namen der 13 Toten. Gemeinsam mit seiner Frau Michelle sprach er mit Hinterbliebenen und Verletzten.
„Es mag schwer sein, die verdrehte Logik zu verstehen, die zu dieser Tragödie geführt hat“, sagte Obama und fügte mit Blick auf den muslimischen Glauben des Amokläufers hinzu. „Aber so viel wissen wir: Kein Glaube rechtfertigt diese mörderischen und feigen Taten.“ Obama erwähnte nicht den Namen von Major Nidal Hasan, sagte aber: „Der Täter wird der Gerechtigkeit zugeführt - in dieser Welt und der nächsten.“
Nach der Trauerfeier auf einem Gelände von Fort Hood schritt Obama die Reihe von Fotos der getöteten Soldaten ab, jedes nach militärischer Tradition neben einem Paar Stiefel und einem Gewehr mit Helm. Der Präsident legte neben jedes Foto eine Münze des Oberbefehlshabers.
Unterdessen dauert die Debatte darüber an, ab wann die Streitkräfte über radikale Tendenzen des Militärpsychiaters Hasan informiert waren und ob sie nicht Konsequenzen daraus hätten ziehen müssen. In Fort Hood sagte ein Teilnehmer an der Trauerfeier, die Stimmung in der Kaserne sei von Trauer in Empörung umgeschlagen. „Viele Leute sind wütend, weil sie das Gefühl haben, dass dies hätte verhindert werden können“, sagte der 25 Jahre alte Soldat Brian Hill, der im Irak verletzt wurde.
Hasan wird vor Militärgericht gestellt
Heeresmajor Hasan soll sich vor einem Militärgericht für seine Tat verantworten. Das entschieden das Verteidigungs- und das Justizministerium in Washington nach amerikanischen Medienberichten. Präsident Obama versicherte, die Behörden würden die Hintergründe der Tat vollständig aufklären. Zudem werde seine Regierung „alle notwendigen Schritte“ einleiten, damit sich eine solche Tragödie nicht wiederhole, sagte Obama.
Unterdessen sprach Hasan, der weiter auf der Intensivstation eines Militärkrankenhauses in San Antonio behandelt wird, in der Nacht zum Dienstag erstmals mit seinem militärischen Pflichtverteidiger sowie mit einem zivilen Rechtsanwalt, der von Hasans Familie beauftragt wurde. Hasan hatte am Sonntag das Ersuchen von Ermittlern der Bundespolizei FBI und der Streitkräfte, ihn zu vernehmen, mit dem Argument zurückgewiesen, er wolle sich zuerst mit seinen Anwälten beraten.
FBI: Keine Anzeichen für Mittäter Hasans
FBI-Direktor Robert Mueller ordnete derweil eine interne Untersuchung der Ermittlungen von FBI-Mitarbeitern über Hasan vor dessen Bluttat an. Das FBI beharrt darauf, dass es keine Anzeichen für Mittäter Hasans gibt oder dass der Militärpsychiater im Rahmen einer breiteren Verschwörung gehandelt habe. Amerikanische Medien berichteten am Dienstag, dass Ermittler des FBI und der Geheimdienste zehn bis zwanzig E-Mails Hasans abgefangen haben, die dieser an den früheren Imam einer von ihm besuchten Moschee in Falls Church in Virginia nahe Washington geschickt habe. Das FBI habe seinerzeit aber entschieden, der Inhalt der Mails Hasans an den inzwischen im Jemen lebenden Imam Anwar al Aulaqi erfordere keine weiteren Ermittlungen gegen Hasan.
Al Aulaqi lobte unterdessen das Blutbad auf seiner Website als „Heldentat“ und forderte Muslime in den amerikanischen Streitkräften auf, Hasans Beispiel zu folgen. Hasan sei ein „Mann von Gewissen, der den Widerspruch nicht länger ertragen konnte, in Streitkräften zu dienen, die gegen sein eigenes Volk kämpfen“. Weiter heißt es in dem Eintrag Aulaqis: „Wer als Muslim Soldat bei den amerikanischen Streitkräften ist, kann auf islamisch gerechtfertigte Weise nur dienen, wenn er dem Vorbild von Männern wie Nidal folgt.“
Hasans Zivilanwalt forderte nach seinem ersten, etwa halbstündigen Gespräch mit Hasan, das Verfahren von Fort Hood auf einen anderen Militärstützpunkt zu verlegen, weil sein Mandant am Ort der Bluttat kein faires Verfahren erwarten könne. Er werde in dem Verfahren die Zurechnungsfähigeit Hasans in Frage stellen. Im Falle einer Verurteilung droht Hasan die Todesstrafe. Das letzte Todesurteil nach der Verhängung der Höchststrafe durch ein amerikanisches Militärgericht wurde 1961 vollstreckt.
Nach dem unabhängigen Senator Joseph Lieberman äußerte auch der republikanische Abgeordnete Peter Hoekstra die Ansicht, das Massaker Hasans könnte entgegen der weitverbreiteten Meinung, es habe sich um eine Verzweiflungstat gehandelt, ein geplanter Terroranschlag gewesen sein. Nach Aussagen von Zeugen gab das ruhige Verhalten Hasans noch unmittelbar vor der Tat keinen Anlass zu der Vermutung, der Major sei psychisch labil.