11.09.2004 · Ein amerikanisches Militärgericht hat einen Angehörigen des Militärgeheimdienstes wegen der Mißhandlung von Gefangenen im irakischen Gefängnis Abu Ghraib zu acht Monaten Haft verurteilt.
Ein Soldat des amerikanischen Militärgeheimdienstes ist am Samstag von einem amerikanischen Militärgericht in Bagdad wegen Mißhandlung irakischer Gefangener im berüchtigten Gefängnis Abu Ghoreib zu einer Haftstrafe von acht Monaten verurteilt worden. Der Richter verfügte außerdem wegen schlechter Führung seine Entlassung aus dem Militärdienst.
Der Stabsgefreite Armin Cruz hatte sich in der Verhandlung am Samstag in beiden Anklagepunkten - Mißhandlung und Verschwörung zur Mißhandlung von Gefangenen - schuldig bekannt. Das Bekenntnis beruhte auf einer Vereinbarung mit der Anklagevertretung.
Geständnis unter Tränen
Während seines Geständnisses am Morgen brach der 24jährige in Tränen aus. In der Verhandlung schilderte Cruz, wie er in einer Nacht im Oktober 2003 Wachsoldaten in Abu Ghraib den Befehl erteilte, drei Häftlinge nackt auszuziehen. Anschließend mußten die Männer auf dem Boden herumkriechen. Dann wurden sie mit Handschellen gefesselt und zusammengebunden. In dieser Position mußten sie sexuelle Akte aneinander vorspielen.
Auf die Frage von Militärrichter James Pohl, warum er dies getan habe, sagte Cruz, daß es dafür keine guten Gründe gebe. Ob es denn schlechte Gründe gebe, wollte der Richter daraufhin wissen. Cruz erzählte davon, wie das Gefängnis immer wieder von Aufständischen mit Mörsern beschossen wurde und wie bei einem solchen Angriff ein Offizier seiner Einheit und Kameraden ums Leben kamen. Ob er seine Gefühle infolgedessen an den Gefangenen ausließ, hakte der Richter nach, worauf der Angeklagte stumm nickte.
Posttraumatisches Streßsyndrom?
Sein Verteidiger wollte geltend machen, daß Cruz deswegen unter einem posttraumatischen Streßsyndrom gelitten habe. Die Anklagevertretung wies jedoch darauf hin, daß Cruz nicht zur Beteiligung an den Misshandlungen gezwungen gewesen sei. Mit seinem Verhalten habe er das Ansehen der amerikanischen Streitkräfte beschädigt.
Cruz war der erste Angehörige des amerikanischen Militärgeheimdienstes, der sich wegen Folterung und Mißhandlung irakischer Häftlinge im von Amerikanern geführten Gefängnis Abu Ghraib westlich von Bagdad verantworten mußte. Bisher wurde Anklage gegen sieben Militärpolizisten erhoben, die für die Bewachung der Gefangenen zuständig waren. Einer von ihnen wurde zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt, gegen die anderen sechs laufen noch Vorverfahren. Von den Wachsoldaten selbst angefertigte und später den Medien zugespielte Fotos von den Gefangenenmißhandlungen hatten im April weltweit Empörung ausgelöst.