09.06.2006 · Der Tod des Terroristenführers Abu Musab al Zarqawi wird kurzfristig vielleicht zu einem Nachlassen der Gewalt im Irak führen, auf längere Sicht aber nicht. Amerikas Präsident Bush tut also gut daran, nicht zu triumphieren.
Der Tod des Terroristenführers Abu Musab al Zarqawi wird kurzfristig vielleicht zu einem Nachlassen der Gewalt im Irak führen, auf längere Sicht aber nicht. Insofern hat der amerikanische Präsident George W. Bush die Lage richtig eingeschätzt, als er bei der Kommentierung der Nachricht jeglichen Triumphalismus vermied.
Zarqawi hat blutige Terrorakte verüben lassen und selbst verübt, doch der einzige ist er wahrlich nicht. Verständliche Genugtuung schwang in Bushs Worten freilich mit. Ob der Kampf gegen die Gewalt jetzt erfolgversprechender ist, wie Washingtons Botschafter in Bagdad, Zalmay Khalilzad, und Ministerpräsident Nuri al Maliki meinen, bleibt abzuwarten - bis zum nächsten großen Anschlag. Jordanien soll bei der Aktion gegen Zarqawi den Amerikanern und Irakern geholfen haben. Er hatte auch dort blutige Anschläge ausführen lassen.
Verraten von Schiiten?
Noch vor kurzem hatte Zarqawi seine Leute zur Verschärfung des "Kampfes gegen die Kreuzritter" und die "ungläubigen" Schiiten aufgerufen. Möglicherweise hat das sein Ende beschleunigt, denn die Hinweise auf seinen Aufenthalt bekamen die Amerikaner, wie es heißt, aus der Bevölkerung, vielleicht von Schiiten. Im Namen des Sunnitentums wollte Zarqawi im Irak nämlich einen Bürgerkrieg entfesseln und nach dem Sieg auch in den Nachbarländern des Iraks ein Kalifat errichten.
Diese islamistische Utopie, mit der er sich zum islamischen "Helden" emporstilisieren wollte, ist jetzt zerstört. Der Terrorist hatte sich in seinem Wüten gegen die Schiiten sogar in Gegensatz zu Usama Bin Ladin gebracht, der Gewaltausübung gegen muslimische Glaubensbrüder zuletzt mehrfach entschieden kritisiert hatte.
Keines der Probleme Iraks gelöst
Bin Ladins Al-Qaida-Organisation ist durch Zarqawis Ende zweifellos getroffen worden, denn er war nun einmal deren Mann im Irak. Freilich steht der Name "Al Qaida" längst nicht mehr für eine monolithische, streng hierarchisch geführte Organisation, sondern allenfalls noch für einen losen Verbund Gleichgesinnter, für ein Schattenreich, das schwer zu fassen ist und auch Zellen umfaßt, die nie direkt in Al Qaida integriert gewesen sind. Das macht die Sache sogar schwieriger, da weniger überschaubar. Durch den Tod Zarqawis ist keines der Probleme des Iraks gelöst worden, aber im Irak gibt es einen führenden Terroristen weniger.