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FAZ.NET-Spezial Putins Rückfall

18.07.2007 ·  Aus dem Fall Litwinenko hat sich eine diplomatische Krise zwischen London und Moskau entwickelt. Der Konflikt erinnert an den „Kalten Krieg“, meint Günther Nonnenmacher.

Von Günther Nonnenmacher
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Elf Jahre ist es her: „Aufgrund von Tätigkeiten, die mit ihrem diplomatischen Status nicht vereinbar“ waren, wurden vier Briten aus Russland ausgewiesen. Im Gegenzug mussten dann vier russische Diplomaten Großbritannien verlassen. Das war, wie das Prozedere zeigte, das „tit for tat“, welches üblich ist, wenn Geheimdienstleute sich bei den Aktivitäten erwischen lassen, wegen deren sie ins Ausland geschickt worden sind. Die Angelegenheit, die für den im Wahlkampf befindlichen Präsidenten Boris Jelzin einen gewissen innenpolitischen Nutzen hatte, wurde nach diesem symbolischen Akt denn auch schnell begraben.

Die diplomatische Krise, die wegen des Falles Litwinenko nun zwischen London und Moskau entstanden ist, unterscheidet sich davon grundsätzlich: Zum einen geht es um Mord, und zwar um einen besonders heimtückischen und skrupellosen. Denn die Methode, mit der Litwinenko umgebracht wurde - Vergiftung mit hochradioaktivem Polonium -, hat auch Hunderte Flugreisende und Londoner Bürger in Gefahr gebracht.

Vorführung der Macht

Zum anderen hat sich das außenpolitische Umfeld seit den Zeiten Jelzins grundlegend verändert. Damals war Russland schwach und auf westliche Hilfe angewiesen.

Video: Russland setzt KSE-Vertrag aus

Heute fügt sich die strikte Weigerung, den ehemaligen KGB-Agenten Lugowoj auszuliefern, den die britische Justiz in dem Mordfall für dringend verdächtig hält, haargenau in Putins Strategie ein, dem Westen Russlands wiedergewonnene Machtstellung vorzuführen: Es gibt eine gerade Linie von der Drohung mit der „Energiewaffe“ gegenüber der Ukraine und Georgien über die russische Haltung in Sachen Iran und Kosovo, den neuen Raketenstreit und die Aufkündigung des KSE-Vertrages bis hin zu der Obstruktion bei der Aufklärung des Mordes an Litwinenko.

Putin lässt es drauf ankommen

Dass neben dem Auftritt auf der internationalen Bühne auch hier das Motiv eine Rolle spielt, dem heimischen Publikum nationales Selbstbewusstsein vorzuführen, ist die einzige Ähnlichkeit mit dem Fall aus dem Jahr 1996.

Der gesamte Komplex erinnert in jeder Hinsicht mehr an Ereignisse aus der Zeit davor, die der Westen unter dem Rubrum „Kalter Krieg“ gerne den Historikern überlassen würde. Doch es mehren sich die Indizien dafür, dass Putin nicht davor zurückschreckt, es auf einen Rückfall ankommen zu lassen.

Quelle: F.A.Z., 18.07.2007, Nr. 164 / Seite 1
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Jahrgang 1948, Herausgeber.

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