14.12.2005 · Susanne Osthoff hatte den Krieg gegen Saddams Regime eher kritisiert - Geholfen hat ihr das nicht. Sie kennt die Mentalität ihrer Entführer - Das erhöht ihre Chancen, die Geiselnehmer zu beschwichtigen. FAZ.NET-Spezial zur Entführung der Deutschen im Irak.
Zu den 99 Namen, die Gott im Koran, in dem heiligen Buch der Muslime, zugeschrieben werden, gehört auch „al Rahman“ - der Barmherzige. An die „Barmherzigkeit“ der Entführer haben jetzt die Mutter und die Schwester der im Irak als Geisel genommenen Archäologin Susanne Osthoff appelliert; daß sie damit rasch Erfolg haben werden, gilt im Augenblick als wenig wahrscheinlich.
Frau Osthoff ist, wie es aussieht, mit Bedacht als Opfer eines Geiselverbrechens in dem gefährlichen Land auserkoren worden. Bis jetzt ist es dem Krisenstab in Berlin offenbar nicht gelungen, einen stabilen, tragfähigen Kontakt mit den Entführern herzustellen; auch die irakischen Behörden hatten bisher keinen Erfolg.
Die Entführer beschmutzen das Ansehen des Islams
Daß der Zentralrat der Muslime in Deutschland gegen die Entführung protestiert hat und nun eine Demonstration für die Freilassung der deutschen Geisel und ihres irakischen Fahrers organisieren möchte, ist begrüßenswert; man hätte sich freilich solche Gegenkundgebungen schon früher einmal gewünscht, etwa als die Terroristen um Abu Musab al Zarqawi Pilger und Betende in irakischen Moscheen angriffen oder unschuldige Frauen, Greise und Kinder bei Anschlägen auf Hospitäler ermordeten.
Sie tun das angeblich im Namen des Islams und beschmutzen das ohnehin schon stark beeinträchtigte Ansehen dieser Weltreligion weiter.
Frau Osthoff kennt die Mentalität ihrer Entführer
Die Bundesregierung wird an der Maxime, sich von Terroristen nicht politisch erpressen zu lassen, festhalten. Das schließt nicht aus, daß man - um Menschenleben zu retten - bereit ist, sich auf weniger das Prinzipielle berührende „Zugeständnisse“ oder Gaben einzulassen.
Hoffen darf man vielleicht auch auf die Entführte selbst und ihre Fähigkeiten: Frau Osthoff kennt sich im Irak und in der arabischen Welt aus, sie ist mit der Mentalität und Denkweise gerade auch der Entführer ebenso vertraut wie mit der arabischen Sprache. Niemand kennt die Bedingungen ihrer Geiselhaft, doch wenn sie in der Lage sein sollte, mit den Entführern zu reden, stehen ihre Chancen, sie von der Zwecklosigkeit und Amoralität ihres Tuns zu überzeugen, vielleicht gar nicht so schlecht.
In knapp zwei Wochen soll im Irak wieder gewählt werden. Auch davon wird sich die Regierung in Bagdad nicht abbringen lassen.
mehr Unterstützung statt Resignation
Knut Carsten Peters (kcp)
- 30.11.2005, 11:50 Uhr
Frau Osthoff
Christian Hufnagl (chufnagl)
- 05.12.2005, 03:34 Uhr
Susanne Osthoff
Sergej Schukov (Resident7)
- 15.12.2005, 18:50 Uhr