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Mathias Müller von Blumencron

Anschlag von London : Saat der Angst

Ein Abend im Ausgehviertel endet im Schock: Samstagabend, nahe der London Bridge Bild: AP

Wie immun ist die westliche Gesellschaft gegen den Terror der radikalen Islamisten? Was geschehen muss, damit die Saat nicht aufgeht.

          Nach den schrecklichen Attacken in London wird die Sprachlosigkeit wieder mit Appellen durchbrochen: Wir dürfen uns nicht spalten lassen, wir dürfen den Terroristen keinen Erfolg präsentieren, das Leben muss weitergehen. „Keep calm and carry on“ pflegen die Briten seit jeher auch in größten Notlagen Ruhe und kühlen Kopf zu bewahren. Amerikaner, Spanier, Franzosen, Belgier, Dänen, Niederländer und Deutsche, alle in den vergangenen Jahren und Monaten vom islamistischen Terror Betroffene, haben das Lebensmotto der Briten entsprechend für sich adaptiert. Je mehr Morde geschehen, je mehr Terroristen mit den zunächst im Nahen und Mittleren Osten praktizierten Methoden auch in Europa zuschlagen, umso stärker wird der Impuls, sich diesem Gift entgegenzustemmen, mit einem „Trotzdem" oder „Gerade jetzt“, mit einem Aufschrei des Lebens gegen die Todessehnsüchtigen.

          So richtig und wichtig die Appelle sind: Es kann nicht so weitergehen wie bisher, weil es schon in den Köpfen der Menschen im Westen nicht mehr so weitergeht. Angst ist ein schleichendes Gift, dass die Terroristen streuen, dessen Wirkung sie herbeimorden. Aber langsam zieht es ein, beginnt zu wirken. Ein paar Böller führen zu einer Massenpanik beim Public Viewing des Champions League-Finales in Turin, mit mindestens 1500 Verletzten. Eltern fragen sich, ob sie ihre Kinder noch auf Rockkonzerte lassen dürfen. Auf viel begangenen Fußwegen am Rande großer Straßen beschleicht einen der Gedanke: „Könnte es auch hier passieren?“

          Islamistischer Terror hat einen religiösen Kontext, zieht seine Rechtfertigung aus einem vermeintlich heiligen Krieg gegen Ungläubige. „This is for Allah“ sollen die Attentäter in London gerufen haben. Der selbsternannte Islamische Staat, der regelmäßig die Verantwortung für die schlimmsten Mordtaten übernimmt, versteht sich als religiöse Institution. Daran ändert auch nichts, dass etliche der Täter zuvor mit ihrem Leben als Kleinkriminelle eine Spur der Gottlosigkeit durch die Gesellschaft gefurcht haben, die in der gottlosesten aller Taten kulminierte, der heimtückischen Tötung von Mitmenschen. Gerade die bis ins Unvorstellbare gesteigerte Heimtücke kennzeichnet den terroristischen Mord - und ganz besonders den islamistischen.

          Trauer in London: Eine junge Frau weint, als sie einer Polizeibeamtin am Ort des Anschlags Blumen übergibt.
          Trauer in London: Eine junge Frau weint, als sie einer Polizeibeamtin am Ort des Anschlags Blumen übergibt. : Bild: AFP

          In der islamisch geprägten Welt, wo die meisten Attentate stattfinden, die meisten Opfer zu beklagen sind, trifft es die Menschen in ihrem Alltag auf Märkten, wie kürzlich in Kabul im morgendlichen Berufsverkehr. Oder er richtet sich gegen die Obrigkeit. Doch immer wahllos und mit dem einzigen Ziel, in einer sich entwickelnden Zivilgesellschaft den größtmöglichen Horror zu erzeugen. Taten, die im übrigen allesamt zeigen, wie absurd ein Generalverdacht gegen Muslime ist, der so viele rechtspopulistische Gruppen in Europa und den Vereinigten Staaten prägt.

          Orte der Lebensfreude als Terrorzielscheiben

          Im Westen wählten die Attentäter in jüngster Zeit oftmals Momente, in der sich Kultur und Freiheit am populärsten äußerten, in der sich eine Gesellschaft besonders entspannt, besonders vergnüglich, besonders lebensfreudig zeigt: Popkonzerte, Fußball, Bummel durch Bars, Cafés und Pubs.

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