03.08.2008 · Nach blutigen Gefechten mit der Hamas flohen am Wochenende mehr als 180 Fatah-Anhänger aus dem Gaza-Streifen nach Israel. Mehrere Dutzend sind jedoch bereits wieder zurückgekehrt. Die Hamas verspricht ihnen eine gute Behandlung.
Bei schweren Kämpfen sind am Wochenende im Gazastreifen neun Menschen getötet und weitere achtzig verletzt worden. Nach andauernden Gefechten mit Hamas-Kämpfern flohen mehr als 180 Mitglieder der Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Abbas am Samstagabend über die Grenze nach Israel. Mehrere Dutzend von ihnen kehrten am Sonntag nach einer Entscheidung des israelischen Verteidigungsministers Barak wieder nach Gaza zurück. Barak habe einer Bitte der Autonomiebehörde von Abbas Folge geleistet, sagte ein Sprecher. Mehr als zwanzig Verletzte, die noch in israelische Krankenhäuser behandelt werden, sollten später zurückkehren.
Zunächst hatte es geheißen, die Flüchtlinge sollten in das von Fatah kontrollierte Westjordanland gebracht werden. Die schwersten Gefechte unter Palästinensern seit Monaten hatten begonnen, als Sicherheitskräfte der Hamas Angehörige eines zur Fatah gehörenden Familienclans festnehmen wollten. Die Hamas bezichtigte sie eines Bombenanschlags.
Hamas: Rückkehrende werden gut behandelt
Ein Hamas-Sprecher forderte die nach Israel geflohenen Palästinenser am Sonntag zur Rückkehr in den Gazastreifen auf: „Wer nichts mit Taten zu tun hat, die gegen die Sicherheit verstoßen, wird sofort freigelassen und kann zu seiner Familie zurückkehren“, sagte er. Die Rückkehrenden würden gut behandelt, versicherte er. Als Reaktion auf die Kämpfe hatten am Samstag Mitglieder des bewaffneten Armes der Fatah einen Führer der Hamas im Westjordanland als Geisel genommen und mit seiner Tötung gedroht. Er wurde jedoch wenige Stunden später freigelassen. Nach Medienberichten kam es in den vergangenen Tagen zu weiteren Festnahmen von Islamisten im Westjordanland.
Unterdessen wurden am Freitagabend beim Einsturz eines Tunnels unter der Grenze des Gazastreifens zu Ägypten vier Palästinenser getötet und 14 weitere verletzt. Palästinensergruppen graben unterirdische Übergänge, um Waffen und Waren einzuschmuggeln.
Israel stimmt Freilassung von fünf Palästinensern zu
Das israelische Kabinett stimmte unterdessen am Sonntag in Jerusalem der Freilassung von fünf palästinensischen Häftlingen zu. Nach Angaben von Regierungsvertretern wird damit gerechnet, dass die Gefangenen nach einer Überprüfung ihrer Fälle im Laufe der nächsten Wochen auf freien Fuß kommen.
Keinem der Palästinenser wird nach diesen Angaben die Beteiligung an Anschlägen auf Israelis zur Last gelegt, bei denen Menschen ums Leben kamen. Die geplante Freilassung ist der letzte Teil des Gefangenenaustausches mit der Hizbullah, der Mitte Juli begonnen hatte.