08.12.2006 · Nun führt die Polonium-Spur im Fall Litwinenko auch nach Deutschland. Die Hamburger Polizei durchsuchte die Wohnung von Dmitri Kowtun, der angeblich radioaktiv verstrahlt in einem Krankenhaus in Moskau liegt.
In die Ermittlungen zum Giftmord an dem russischen Ex-Agenten Alexander Litwinenko in London hat sich am Freitag auch die Hamburger Polizei eingeschaltet. Die Beamten riegelten am Abend das Wohnhaus des russischen Geschäftsmanns Dmitri Kowtun im Stadtteil Altona weiträumig ab. Ein Spezialtrupp mit Meßgeräten sollte die Wohnung des Russen nach Spuren des radioaktiven Elements Polonium 210 durchsuchen.
Britische und russische Medien hatten zuvor berichtet, daß der frühere Geheimdienstler und jetzige Geschäftsmann Kowtun am 1. November aus Hamburg zu einem Treffen mit Litwinenko nach London geflogen sei. Kowtun lag nach Meldungen der Nachrichtenagentur Interfax vom Freitag mit schwerer Strahlenkrankheit in einem Moskauer Krankenhaus.
Traf die Substanz auch Lugowoj und Kowtun?
„Die Polizei Hamburg trifft alle Maßnahmen, um zu überprüfen, ob sich in der Wohnung des Kowtun Polonium 210 befindet“, hieß es in einer Mitteilung der Polizei. „Möglicherweise hatte Kowtun mit der radioaktiven Substanz Polonium Kontakt.“ Kowtun hatte nach Angaben britischer Medien Aufenthaltsrecht in Deutschland. Er sei am 1. November nach London geflogen und habe dort zusammen mit seinem Kollegen Andrej Lugowoj den Exilanten Litwinenko im Hotel „Millennium“ getroffen.
Nach Ermittlungen der britischen Polizei wurde der Kreml-Kritiker Litwinenko wahrscheinlich bei diesem Treffen mit Polonium 210 vergiftet. Die Substanz traf aber angeblich auch Lugowoj und Kowtun. Lugowoj sei ebenfalls strahlenkrank, wenn auch weniger schwer als Kowtun, meldete Interfax am Freitag abend unter Berufung auf Ärzte. Nach mehrtägigem Warten konnten Ermittler von Scotland Yard den Hauptzeugen Lugowoj in Moskau befragen.
Polonium-Spuren bei sieben Hotelangestellten
In London rief die Gesundheitsbehörde etwa 250 Gäste einer Bar des Hotels „Millennium“ zu einer vorsorglichen Untersuchung auf Polonium auf. Sie hatten die Bar am 1. November besucht, als sich der Kreml-Kritiker Litwinenko dort mit Kowtun, Lugowoj und einem weiteren Russen traf. Nach neuen Erkenntnissen der britischen Polizei wurde der abtrünnige Geheimagent mutmaßlich in dieser Bar mit Polonium vergiftet. Der tödliche Cocktail sei in einem Zimmer im vierten Stock des Hotels vorbereitet worden, wo die höchste Konzentration des Stoffes gefunden worden sei, berichtete die Zeitung „The Times“ nach diesen Angaben.
Bei sieben Hotelangestellten, die in der Bar Dienst taten, waren am Donnerstag Spuren des radioaktiven Substanz entdeckt worden. Für ihre Gesundheit bestehe keine unmittelbare Gefahr, sagte ein Sprecher der Gesundheitsbehörde. In einer posthum veröffentlichten Erklärung hatte Litwinenko den russischen Präsidenten Wladimir Putin für seinen Tod verantwortlich gemacht. Die russische Regierung hat mehrfach jede Verwicklung in den rätselhaften Mord zurückgewiesen.