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Fall Litwinenko Kowtuns Spuren

13.12.2006 ·  Die radioaktiven Spuren, die der russische Geschäftsmann Dmitrij Kowtun hinterlassen hat, deuten darauf hin, daß er an der Vergiftung des Ex-Spions Litwinenko beteiligt war. Aber sicher ist nichts: Kowtun ist der große Unbekannte in dem Kriminalfall.

Von Reinhard Veser
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Warum diese Spuren? Sind sie das Ergebnis von Leichtsinn oder Absicht? Die radioaktiven Hinterlassenschaften der beiden russischen Geschäftsleute Dmitrij Kowtun und Andrej Lugowoj in Hamburg und London scheinen darauf hinzudeuten, daß sie es waren, die am 1. November in der „Pine Bar“ des Londoner Millennium-Hotels den ehemaligen russischen Geheimdienstler Alexander Litwinenko mit Polonium-210 vergiftet haben. In den Verdacht waren sie schon geraten, als ihr Treffen mit Litwinenko zwei Tage vor dessen Tod am 23. November bekannt wurde. Kowtuns Name tauchte dabei freilich noch nicht auf - er wurde in den Medien neben Litwinenko und Lugowoj als geheimnisvoller Dritter namens „Wladimir“ genannt.

Am Tag nach Litwinenkos Tod gingen Lugowoj und Kowtun in Moskau an die Öffentlichkeit. Im Radiosender „Echo Moskwy“ beteuerten sie, mit der Vergiftung nichts zu tun zu haben. Bei ihrem Treffen sei es um geschäftliche Fragen gegangen: Litwinenko habe Kontakte zu britischen Firmen vermitteln wollen, die einen Markteintritt in Rußland planten. Kowtun gab an, er habe zuvor viele Jahre deutsche Unternehmen beim Schritt nach Rußland beraten. Ein erstes Treffen in dieser Angelegenheit habe es schon am 16. Oktober gegeben. Dabei hätten sich Litwinenko und Kowtun, der sich nie als „Wladimir“ vorgestellt habe, kennengelernt. Litwinenko und Lugowoj waren einander seit Mitte der neunziger Jahre bekannt, als beide für den heute als Exilant in London lebenden Milliardär Boris Beresowskij arbeiteten, der damals einer der einflußreichsten Männer Rußlands war. Beide waren zuvor beim Inlandsgeheimdienst FSB.

Der geheimnisvolle Dritte

Über Kowtun ist wenig bekannt. Sein Alter wird mal mit 41, mal mit 42 angegeben, manchmal wird auch er als ehemaliger Geheimdienstmann bezeichnet, was er aber bestreitet. Er soll ein Jugendfreund Lugowojs sein: Sie seien im gleichen Haus in Moskau aufgewachsen und hätten Mitte der achtziger Jahre die gleiche Offiziersschule der sowjetischen Streitkräfte besucht. Anschließend soll Kowtun in der Tschechoslowakei und der DDR gedient haben. Nach dem Zerfall der Sowjetunion sei er in Deutschland geblieben und habe dort mit seinen Geschäften begonnen.

In den neunziger Jahren war er einige Jahre mit jener Deutschen verheiratet, in deren Hamburger Wohnung er Ende Oktober radioaktive Spuren hinterlassen hat. Nach Rußland ist er nach eigenen Angaben 2003 zurückgekehrt. Er soll an einer Poloniumvergiftung leiden und liegt angeblich in einem Moskauer Krankenhaus; aus seinem Umfeld wurden aber Berichte kategorisch zurückgewiesen, er sei vergangene Woche kurz ins Koma gefallen. Auch Lugowoj soll krank sein, doch tritt er selbst allen dramatischen Berichten über seinen Zustand entgegen. Er hat den Verdacht geäußert, er sei absichtlich mit Polonium markiert worden. Dem „Spiegel“ sagte er, wegen seiner Vergangenheit sei er „eine passende Figur für Spekulationen dieser Art“.

Quelle: F.A.Z., 13.12.2006, Nr. 290 / Seite 5
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