Das offizielle britische Gedenken an den Beginn des Falkland-Krieges vor dreißig Jahren hat sich auf eine schlichte Ehrung der Gefallenen beschränkt: Im Gedenkhain der Nation, einer erst vor wenigen Jahren bepflanzten Weihestätte in der geografischen Mitte Englands, versammelten sich Veteranen des Kriegs. Premierminister Cameron rief dazu auf, nicht nur der 255 gefallenen Briten, sondern auch der im Kampf getöteten Argentinier zu gedenken.
In seiner Botschaft wiederholte er den Satz, den britische Diplomaten und Politiker nun schon seit Monaten an den damaligen Gegner Argentinien und an die ganze Welt richten: „Großbritannien bleibt unverbrüchlich der Absicht verpflichtet, das Recht der Falkland-Bewohner zu wahren, über ihre eigene Zukunft zu bestimmen.“ Mit dieser Beteuerung versucht die britische Regierung, die immer vielfältigeren Initiativen Argentiniens abzuwehren, die eigenen Ansprüche auf die Inseln zur Geltung zu bringen.
Denn Buenos Aires störte zuerst die Versorgungswege für das Falkland-Archipel, dann nahm es die britischen Beziehungen zu anderen Staaten ins Visier. Obwohl das Londoner Auswärtige Amt gelassen und kühl auf diese Manöver reagiert, beeinträchtigen sie doch jene außenpolitische Renaissance Großbritanniens, die Außenminister Hague anstrebt. Auch innenpolitisch bietet das Falkland-Jubiläum Anlass zu Kritik: In den britischen Zeitungen brandmarkten pensionierte Admirale und Generale in den vergangenen Monaten wiederholt die drastischen Kürzungen im Verteidigungshaushalt als verfehlt und unverantwortlich. Außerdem nutzen sie jede Gelegenheit, um darauf hinzuweisen, dass mit der kläglichen Ausstattung von Armee und Marine die Falkland-Inseln im Fall einer neuen Invasion nicht noch einmal zurückerobert werden könnten.
Immer im Gespräch
Die britischen Konservativen hatten nach ihrer Rückkehr an die Regierung vor zwei Jahren den außenpolitischen Vorsatz verfolgt, dem Union Jack vor allem in Asien und Südamerika mehr Geltung zu verschaffen. Während Premierminister Cameron die bedeutenden asiatischen Mächte Indien, China und Pakistan bereiste, sah sich sein Außenminister in Südamerika um. Dort aber wurde er mit den argentinischen Bemühungen konfrontiert, die Falkland-Inseln wieder zum Gegenstand von Gesprächen zu machen. Brasilien folgte kurz vor seinem Besuch der Aufforderung Argentiniens, die Häfen für Schiffe zu sperren, die auf den Falklands beheimatet sind. Peru verweigerte einer britischen Fregatte kurzfristig die Einfahrt in den Hafen.
© dpa
Kriegerdenkmal in Staffordshire, England: Eine Witwe berührt den Namen ihres Ehemannes, der 1982 bei einem argentinischen Angriff auf sein Kriegsschiff getötet wurde.
Hague nutzte den dreißigsten Jahrestag der argentinischen Besetzung der Inseln am Montag, um seine diplomatische Offensive zu retten: „Das gewachsene Potential der Partnerschaften zwischen Großbritannien und lateinamerikanischen Ländern beginnt sich auszuzahlen.“ Der Handel blühe, Investitionen mehrten sich. Die britische Außenpolitik bemüht sich, auch die Falkland-Inseln selbst positiv ins Bild der wachsenden Prosperität der ganzen Region zu stellen: Die Einwohnerzahl des Archipels habe sich auf 3000 Bewohner verdoppelt, die Wirtschaftskraft habe sich seit dem Krieg verzwanzigfacht - auf umgerechnet rund 120 Millionen Euro jährlich. Statt Schafzucht seien jetzt Fischerei, auch Tourismus und nicht zuletzt die Erschließung möglicher Ölquellen im Seegebiet um die Inseln wichtige Wirtschaftsfaktoren. Die versteckte Botschaft hinter diesen Zahlen lautet, Argentinien schade sich doch selbst, wenn es auf seiner Boykott-Politik beharre, statt den wirtschaftlichen Austausch mit den Falklands zu suchen.
„Felsenfester Standpunkt“
Und obwohl es in der Frage der Souveränität der Inseln nichts zu verhandeln gebe - Hague hob am Montag nochmals diesen „felsenfesten Standpunkt“ der britischen Regierung hervor. Es gebe viel zu besprechen: Handel, Ölförderung, Verkehr, Fischereifragen, all das müsse geregelt werden und sei in der Vergangenheit auch schon Gegenstand von beiderseitigen Abkommen gewesen. Leider würden sie von Argentinien inzwischen einseitig nicht mehr beachtet.
Dem britischen Verteidigungsminister Hammond wird derweil vorgeworfen, er gebe durch seine Sparpolitik den Schutz der Inseln auf. Auch Hammond hat in den vergangenen Monaten eine formelhafte Antwort auf diesen Vorwurf eingeübt: Es gebe weder Anzeichen, dass Argentinien an eine neuerliche Militäraktion gegen die Falklands denke noch werde dem argentinischen Militär die Fähigkeit zu einer neuen Invasion zugetraut. Argentinien habe doch seit vierzig Jahren keine neuen Kampfflugzeuge mehr gekauft, während die britische Airforce auf den Inseln vier Eurofighter Typhoon stationiert habe, also die technisch besten Jagdflugzeuge, die es gegenwärtig gebe. Außerdem seien gegenwärtig mehr als 1000 britische Soldaten auf den Falklands stationiert, während das Kontingent damals nur aus 70 Marineinfanteristen bestanden habe.
Nur im Stillen ist der britischen Regierung die Kalkulation gestattet, zu welchen anderen Zwecken die jährlich knapp 250 Millionen Euro, die diese Stationierung kostet, im britischen Staatshaushalt verwendet werden könnten. Neue diplomatische Offensiven in Südamerika ließen sich damit allemal finanzieren.
Wenn es denn sein muß !
Maximilian Sichart (Sichart)
- 03.04.2012, 13:13 Uhr
"Herr Dieter" lesen Sie mal nach, wer die Falklands zuerst
besiedelten ...
Peter Slater (Wales-Rhondda)
- 03.04.2012, 11:22 Uhr
"God save the queen", erst in zweiter Linie geht es ums
Öl @ Wolfgang Hebold
Peter Herbeck M.A. (peterherbeck)
- 03.04.2012, 10:39 Uhr
Immer noch einen Krieg wert?
Klaus Dieter (Leser2009)
- 03.04.2012, 07:56 Uhr
