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F.A.Z.-Gespräch mit Hashim Thaçi „Einen Kompromiss mit Serbien erwarten wir nicht“

19.11.2007 ·  Nach dem Sieg seiner Partei hat der künftige Ministerpräsident des Kosovos eine Unabhängigkeitserklärung angekündigt. Er wolle die Verhandlungen mit der EU-Troika respektieren. Aber dann sei Zeit für eine Entscheidung, sagt Thaçi im F.A.Z.-Gespräch.

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Kosovos designierter Ministerpräsident Hashim Thaçi will die Verhandlungen mit der EU-Troika respektieren. Aber danach werde das Kosovo die Entscheidung zu seiner Unabhängigkeit fällen, erklärte Thaçi im F.A.Z.-Gespräch mit Michael Martens.

Wie lange wird es dauern, bis das Kosovo eine neue Regierung hat?

Es dürfte vor dem 10. Dezember soweit sein. Wir werden eine Regierung der Stabilität bilden.

Erwarten Sie etwas von den Gesprächen zwischen Serben und Albanern, die noch bis Anfang Dezember unter Leitung der Troika über den künftigen Status des Kosovos geführt werden?

Einen Kompromiss zwischen Kosovo und Serbien erwarte ich nicht, aber wir werden die Agenda der Troika bis zum 10. Dezember respektieren. Danach wird das Kosovo aber seine eigene Agenda haben. Es wird die Entscheidung zu seiner Unabhängigkeit fällen, und dafür erwarte ich internationale Unterstützung. Wir können nicht warten, bis alle Staaten bereit sind, uns anzuerkennen. Auch das von serbischer Seite vorgeschlagene Hongkong-Modell ist ein Fehlschlag. Zypern kann ebenfalls nicht auf das Kosovo übertragen werden, ebenso wenig wie der Vorschlag einer Förderation oder Konföderation mit Serbien. All diese Ideen sind nicht haltbar.

Ein Bund wie der zwischen Serbien und Montenegro, aus dem Montenegro nach drei Jahren durch ein Referendum ausschied, wäre keine Lösung für das Kosovo?

Nein. Es ist jetzt die Zeit der Entscheidung, nicht weiterer Verzögerungen. Wir haben fast ein Jahrhundert lang darauf gewartet.

Geht es bei den Troika-Gesprächen nicht ohnehin allein um die Vorbereitung einer Einigung zwischen den EU-Staaten, die sich auf die Unabhängigkeit des Kosovos vorbereiten müssen?

Auch das mag eine Rolle spielen. Ich habe mit den meisten europäischen Führern gesprochen. Sie sind alle der Meinung, dass eine Entscheidung getroffen werden muss. Und sie wissen alle, was auch Serbien weiß: Die Unabhängigkeit ist die einzige Lösung.

Wird das Parlament des Kosovos in einer symbolischen Deklaration die Unabhängigkeit Serbiens anerkennen?

Das Kosovo ist bereit, die Unabhängigkeit Serbiens anzuerkennen - und ich hoffe, sehr bald wird auch Serbien in der Lage sein, den kosovarischen Staat anzuerkennen. Dann ist die Region offen für die EU.

Es gibt EU-Staaten, die das Kosovo nicht anerkennen und womöglich sogar eine Mission der europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik im Kosovo ablehnen wollen.

Ich möchte nicht glauben, dass Griechenland eine isolierte Stimme in der EU werden will. Es liegt mehr in Griechenlands Interesse, die Unabhängigkeit des Kosovos anzuerkennen, als dies nicht zu tun. Es ist in Griechenlands Interesse, eine partnerschaftliche Beziehung zum Kosovo zu unterhalten. Griechenland sollte diese Gelegenheit nicht ungenutzt lassen.

Und Zypern?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Zypern an seiner Position festhalten wird. Ich verstehe das zyprische Dilemma. Aber Zypern sollte kein isolierter Teil der EU werden. Mir scheint, dass auch Zypern am Ende Teil der europäischen Entscheidung sein wird. Aber Kosovo kann nicht auf Zypern warten. Kosovo und die Welt können nicht das Opfer der Schwierigkeiten einzelner Staaten werden.

Soll das neue Parlament eine Unabhängigkeitserklärung noch in diesem Jahr verabschieden?

Kosovo wird die demokratische Welt nicht unangenehm überraschen, weder Washington noch die EU. Unsere Handlungen werden mit der Staatengemeinschaft abgestimmt sein, denn wir wollen keine isolierte Unabhängigkeit. Aber nach dem 10. Dezember wird Kosovo, in Absprache mit Washington und Brüssel, seine Entscheidung fällen.

Was für eine Unabhängigkeit wird das sein, wenn das Kosovo jenen internationalen Organisationen nicht beitreten kann, in denen Mitglieder Neuaufnahmen verhindern können? Wie soll das Kosovo Mitglied der Vereinten Nationen werden?

Das Kosovo wird sofort Teil des Internationalen Währungsfonds sein und vier bis sechs Monate nach der Unabhängigkeit auch Mitglied der Weltbank. Aber wichtig ist es für uns zunächst, offiziell unabhängig zu sein und eine internationale zivile Mission sowie die Nato im Lande zu haben, gute Beziehungen zu den Nachbarn zu pflegen und bessere zu Serbien aufzubauen. So können wir Schritt für Schritt in die internationalen Mechanismen integriert werden.

Präsident Bush hat in diesem Sommer in Tirana eine Rede gehalten, in der er deutlich gesagt hat, dass die Vereinigten Staaten das Kosovo als Staat anerkennen werden. War das nur für die Albaner des Kosovos oder für alle Albaner eine historische Rede?

Die Rolle der Vereinigten Staaten ist unersetzlich für Kosovo. Die Nachricht von Präsident Bush entsprach dem Willen der Bevölkerung im Kosovo. Letztlich wird jeder seiner Einschätzung zustimmen, dass das Kosovo unabhängig werden muss. Es wäre eine große Ehre für mich, wenn ich George Bush als Staatsgast in einem unabhängigen Kosovo begrüßen könnte. Zwei Millionen Albaner würden ihm einen prächtigen Empfang bereiten.

Das Gespräch führte Michael Martens.

Quelle: F.A.Z.
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