Home
http://www.faz.net/-gq5-qwgl
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

F.A.Z.-Gespräch Kwasniewski: Unsere Zukunft hängt an Deutschland

01.09.2005 ·  Die Wahl in Deutschland sei eines der wichtigsten Ereignisse für die Zukunft Europas, sagt Polens Präsident Kwasinewski im F.A.Z.-Gespräch. In Danzig gedachte er gemeinsam mit Bundespräsident Köhler dem Beginn des deutschen Überfalls auf sein Land.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Die Präsidenten Polens und Deutschlands, Kwasniewski und Köhler, haben am Donnerstag am Denkmal der Festung Westerplatte bei Danzig einen Kranz zur Erinnerung an den Beginn des deutschen Überfalls auf Polen am 1. September 1939 niedergelegt.

Nach einer kurzen militärischen Zeremonie faßten die beiden Präsidenten einander zum Zeichen der Versöhnung bei den Händen und verbeugten sich vor dem Denkmal der polnischen Soldaten, die vor 66 Jahren hier gefallen waren.

Köhler: Deutsche wissen, „von wo das Unheil ausgegangen ist“

Der Beschuß der Westerplatte, eines polnischen Munitionslagers in der damaligen „Freien Stadt Danzig“, durch das Deutsche Linienschiff „Schleswig-Holstein“ in den Morgenstunden des 1. September 1939 gilt als der Beginn des Zweiten Weltkriegs. Die Verteidigung der nur 205 Mann starken polnischen Garnison bis zum 7. September gegen eine deutsche Übermacht gehört zu den wichtigsten Erinnerungen des polnischen Volkes an seine Verteidigung gegen die deutsche Wehrmacht im Weltkrieg.

Mit seinem Besuch in Danzig beendete Präsident Köhler seinen Staatsbesuch in Polen, bei dem er unter anderem auch an den Feierlichkeiten zum 25. Jubiläum der Gewerkschaft „Solidarnosc“ teilgenommen hatte. Köhler hatte schon zu Beginn seiner Reise gesagt, auch angesichts der polnischen Sorgen über das in Berlin geplante „Zentrum gegen Vertreibungen“ wolle er mit seinem Besuch an der Westerplatte zeigen, daß die Deutschen wüßten „von wo das Unheil ausgegangen ist“.

Kwasinewski: Mangel an europäisch denkenden Politikern

Präsident Kwasniewski äußerte sich indes in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auch zur Bedeutung Deutschlands für seine Partner. Die Zukunft Europas hänge weitgehend von der Zukunft Deutschlands ab, sagte Kwasniewski und fügte mit Blick auf die Bundestagswahl am 18. September hinzu: „Die Wahl in Deutschland ist eines der wichtigsten Ereignisse für die Zukunft Europas.“

In dem Gespräch, in dessen Mittelpunkt die Lage und Aussichten der Europäischen Union stand, beklagte der Präsident einen Mangel an europäisch denkenden Politikern und an europäischer Führungskraft: „Die Summe nationaler Egoismen schafft keinen großen europäischen Wert“. Bei dem gescheiterten Gipfeltreffen im Juni in Brüssel sei es nicht um die Finanzen gegangen, sondern um einen politischen Kampf zwischen Frankreich und Großbritannien um die Führung in Europa.

Mit Blick auf die künftige Gestalt der EU lehnte Kwasniewski ein Kern-Europa ab. Er plädierte nachdrücklich dafür, der Ukraine eine europäische Perspektive zu geben und die Verhandlungen mit der Türkei über eine Aufnahme in die EU wenigstens zu beginnen. Kwasniewski gestand eine gewisse Ratlosigkeit ein, wie die Kluft zwischen den Wählern und der Europapolitik zu verringern sei. Er beklagte vehement, daß anders als angekündigt gegenwärtig nicht über Wege aus der europäischen Verfassungskrise gesprochen werde. „Das ist ein Fehler, der uns später viel kosten wird.“

Das vollständige Gespräch mit dem polnischen Präsidenten Kwasniewski lesen Sie im Rahmen der F.A.Z.-Serie „Europa gestalten“ in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 2.September 2005.

Quelle: ul./K.F.; F.A.Z.
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Von dir die Fregatte, von mir die Drohne

Von Thomas Gutschker

Verteidigung ist eine nationale Angelegenheit? Die Wirklichkeit hat sich längst geändert. Die Armeen der Nato-Partner müssen zusammenarbeiten. Kein Land ist mehr autark. Mehr 2