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Explosionen Verwirrung über „Raketenbeschuß“ in Iran

16.02.2005 ·  Kurzzeitig hielt ein Bericht des iranischen Fernsehens die Welt in Atem. Nahe der Atomanlage Buschehr soll ein unbekanntes Flugzeug eine Rakete abgefeuert haben. Später folgten offizielle Dementis, doch die Ursache der Explosion bleibt unklar.

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Eine Explosion in der südiranischen Provinz Buschehr hat am Mittwoch für Aufregung gesorgt. Der iranische arabischsprachige Fernsehsender Al-Alam berichtete zunächst, Einwohner der Stadt Dailam hätten eine Explosion gehört und beobachtet, wie ein Flugzeug rund 20 Kilometer von der Stadt entfernt eine Rakete abgeschossen habe.

In der bezeichneten wüstenähnlichen Gegend in der Provinz Buschehr unterhält Iran eine Atomanlage. Das staatliche Fernsehen berichtete von einer großen Explosion am Stadtrand von Dailam: „Augenzeugen sagten, daß die Rakete von einem unbekannten Flugzeug 20 Kilometer außerhalb der Stadt abgefeuert wurde“. Die Explosion könne aber auch von einem Treibstofftank stammen, den ein iranisches Flugzeug in der Region verloren habe.

„Keine Hinweise auf einen Angriff“

Zunächst rätselten auch die iranischen Behörden über die Ursache der Explosion. Der iranische Revolutionsrat dementierte den Angriff, aber auch den Bericht über einen abgefallenen Tank. Später sagte ein Sprecher des Innenministeriums, es gebe keine Hinweise auf einen Angriff in der Gegend von Dailam. Vielmehr bestehe die Möglichkeit, daß das Feuer versehentlich von der eigenen Seite ausgelöst worden sei. Dies sei in den letzten Tagen mehrfach vorgekommen. Ob die iranischen Streitkräfte in der Regionen zur Zeit Übungen durchführen, sagte der Sprecher nicht.

Mehrere Nachrichtenagenturen berichteten unter Berufung auf einen ungenannten ranghohen iranischen Sicherheitsvertreter, die Explosion sei durch Straßenbauarbeiten verursacht worden. Später hieß es von offizieller Seite, die Explosion gehe auf eine Sprengung beim Damm-Bau zurück. „Die Explosion in der Dailam-Region war zum Damm-Bau bestimmt“, sagte Ali Agha Mohammadi vom Obersten Nationalen Sicherheitsrat der Nachrichtenagentur Isna am frühen Mittwoch abend.

Die Öl-Preise zogen nach ersten Berichten über einen möglichen Flugzeugbeschuß zunächst an, gaben nach den neuen Berichten aber wieder nach. Auch der Dollar erholte sich wieder.

„Gemeinsame Front“

Zuvor hatten Iran und Syrien verkündet, sich in Zukunft gemeinsam den Bedrohungen zu stellen, die sie vor sich sehen und meinen damit neben Israel vor allem die Vereinigten Staaten. Diese hatten in den vergangenen Wochen den Druck auf beide Staaten erhöht. Amerika wirft Iran vor, nach Atomwaffen zu streben und Syrien, Terroristen zu unterstützen.

„Wir sind bereit, Syrien in allen Punkten gegen Bedrohungen zu helfen“, sagte Irans stellvertretender Präsident Mohammed Resa Aref nach einem Gespräch mit Syriens Ministerpräsident Nadschi al-Otari. Dieser sagte: „Dieses Treffen, das zu einer sensiblen Zeit stattfindet, ist wichtig, besonders weil Syrien und der Iran vor mehreren Herausforderungen stehen und es notwendig ist, eine gemeinsame Front zu bilden.“

Ein Jahr lang aus der Luft spioniert?

Iran hatte Amerika zuvor mit dem Abschuß von Spionagedrohnen über seinem Territorium gedroht. „Unsere Atom- und Militäranlagen sind rechtmäßig, und deswegen würden wir jede Drohne abschießen, die versucht, sie auszuspionieren“, sagte Geheimdienstchef Ali Yunessi am Mittwoch der Nachrichtenagentur Isna. Die amerikanische Regierung hat hingegen erklärt, keine Drohnen im Iran einzusetzen.

Nach einem Bericht der „Washington Post“ hatte die amerikanische Regierung Iran fast ein Jahr lang mit unbemannten Flugkörpern ausgespäht, um Erkenntnisse über ein mögliches Atomwaffenprogramm und Schwächen der Luftabwehr zu gewinnen. Zuletzt sei im Januar eine solche Drohne über iranischem Hoheitsgebiet gesichtet worden.

F.A.Z.: Iran besteht auf Urananreicherung, setzt aber keine Frist

Die iranische Regierung machte unterdessen deutlich, daß sie auch weiterhin auf der Urananreicherung bestehe, will den Europäern in den derzeit laufenden Atomverhandlungen aber keine Frist setzen. Das sagte der iranische Außenminister Charrasi in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am Mittwoch in Berlin.

Seine Regierung erwarte bis zum 15. März nicht ein „definitives Ergebnis“ der Gespräche mit Deutschland, Frankreich und Großbritannien, sagte Charrasi. Iran werde weiter verhandeln, „wenn wir das Gefühl haben, daß die Gespräche positiv gewesen sind“.

Iran bietet „objektive Garantien“ an

Hohe Politiker und Diplomaten in Teheran hatten in jüngster Zeit davon gesprochen, daß bis Mitte März, wenn eine Bestandsaufnahme des bisherigen Verhandlungsverlaufes vorgesehen ist, eine Einigung erreicht werden müsse. Es wurde sogar damit gedroht, daß anderenfalls die umstrittene Urananreicherung wieder aufgenommen werde.

Gegenüber der F.A.Z. bekräftigte Charrasi, daß sein Land nicht zu einem Verzicht auf die Urananreicherung bereit sei. „Aber wir sind bereit, eine Atmosphäre des Vertrauens zu schaffen.“ Er bezeichnete „institutionalisierte, tiefe Beziehungen in den Bereichen Technologie, Wirtschaft und Sicherheitspolitik“ zwischen den Europäern und Iran sowie Inspektionen der Internationalen Atomenergiebehörde „in allen Anlagen“ als Schlüssel zur Beilegung des Konflikts. Iran sei bereit, „objektive Garantien“ zu geben, daß es sich nicht um die Herstellung von Atomwaffen bemühe.

„Falls etwas passiert“

Ein Stopp der Anreicherung sei schon deshalb keine Lösung, da Iran das Verfahren ja „später“ wieder aufnehmen könne, „falls etwas passiert“. Charrasi deutete allerdings eine Möglichkeit zur Verständigung an, indem er darauf hinwies, daß vorgeschlagen worden sei, Iran solle die Anreicherung als „joint venture“ gemeinsam mit anderen Ländern betreiben. „Wir brauchen praktische Lösungen“, fügte er hinzu.

Der Vertreter Irans bei den Atomgesprächen mit den EU-Ländern, Hassan Rowhani, bekräftigte unterdessen, daß sein Land an den Plänen zur Errichtung von sieben Atomkraftwerken festhalte. Iran habe lediglich das Aussetzen der Urananreicherung bis März oder spätestens Ende Juni dieses Jahres zugesagt, erklärte Rowhani nach Isna-Angaben während eines Besuchs in Algerien. Er verwies auf eine entsprechende Vereinbarung, die Ende vergangenen Jahres mit den Verhandlungspartnern Großbritannien, Frankreich und Deutschland getroffen worden sei.

„Ein Albtraum für uns“

Nach Einschätzung Israels wird Iran in sechs Monaten über das Fachwissen zum Bau einer Atombombe verfügen. „Die Frage ist nicht, ob die Iraner bis 2009, 10 oder 11 eine Atombombe haben werden, die wesentliche Frage ist, ob sie das Wissen dazu haben werden“, sagte der israelische Außenminister Silvan Schalom am Mittwoch.

Innerhalb von sechs Monaten könnten alle dafür notwendigen Tests und Experimente der Iraner bereits abgeschlossen sein. „Dieses extreme Regime mit einer Atombombe ist ein Albtraum, nicht nur für uns“, sagte Schalom. Israel hat angedeutet, daß es einen Militärschlag führen könnte, um Iran an der Entwicklung einer Atombombe zu hindern. Es wird angekommen, daß Israel selbst über Atomwaffen verfügt.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa/Reuters/AFP
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