Der von einer Kernschmelze bedrohte japanische Atomreaktor Fukushima 1 soll mit Meerwasser gekühlt werden. Kabinettssekretär Yukio Edano sagte am Samstag in Tokio, die Reaktorhülle aus Stahl sei noch intakt und nicht beschädigt. Daher sei beschlossen worden, den Reaktorkern des an der Küste gelegenen Kraftwerks mit Meerwasser zu füllen.
Dem Wasser werde Borsäure beigemischt, um kritische Entwicklungen zu vermeiden. Der Füllvorgang werde fünf bis zehn Stunden dauern. Nach dem schwersten Erdbeben in der Geschichte Japans war die Kühlung des Reaktors ausgefallen. Dadurch droht eine Kernschmelze. Edano sagte, durch das Absinken des Kühlwasserstandes in dem Siedewasserreaktor habe sich Wasserstoff gebildet, der in das Reaktorgebäude ausgetreten sei. Dort habe sich der Wasserstoff beim Kontakt mit Sauerstoff entzündet und habe die Explosion verursacht, durch die das Reaktorgebäude eingestürzt sei.
Im Inneren der Stahl-Reaktorhülle habe es aber keine Explosion gegeben. Es sei auch noch keine große Menge Radioaktivität ausgetreten, sagte Edano, der die Bevölkerung erneut aufrief, Ruhe zu bewahren. Um Druck aus dem Reaktorkern abzulassen, hatten die Betreiber ein Ventil geöffnet. Dadurch war auch erhöhte radioaktive Strahlung in die Umgebung gelangt.
Kan: Kein größeres radioaktives Leck zu befürchten
In dem Kernraftwerk in Fukushima hatte sich am Samstag eine Explosion ereignet. Es habe Explosionsgeräusche gegeben, danach sei weißer Rauch aufgestiegen, berichtete der Fernsehsender NHK. Bilder deuten darauf hin, dass Teile der Gebäudehülle von Fukushima 1 weggebrochen sind. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo wurden vier Menschen verletzt.
Unmittelbar vor der Explosion habe es eine Erschütterung gegeben. Nach dem verheerenden Erdbeben und dem Tsunami hatte sich die Lage in dem Meiler durch den Ausfall des Kühlsystems zugespitzt. In der Nähe des Atomkraftwerks sei radioaktives Cäsium festgestellt worden, berichtete Kyodo am Samstag unter Berufung auf die Atomsicherheitskommission. Es sei möglich, dass in dem Reaktor eine Kernschmelze ablaufe. Nach Angaben von Greenpeace könnte das Cäsium aber auch beim Ablassen von Druck entwichen sein. Das Dramatische in Fukushima sei, dass neben der möglichen Kernschmelze in Block 1 in einem weiteren Kraftwerksblock ein solches Szenario drohe.
Japans Ministerpräsident Naoto Kan äußerte sich besorgt über die Lage, sprach aber nicht von einer Kernschmelze in Fukushima. Die Explosion vom Nachmittag werde zu keinem größeren radioaktiven Leck führen, sagte sein Regierungssprecher anschließend. Nach der Explosion weiteten die japanischen Behörden den Evakuierungsradius von 10 auf 20 Kilometer aus. Die betroffenen Anwohner wurden aufgefordert, das Gebiet so schnell wie möglich zu verlassen. Zuvor waren bereits rund 51.000 Menschen aus dem unmittelbaren Umfeld des beschädigten Kernkraftwerks Fukushima in Sicherheit gebracht worden.
Kühlsystem ausgefallen
Nach dem Beben am Freitag war das Kühlsystem des Reaktors ausgefallen. Der Betreiber des Kraftwerks habe daran gearbeitet, den Druck aus dem Reaktorgehäuse abzulassen, um eine Kernschmelze zu verhindern, so Kyodo. Trotz dieser Maßnahme seien ungewöhnlich hohe Radioaktivitätswerte um das Kraftwerk nachgewiesen worden.
In der im Nordosten gelegenen Region um die Kraftwerkskomplexe Fukushima 1 und 2 war der atomare Notstand ausgerufen worden, nachdem die Kühlsysteme ausgefallen waren. Die Regierung in Tokio kam zu einer Krisensitzung zusammen und ordnete in weitem Umkreis des Atomkraftwerks Evakuierungen an, um die Bevölkerung in Sicherheit zu bringen. Zehntausende von Rettungskräften, darunter auch Soldaten, sind in den Katastrophengebieten unermüdlich im Einsatz.
Reaktor stand kurz vor Stilllegung
Nach Angaben aus einer internationalen AKW-Datenbank stand der Reaktor im Atomkraftwerk Fukushima kurz vor der Stilllegung. Der Reaktor 1 des Meilers Fukushima Eins sollte nach etwa 40 Jahren in diesem Monat den Betrieb einstellen; eine Datenbank des Forschungszentrums Nuclear Training Centre (ICJT) in Slowenien nennt als „erwartetes Datum der Stilllegung“ den März 2011.
Der Bau des Reaktorblocks begann nach Angaben der World Nuclear Association bereits am 31. Juli 1967, die Leitung der Arbeiten lag beim amerikanischen Konzern General Electric. Am 17. November 1970 ging der vom Stromversorger Tokyo Electric Power Company (TEPCO) betriebene Siedewasserreaktor mit einer Bruttokapazität von 460 Megawatt ans Netz.
In Block 1 fiel nach dem Erdbeben vom Freitag die Hauptkühlung aus, daraufhin wurde ein Notkühlsystem in Gang gesetzt. Experten warnten vor einer möglichen Kernschmelze in diesem Reaktor. Der japanische Regierungssprecher Yukio Edano sagte am Samstag nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo, im Atomkraftwerk Fukushima Eins sei es zu einer Explosion gekommen, aber nicht im Reaktorblock 1.
Der Reaktor 1 ist der älteste der derzeit sechs Reaktorblöcke des Atomkraftwerks Fukushima Eins. Die Blöcke 2 bis 6 wurden von 1974 bis 1979 gebaut; zwei weitere Blöcke sind geplant. Elf Kilometer südlich des Atomkraftwerks Fukushima Eins befindet sich Fukushima Zwei mit vier Reaktoren, die von 1982 bis 1987 gebaut wurden.
Die japanische Regierung hat den
Lars Kuntermann (Leserlein)
- 12.03.2011, 12:49 Uhr
Wahnsinns Bewertungsmarathon von Kommentaren hier...
Marcus Püschel (Jimi-Hendrix)
- 12.03.2011, 12:51 Uhr
"Herr Braun" Ein Tsunami zerstort auch rotierenden Sonnenblumenfelder ...
Peter Slater (Wales-Rhondda)
- 12.03.2011, 12:53 Uhr
Schrecklich..
michel meiers (luckyiam)
- 12.03.2011, 12:57 Uhr
und wieder einmal versagt die Nachrichten-Versorgung in D
Erwin Steinhauer (hauer2)
- 12.03.2011, 13:00 Uhr
