http://www.faz.net/-gpf-8xhu3
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren

Veröffentlicht: 04.05.2017, 13:04 Uhr

Studie Europas Jugend hält nicht viel von Demokratie

Jeder fünfte junge Europäer will raus aus der EU, zeigt eine aktuelle Studie. Für viele ist sie eher Wirtschaftsraum denn Wertegemeinschaft – und die Demokratie nicht unbedingt die beste Staatsform.

von Johanna Dürrholz
© Felix Schmitt Diese Abiturienten haben gerade vermutlich anderes als Politik im Sinn.

Nur die Hälfte der jungen Europäer sieht die Demokratie als die beste Staatsform an. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, bei der Europäer im Alter zwischen 16 und 26 Jahren zu ihrer Haltung zu Europa und den europäischen Institutionen befragt wurden. Mit 52 Prozent der Befragten gab nur eine knappe Mehrheit der Befragten an, die Demokratie als Staatsform zu bevorzugen. Europa verstehen viele junge Menschen demnach primär als Wirtschaftsraum und nicht als Wertegemeinschaft mit kulturellen Gemeinsamkeiten: Drei von vier Befragten sehen in Europa vor allem ein wirtschaftliches Bündnis.

Demokratie als beste Staatsform? © TUI-Stiftung Vergrößern

Bei der im Auftrag der TUI-Stiftung durchgeführten YouGov-Studie wurden insgesamt 6000 Jugendliche in Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Griechenland und Spanien befragt.

Unterschiedliche Meinungen zur EU-Mitgliedschaft

Im Hinblick auf die EU-Mitgliedschaft driften die Meinungen zwischen den unterschiedlichen Ländern auseinander: Während sich in Deutschland und Spanien eine deutliche Mehrheit für einen Verbleib in der EU aussprach, fiel diese in Griechenland knapper aus: 31 Prozent der Griechen plädierten sogar für einen EU-Austritt. Die EU-Befürworter schauen außerdem der Umfrage zufolge bei Weitem optimistischer in die Zukunft, während Skeptiker im Hinblick auf ihre Zukunft eher pessimistisch eingestellt sind.

Mehr zum Thema

Auch die Arbeit der EU sehen die jungen Europäer eher kritisch: 37 Prozent der Befragten vermissen konkrete politische Ziele und Pläne der EU. 32 Prozent stören sich außerdem an der Zusammenarbeit der Länder untereinander.

Mehr Macht für nationale Regierungen

Der politische Trend des Protektionismus scheint nicht spurlos an der Jugend vorbeigegangen zu sein. „Sicherheit“ ist für die Befragten nach „Menschenrechten“ und „Frieden“ einer der wichtigsten Werte. Zugleich wünschen sich die Jungen weniger Einfluss der EU auf die Nationalstaaten – und eine damit einhergehende größere Macht der nationalen Regierungen.

Infografik / Die wichtigsten Werte für junge Europäer: Menschenrechte, Frieden und Sicherheit © TUI Stiftung Vergrößern

So sprechen sich 60 Prozent der befragten Griechen, 44 Prozent der Briten und 39 Prozent der Italiener dafür aus, dass die EU Macht an die nationalen Regierungen zurückgibt. In Deutschland hingegen ist die Tendenz zum Nationalstaat weniger ausgeprägt: Nur 23 Prozent der befragten jungen Deutschen sprachen sich für mehr nationalstaatliche Macht aus. Damit spiegelt die Studie auch die wirtschaftliche Situation der einzelnen Länder wider.

Infografik / Mehr Macht für die Nationalstaaten © TUI Stiftung Vergrößern

Auch mit ihrer nationalen Regierung zeigen sich viele junge Europäer unzufrieden. Nur in Deutschland ist die knappe Mehrheit der Befragten (53 Prozent) mit ihrer aktuellen Regierung zufrieden. Besonders enttäuscht sind die jungen Griechen: Fast 90 Prozent sind unzufrieden mit der griechischen Regierung. Überhaupt zeigt sich die überwältigende Mehrheit der Befragten nicht einverstanden mit der Art, wie sie regiert wird.

Flüchtlinge willkommen

Die den jungen Europäern oft zugeschriebenen Werte der Offenheit und Toleranz sind allerdings nicht verschwunden. Mehr als zwei Drittel der Befragten befürworten die wirtschaftliche Unterstützung schwächerer Mitgliedsländer. Eine herausragende Mehrheit von 68 Prozent befürwortet außerdem die Aufnahme von Flüchtlingen, „die aus berechtigten Gründen Asyl suchen“.

Hass und Gewalt

Von Reinhard Müller

Die Türkei klagt über „Rassisten“ und „Faschisten“ – und gibt so der Bundesregierung recht. Erdogans Regime bricht alle Brücken ab – auch zum eigenen Volk. Mehr 1 38

Zur Homepage