http://www.faz.net/-gpf-8xhu3

Studie : Europas Jugend hält nicht viel von Demokratie

  • -Aktualisiert am

Diese Abiturienten haben gerade vermutlich anderes als Politik im Sinn. Bild: Felix Schmitt

Jeder fünfte junge Europäer will raus aus der EU, zeigt eine aktuelle Studie. Für viele ist sie eher Wirtschaftsraum denn Wertegemeinschaft – und die Demokratie nicht unbedingt die beste Staatsform.

          Nur die Hälfte der jungen Europäer sieht die Demokratie als die beste Staatsform an. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, bei der Europäer im Alter zwischen 16 und 26 Jahren zu ihrer Haltung zu Europa und den europäischen Institutionen befragt wurden. Mit 52 Prozent der Befragten gab nur eine knappe Mehrheit der Befragten an, die Demokratie als Staatsform zu bevorzugen. Europa verstehen viele junge Menschen demnach primär als Wirtschaftsraum und nicht als Wertegemeinschaft mit kulturellen Gemeinsamkeiten: Drei von vier Befragten sehen in Europa vor allem ein wirtschaftliches Bündnis.

          Bild: TUI-Stiftung

          Bei der im Auftrag der TUI-Stiftung durchgeführten YouGov-Studie wurden insgesamt 6000 Jugendliche in Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Griechenland und Spanien befragt.

          Unterschiedliche Meinungen zur EU-Mitgliedschaft

          Im Hinblick auf die EU-Mitgliedschaft driften die Meinungen zwischen den unterschiedlichen Ländern auseinander: Während sich in Deutschland und Spanien eine deutliche Mehrheit für einen Verbleib in der EU aussprach, fiel diese in Griechenland knapper aus: 31 Prozent der Griechen plädierten sogar für einen EU-Austritt. Die EU-Befürworter schauen außerdem der Umfrage zufolge bei Weitem optimistischer in die Zukunft, während Skeptiker im Hinblick auf ihre Zukunft eher pessimistisch eingestellt sind.

          Auch die Arbeit der EU sehen die jungen Europäer eher kritisch: 37 Prozent der Befragten vermissen konkrete politische Ziele und Pläne der EU. 32 Prozent stören sich außerdem an der Zusammenarbeit der Länder untereinander.

          Mehr Macht für nationale Regierungen

          Der politische Trend des Protektionismus scheint nicht spurlos an der Jugend vorbeigegangen zu sein. „Sicherheit“ ist für die Befragten nach „Menschenrechten“ und „Frieden“ einer der wichtigsten Werte. Zugleich wünschen sich die Jungen weniger Einfluss der EU auf die Nationalstaaten – und eine damit einhergehende größere Macht der nationalen Regierungen.

          Bild: TUI Stiftung

          So sprechen sich 60 Prozent der befragten Griechen, 44 Prozent der Briten und 39 Prozent der Italiener dafür aus, dass die EU Macht an die nationalen Regierungen zurückgibt. In Deutschland hingegen ist die Tendenz zum Nationalstaat weniger ausgeprägt: Nur 23 Prozent der befragten jungen Deutschen sprachen sich für mehr nationalstaatliche Macht aus. Damit spiegelt die Studie auch die wirtschaftliche Situation der einzelnen Länder wider.

          Bild: TUI Stiftung

          Auch mit ihrer nationalen Regierung zeigen sich viele junge Europäer unzufrieden. Nur in Deutschland ist die knappe Mehrheit der Befragten (53 Prozent) mit ihrer aktuellen Regierung zufrieden. Besonders enttäuscht sind die jungen Griechen: Fast 90 Prozent sind unzufrieden mit der griechischen Regierung. Überhaupt zeigt sich die überwältigende Mehrheit der Befragten nicht einverstanden mit der Art, wie sie regiert wird.

          Flüchtlinge willkommen

          Die den jungen Europäern oft zugeschriebenen Werte der Offenheit und Toleranz sind allerdings nicht verschwunden. Mehr als zwei Drittel der Befragten befürworten die wirtschaftliche Unterstützung schwächerer Mitgliedsländer. Eine herausragende Mehrheit von 68 Prozent befürwortet außerdem die Aufnahme von Flüchtlingen, „die aus berechtigten Gründen Asyl suchen“.

          Quelle: FAZ.NET

          Weitere Themen

          Welten entfernt

          Katalonien vor der Wahl : Welten entfernt

          Am Donnerstag wählt Katalonien ein neues Regionalparlament. Aber die Gesellschaft ist zerstrittener als je zuvor, auf beiden Seiten grassieren die Ressentiments.

          Bye Bye freies Internet Video-Seite öffnen

          Netzneutralität in Amerika : Bye Bye freies Internet

          Die Entscheidung ist ein Rückschlag für Google & Co und könnte das Internet nachhaltig verändern. Donald Trump und seine Regierung schaffen damit die der Obama-Regierung eingeführte Gleichbehandlung aller Daten im Netz ab.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Neue Regierung : Österreichs Wirtschaft frohlockt

          Die neue Regierung aus ÖVP und FPÖ könnte den Standort Österreich in die Top-Liga zurückführen, glauben österreichische Geschäftsleute. Die Volkswirte sehen das allerdings deutlich skeptischer.

          Zweite Chance für die GroKo : Zwischen gestern und morgen

          Diese Woche traf sich der CDU-Bundesvorstand zur Besprechung der Wahlanalysen und zur Klärung der Frage, wie man der SPD begegnen solle. Es wurde deutlich: Für eine große Koalition gibt es noch allerhand Unwägbarkeiten.
          Wie ungerecht ist eine Tradition, die Jesus begründet hat? Das Thema Frauenweihe könnte auch diese Messdienerin einst beschäftigen.

          Frauen in der Kirche : Ran an die Priesterinnenweihe!

          Wer weiß, ob und wann sich ein Papst dazu durchringt, weibliche Priester zu weihen? Christiane Florin plädiert deswegen jetzt für einen „Weiberaufstand“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.