Home
http://www.faz.net/-hox-776z1
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Zypern Anastasiades gewinnt Stichwahl

Der konservative Kandidat Nikos Anastasiadis hat die Stichwahl um das Präsidentenamt im griechischen Teil Zyperns gewonnen. Er erhielt 57,5 Prozent der Stimmen und setzte sich gegen den linken Politiker Stavros Malas durch.

© REUTERS Vergrößern Siegesgewiss: Nikos Anastasiades nach der Stimmabgabe

Wäre es nach ihm gegangen, gäbe es auf Zypern statt 40.000 türkischer Besatzungssoldaten bald nur noch ein symbolisches Kontingent von 650, und die Insel wäre seit vielen Jahren wiedervereinigt. Doch es ging nicht nach Nikos Anastasiadis, als griechische und türkische Zyprer am 24. April 2004 in getrennten Referenden über einen nach dem damaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan benannten Plan zur Beendigung ihrer Teilung abstimmten. Mutig hatte sich Anastasiadis gegen die nationalistische Angstkampagne des damaligen zyprischen Präsidenten Papadopoulos gestemmt. Gewiss habe der Annan-Plan auch Nachteile, erfordere er schmerzhafte Kompromisse; wer aber dagegen stimme, verspiele die wohl letzte Chance auf eine Wiedervereinigung, warnte Anastasiadis. Gehör fand er bei den Griechen der Insel kaum. Mehr als drei Viertel der griechischen Zyprer stimmten gegen den Plan, wodurch das Javotum der Türken Zyperns bedeutungslos wurde.

Michael Martens Folgen:    

Anastasiadis gestand die Niederlage sofort ein und sagte, selbstverständlich akzeptiere er den Mehrheitswillen. Seit dieser Episode ist bekannt, dass er den Mut hat, sich gegen die Mehrheit zu stellen, wenn er das für wichtig hält. Diesen Mut wird Zyperns neuer Präsident auch in den kommenden Monaten brauchen. Anastasiadis übernimmt sein Amt in der größten Krise Zyperns seit der türkischen Invasion von 1974. Diesmal liegt es nicht an der türkischen Armee, sondern an den zyprischen Banken, die sich bis unter die Zinne mit griechischen Staatsanleihen eingedeckt hatten und von deren Wertverlust hart getroffen wurden. Als Folge würde Zypern bankrott sein, erhielte es nicht bald von der EU mindestens 16 Milliarden Euro Hilfe. Anastasiadis muss mit den Geldgebern einen Sanierungsplan aushandeln. Schon jetzt ist absehbar, dass es Widerstand dagegen geben wird. Anastasiadis’ Vorgänger Dimitris Christofias malt das Bild von den bösen Europäern im Allgemeinen und den bösen Deutschen im Besonderen an die Wand. Es wird Proteste geben, Demonstrationen, Streiks - auch wenn die Töne in Nikosia bisher nicht so schrill sind wie in Athen.

Anastasiadis kommt dabei zugute, dass er schon manchen Sturm ausgestanden hat. Geboren 1946 bei Limassol, ist er seit langem im politischen Geschäft. Nach dem Jurastudium in Athen und London (wo er sich auf Schifffahrtsrecht spezialisierte), ist er seit 1981 Abgeordneter und seit 1997 Vorsitzender der konservativen „Partei der Demokratischen Sammlung“. Gut vernetzt ist er in der Europäischen Volkspartei, der EVP. Das mussten seine Mitbewerber um das Präsidentenamt, aber auch der russophile Christofias während des Wahlkampfs zähneknirschend zur Kenntnis nehmen, als unter anderem Angela Merkel sowie EU-Kommissionspräsident Barroso nach Zypern kamen und ihre Unterstützung für Anastasiadis auf eine für europäische Gepflogenheiten ungewöhnlich deutliche Art ausdrückten. Anastasiadis’ Wahlkampfslogan lautete: „Zypern ist nicht allein“. Es liegt nun an ihm, dieses Versprechen zu erfüllen.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Griechenland Zusammenstöße zwischen Polizisten und Demonstranten in Athen

Am Jahrestag der Tötung eines Jugendlichen kommt es in Athen zu teils schweren Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Rund 100 Menschen werden festgenommen. Mehr

06.12.2014, 22:39 Uhr | Politik
Athen Schäden nach Unwetter in Griechenland

Ein heftiger Sturm hat in Athen schwere Schäden hinterlassen. Wassermassen rissen Menschen mit und schoben Autos ineinander. Nach Angaben des griechischen Wetterdienstes soll das Unwetter den ganzen Samstag über noch andauern. Mehr

25.10.2014, 13:42 Uhr | Gesellschaft
Frühere CSU-Landrätin Pauli wird Bürgermeisterin auf Sylt - vielleicht 

Showdown auf Sylt: Die frühere Fürther Landrätin Gabriele Pauli hat bei der Bürgermeisterwahl auf der Nordsee-Insel die meisten Stimmen erhalten. In der Stichwahl am 11. Januar tritt Pauli gegen den Kandidaten der Sylter Wählergemeinschaft an. Mehr

14.12.2014, 20:48 Uhr | Aktuell
Flüchtlinge Umstrittene Flüchtlingsanlage in Athen

Einst beherbergte das Prosfygika, zu deutsch Flüchtlingshaus, in der griechischen Hauptstadt Athen nach dem Ersten Weltkrieg griechische Flüchtlinge aus der Türkei. Heutzutage ist es Zuflucht für Immigranten aus verschiedenen Ländern - trotz aller Bemühungen von Anwohnern und Regierung, das Gebäude abzureißen. Mehr

26.11.2014, 08:59 Uhr | Politik
Griechenland Parlament verabschiedet umstrittenen Haushalt

Die Regierung in Athen verspricht, im kommenden Jahr fast keine neuen Schulden zu machen. Während die Opposition gegen den Sparkurs protestiert, fordert die Troika umfangreichere Kürzungen. Sie hält die griechischen Prognosen für zu optimistisch. Mehr

08.12.2014, 04:14 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 24.02.2013, 18:59 Uhr

Falsche Führung

Von Reinhard Müller

Der Bamberger Erzbischof Schick warnt Christen vor der Teilnahme an „Pegida“-Demonstrationen. Gegen was soll ein Christ demonstrieren dürfen, wenn nicht gegen die „Islamisierung Europas“? Mehr 28