http://www.faz.net/-gq5-7wpiz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 24.11.2014, 13:09 Uhr

Russischer Kredit an Le Pen Putin-Vertrauter finanziert Front National

Was viele in Frankreich seit langem vermuten, ist nun bestätigt. Der von Marine Le Pen geführte rechtsextreme Front National hat bei einer russischen Bank einen Kredit über neun Millionen Euro aufgenommen. Ein Vertrauter des russischen Präsidenten Putin ist Chef der Bank.

von , Paris
© AFP Marine Le Pen: „Ich bewundere Putin“

Die Front-National-Vorsitzende Marine Le Pen hat für ihre Partei einen Neun-Millionen-Kredit bei einer russischen Bank aufgenommen, die von einem Putin-Vertrauten geführt wird. Der FN-Schatzmeister Wallerand de Saint-Just bestätigte am Montag entsprechende Informationen der Internetzeitung „Mediapart“.

Michaela Wiegel Folgen:

Die russische Bank „First Czech Russian Bank“ (FCRB) habe bislang zwei Millionen Euro an seine Partei überwiesen, sagte der Schatzmeister. Das Geld braucht die rechtsextreme Partei unter anderem für die Organisation ihres Parteitages an diesem Wochenende in Lyon.

Saint-Just sagte, die Aufnahme von Krediten im Ausland sei legal. Seit langem schon gibt es in Frankreich Spekulationen darüber, dass der Front National aus Moskau finanziert wird. Der FN-Europaabgeordnete Jean-Luc Schaffhauser sagte, er habe das Kreditgeschäft in Moskau angebahnt.

Mehr zum Thema

Wegen der europäischen Sanktionen gegen fünf staatliche russische Banken sei dies eine Herausforderung gewesen. Doch die guten Beziehungen Marine Le Pens zur Führungsriege um Präsident Wladimir Putin hätten geholfen.

Bewunderung für Putin

Le Pen zählt zu den schärfsten Gegnern der europäischen Sanktionspolitik und sagte wiederholt: „Ich bewundere Putin“. Sie plädiert für eine Vertiefung der französisch-russischen Beziehungen und wirft der EU vor, einen neuen Kalten Krieg heraufbeschworen zu haben.

Putin sei der letzte Verteidiger christlicher Werte in Europa und habe sich nicht von der homosexuellen Lobby unterjochen lassen, so Le Pen. Der Millionenkredit kam laut Mediapart unter Vermittlung des russischen Abgeordneten Alexander Babakow zustande. Babakow steht auf der EU-Sanktionsliste.

Die First Czech Russian Bank (FCRB) ist ein kleineres Kreditinstitut, das 1996 in der Tschechischen Republik gegründet und später vom russischen Gas- und Erdölkonzern Stroytransgaz (früher Teil von Gazprom) aufgekauft wurde. Das Institut gehört heute dem ehemaligen Finanzchef von Stroytransgaz, Roman Popow, der gute Verbindungen in den Kreml unerhält.

Der Millionenkredit für den Front National wurde schon im September vereinbart. Zwei französische Untersuchungsrichter, Renaud van Ruymbeke und Aude Buresi, ermitteln bereits wegen möglicher illegaler Finanzierungsmethoden beim Front National. Es könnte sein, dass sie sich künftig auch für das Geld aus Moskau interessieren.

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Olympia 2016 in Rio Putin überhäuft Medaillengewinner mit Geld und Autos

Russland empfängt seine erfolgreichen Sportler nach den Spielen in Rio im Kreml und belohnt sie fürstlich. Für den Rest der Sport-Welt findet Präsident Putin harte Worte. Mehr

25.08.2016, 16:39 Uhr | Sport
Marine in Mexiko Schnellboot mit Hunderten Kilo Kokain beschlagnahmt

Die mexikanische Marine hat ein Schnellboot voller Drogen beschlagnahmt. Das Boot hatte mehr als 800 Kilogramm Kokain geladen. Mehr

23.08.2016, 08:35 Uhr | Gesellschaft
Russland und die Türkei Eine komplizierte Beziehung

Moskau steckt mit seinem Syrien-Einsatz in der Klemme, denn sein neuer Verbündeter Erdogan greift seinen alten Verbündeten Assad an. Für die Kämpfe in Syrien setzt der Kreml auf Söldner. Mehr Von Friedrich Schmidt, Moskau

25.08.2016, 20:31 Uhr | Politik
Virtuelle Schnitzeljagd Pokémon Go auf Russisch

Schon länger als Pokémon Go soll es in Moskau die App Discover Moscow Photo geben. Damit jagt der User keinen Pokémon hinterher, sondern Persönlichkeiten aus der russischen Geschichte. Mehr

24.08.2016, 19:56 Uhr | Gesellschaft
Freihandel Die neue alte Angst vor der Globalisierung

Nicht nur durch Amerika weht ein protektionistischer Wind. Ökonomen nehmen die Verlierer des Freihandels in den Blick. Vor den Schattenseiten die Augen zu verschließen hätte fatale Folgen. Mehr Von Winand von Petersdorff und Philip Plickert

24.08.2016, 22:57 Uhr | Wirtschaft

Großzügige Angebote der SPD

Von Jasper von Altenbockum

Die SPD wäre nicht die SPD, wenn die von ihr angeregte Entlastung allen Bürgern gleichermaßen zugute kommen würde. Keine Steuersenkung ohne Steuererhöhung! Mehr 5 21