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Veröffentlicht: 25.11.2014, 12:38 Uhr

Rechtsextreme in der Ukraine Ein Mann mit Vergangenheit

Verdienste an der Front, radikale Gesinnung, höchster Posten bei den Ordnungshütern - wie der Rechtsextremist Wadim Trojan Polizeichef des Kiewer Gebietes werden konnte.

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© Reuters Wadim Trojan vor einer Flagge des Freiwilligen-Bataillons „Asow“ bei einer Pressekonferenz in Mariupol im August

Die Aufregung über die Ernennung eines gewissen Wadim Trojan zum Polizeichef der Region Kiew hielt in der Ukraine nicht lange an und zog keine besonders weiten Kreise. In den Kommentaren zu dieser Neuigkeit tauchte auf ukrainischen Nachrichtenportalen einige Male das Wort „Nazi“ auf. Wie Innenminister Arsen Awakow so einen zum Polizeichef machen könne, fragten sich manche Leser. Eine Menschenrechtlerin aus Trojans Heimatstadt Charkiw nannte die Personalentscheidung einen „Schlag ins Gesicht derjenigen, die auf dem Majdan für Europa gekämpft haben“. Doch es schlossen sich nicht viele öffentlich ihrer Kritik an.

Der 35 Jahre alte Trojan war Mitte des vergangenen Jahrzehnts aktives Mitglied der in Charkiw gegründeten neonazistischen Organisation „Patriot der Ukraine“. Die Kleinstgruppe schloss sich während der Proteste auf dem Majdan dem rechtsextremen Bündnis „Rechter Sektor“ an. In der Millionenstadt Charkiw griffen Mitglieder der Gruppe vor einigen Jahren Ausländer an; nach Angaben örtlicher Menschenrechtler haben sie auch Adolf Hitlers „Mein Kampf“ verteilt.

Die Führer von „Patriot der Ukraine“, Andrij Bilezkij und Oleh Odnoroschenko, sind nach Meinung des in Kiew lehrenden deutschen Osteuropahistorikers Andreas Umland „ausdrücklich biologische Rassisten“ und „propagieren offen den Ariermythos“. Umland vermutet deshalb, dass auch Trojan, der nach seinen Informationen zur Führungsriege der Organisation gehörte, solche Ansichten vertritt.

Verbunden mit dem rechtsextremen Milieu

Auf eine Anfrage dieser Zeitung reagierte das ukrainische Innenministerium nicht. Der „Deutschen Welle“ sagte ein Sprecher des Ministeriums jedoch kürzlich, die Organisation „Patriot der Ukraine“ sei von keinem Gericht als extremistisch eingestuft worden. Trojan selbst sagte dem Sender, er habe sich bei „Patriot der Ukraine“ mit Kindern und Jugendlichen sportlichen Aktivitäten sowie der „Ukrainisierung“ gewidmet.

© dpa, Reuters Ukraine-Krise: Putin lässt sich nicht isolieren

Damals sei in Charkiw alles, was mit Patriotismus, der Unterstützung der ukrainischen Sprache zu tun gehabt habe, als Neonazismus aufgefasst worden. „Man hat uns Rassisten genannt, weil wir in unseren Studentenjahren einen Marsch für soziale Rechte organisiert haben“, sagte Trojan. Zudem sei er 2007 nach Kiew umgezogen und habe sich dann ohnehin nicht mehr an den Aktionen der Gruppe beteiligt.

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Allerdings ist Trojan dem rechtsextremen Milieu offenbar verbunden geblieben. Im Mai dieses Jahres schloss er sich dem ukrainischen Freiwilligenbataillon „Asow“ an, das von Andrij Bilezkij und Oleh Odnoroschenko, der Führern von „Patriot der Ukraine“, ins Leben gerufen und angeführt wurde. Unter seinen Kämpfern sind rechtsradikale und rassistische Weltanschauungen sehr verbreitet. Trojan avancierte in der Truppe zum stellvertretenden Kommandeur und erwarb sich Meriten an der Front im Verteidigungskampf gegen prorussische Separatisten. Mitte November wurde das Bataillon offiziell der im Frühjahr gegründeten ukrainische „Nationalgarde“ angeschlossen.

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