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Wahlkampf in Italien Grillini und Mafiosi

 ·  Selbst am Tag der Wahl wissen viele Italiener noch nicht, wem sie ihre Stimme geben - wenn überhaupt. Denn das Vertrauen in die alten Parteien ist gering. Das zeigt auch ein Besuch in Sizilien, der Region, die eine entscheidende Rolle bei der Machtverteilung spielen wird.

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© Getty Images Vergrößern In seinem Revier: Silvio Berlusconi - Politiker, Medienunternehmer, Milliardär, Mann - Mitte Februrar in einer Fernsehtalkshow

Um Annamaria Rossi auf Sizilien kümmert sich niemand - außer vor Wahlen. Dann wird die zierliche, 65 Jahre alte Frau aus Zen für die Parteien interessant, die ihre Stimme wollen. Zen ist ein armer Stadtteil im Norden von Palermo, in dem in den sechziger Jahren Betonburgen hochgezogen wurden, sozialer Wohnungsbau. Hier wohnt Annamaria Rossi, seit sie sich ihre Wohnung im Zentrum der Stadt nicht mehr leisten kann.

Vor vier Jahren starb ihr Mann, vor zwei Jahren verlor sie ihre Arbeit in einem Café. Jetzt also Zen. „Dass sich ein Politiker hierhintraut, ist ungewöhnlich“, sagt Annamaria Rossi. Aber so richtig war Angelo Capodicasa, der Kandidat der Demokratischen Partei (PD), eigentlich gar nicht da: „Er fuhr nur durch die Straße und ließ Flugblätter zurück.“ Einst war Capodicasa Präsident der Region Sizilien, jetzt kandidiert er hinter Pier Luigi Bersani auf dem dritten Platz der PD-Liste für Rom.

Er hat mit dem Flugblatt zur letzten Wahlkampfkundgebung Bersanis am Mittwoch auf Palermos Theaterplatz geladen. Da werde auch sie sein, beschloss Annamaria Rossi. Denn sie weiß immer noch nicht, wem sie ihre Stimme geben soll, wenn Italien am Sonntag und Montag wählt. Mit ihrer Unentschlossenheit ist sie nicht allein.

Wahlkampf im Internet

In den letzten Tagen vor den Wahlen blicken Italiens Politiker vor allem auf die Lombardei - und auf Sizilien. Wer in diesen Regionen gewinne, werde im ganzen Land siegen, sagt Meinungsforscher Roberto D’Alimonte von der römischen Luiss-Universität. In beiden Regionen ist laut den letzten, vor zwei Wochen veröffentlichten Umfragen die Zahl der Unentschiedenen mit dreißig Prozent besonders hoch, in beiden Regionen liegen die Parteien besonders nah beieinander.

Vor zehn Tagen führte in beiden noch das Mitte-links-Bündnis aus PD und der Partei „Linke-Ökologie-Freiheit“ (SEL) - in der Lombardei vor dem „Volk der Freiheit“ (PdL) des früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi und der Lega Nord, auf Sizilien vor den „Grillini“ des Komikers Beppe Grillo. Das Bündnis Mario Montis, des Ministerpräsidenten, spielt auf den vorderen Plätzen keine Rolle. Meinungsforscher D’Alimonte zweifelt aber daran, dass die Umfragen noch gelten.

„Die jüngsten Skandale um die von der Linken kontrollierte Bank Monte dei Paschi in Siena und um die staatliche Konzernholding Finmeccanica in der Lombardei treiben die Leute weiter weg von den etablierten Parteien zu den Grillini“, sagt er. D’Alimonte traut auch den Aussagen der Befragten nicht mehr: „Zu Beginn des Wahlkampfes galt es als selbstverständlich, PD zu wählen.“ Nun sei Populismus wieder schick geworden, und darum „geben heute mehr Wähler zu, dass sie die Grillini wählen oder den Versprechen von Berlusconi trauen“, sagt D’Alimonte.

Noch etwas kommt den „Grillini“ entgegen - ein Wahlkampf, der im Internet stattfand, wo Kandidaten politische Botschaften über Twitter oder Facebook verbreiten. Am meisten wird online über Beppe Grillo diskutiert, gefolgt von Bersani und Monti. Für Italien sei das der erste Wahlkampf im Internet, sagt der Kommunikationswissenschaftler Stefano Epifani von der Universität Sapienza in Rom. Es sei aber schwer, diesen Internet-Wahlkampf in Wählerstimmen „umzumünzen“. Die wichtigsten Kandidaten - Grillo, Bersani, Berlusconi und Monti - seien alle älter als 60 Jahre. „Die meisten Internetnutzer aber sind viel jünger. Orientieren die sich an den Alten im Netz, gehen sie überhaupt zur Wahl?“, fragt Epifani.

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