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Wahlen in Dänemark : Zur Härte bereit

Fünf Selfies die Minute: Helle Thorning-Schmidt auf Bornholm Bild: (c) Jesper Voldgaard/Demotix/Cor

In Dänemark ist der Ton in der Integrationsdebatte oft rauh. Vor den Wahlen an diesem Donnerstag ist er noch schärfer geworden. Manche finden das nur ehrlich, andere verletzend. Beobachtungen aus einem aufgewühlten Wahlkampf.

          Sie hat Blumen für das Grab ihres Vaters gebracht, es ist unversehrt geblieben. Vor ein paar Tagen wurden hier fünfzig Gräber geschändet, Grabsteine umgetreten und zerbrochen. Der Friedhof liegt neben der Autobahn. Die Straße ist erhöht, so dass man die Autos nicht sieht, wenn man vor den Gräbern steht. Sie rauschen beständig vorbei. Es ist ein kühler Vormittag in einem Vorort von Kopenhagen. Der Wind fährt durch die Blätter der neu gepflanzten Bäume und verfängt sich im Kopftuch von Iman, als sie über den sandigen Weg zwischen den Gräbern geht. Vor 44 Jahren hat ihr Vater sie aus Jordanien nach Dänemark mitgenommen. Im vergangenen Jahr ist er gestorben, und nun liegt er hier auf dem muslimischen Friedhof an der Autobahn. Natürlich hier.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Dänemark sei längst ihre Heimat, sagt Iman. Hier sind ihre Freunde, ihre Familie. Iman sagt, ihr Dänisch sei gut, ihre Kinder studieren und sie arbeite als Altenpflegerin. Ihr Kopftuch trägt Iman nur auf dem Friedhof. Sie fühle sich wohl, sie fühle sich willkommen. „Ich fühle mich dänisch.“ Mindestens alle vier Jahre aber passiert hier etwas. Dann versteht sie nicht, was die Politiker auf einmal alle reden. Dann irritiert sie deren Ton. Das mache sie wütend, sagt sie. Dann geht um Einwanderung, Einwanderer und natürlich um Muslime. Es ist Wahlkampf.

          Auch Kashif Ahmad will in das dänische Parlament gewählt werden, und da seine Chancen gegen Null gehen, ist er bei der Auswahl seiner Wahlkampftermine nicht sonderlich wählerisch. Also hat sich Kashif Ahmad vor ein paar Tagen vor die Kameras des angeblich größten Internetfernsehsenders Dänemarks gestellt. Er war zu einer Talkshow eingeladen worden, sie hieß „Drei gegen Eins“, und Ahmad war der eine. Die anderen waren drei besorgte dänische Wähler und ein Moderator. Kashif ist jung und smart und, das dürfte für die Einladung entscheidend gewesen sein, er ist Muslim. Das Thema waren muslimische Einwanderer.

          Ahmad stand also in einem schlecht ausgeleuchteten Studio den Wählern und ihren Sorgen gegenüber. Einer sagte, dass er nicht mit Muslimen zusammenarbeiten wolle. Es wurde gefordert, Grenzen für Muslime zu schließen. All das schien Ahmad kaum aufzuregen. Ein paar Tage später sitzt er in einem Café im Kopenhagener Einwandererviertel Nørrebro. Als er von der Sendung erzählt, sagt er, dass es nicht einmal unbedingt die Schuld des Wählers gewesen sei. Dessen Haltung sei nur Folge davon, wie seit Jahren in Politik und Medien diskutiert werde – ein Produkt von „Hetze und Propaganda.“ Am Ende, sagt Ahmad, gehe es bei all den Diskussionen doch immer um ein „wir“ und „die“.

          „Wir sind Dänemark“: kein Platz für Missverständnisse

          „Die“, das sind die Einwanderer, die Flüchtlinge, und vor allem die Muslime. „Es ist als, wären Einwanderer und Muslim ein Wort“, sagt Ahmad. Ob gerade gekommen oder hier geboren, die Unterschieden verschwimmen schnell. Seit vielen Jahren schon ist der Ton in Dänemark schärfer als in manch anderen Ländern. In den Wochen, bevor ein neues Parlament gewählt wird, spitzt er sich noch einmal zu. Dann geht es nicht um Nuancen, sondern um Stimmen. An diesem Donnerstag ist die Wahl.

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