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Veröffentlicht: 19.07.2014, 15:48 Uhr

Ukrainischer Ministerpräsident „Das waren Profis, keine betrunkenen Gorillas“

Der ukrainische Ministerpräsident Jazenjuk sieht starke Beweise dafür, dass Russland den Raketenabschuss des malaysischen Passagierflugzeugs zu verantworten hat. Über die Indizien sprach er mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

© Yulia Serdyukova Der ukrainische Ministerpräsidenten Jazenjuk: Putin muss seine Agenten aus der Ukraine abziehen

Der ukrainische Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk beschuldigt Russland , hinter dem Abschuss des Passagierflugzeuges MH-17 zu stecken. Eine Kurzfassung des Interviews in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 20. Juli lesen Sie hier.

Herr Ministerpräsident, die amerikanische UN-Botschafterin sagt, wer immer Flug MH 017 mit 298 Menschen an Bord über der Ostukraine abgeschossen hat, hätte das nicht ohne Hilfe von Fachleuten tun können – und diese kämen möglicherweise aus Russland. Glauben Sie das auch?

Als Ministerpräsident muss ich starke Beweise haben. Was ich aber sicher sagen kann, ist dies: Das Flugzeug wurde über einem Gebiet abgeschossen, das völlig von den Rebellen kontrolliert wird. Zweitens: Sämtliche Boden-Luft-Raketen der Ukraine sind anderswo stationiert. Wir sind bereit, hier Beweise und Standorte offenzulegen. Das ist über Satellit leicht zu prüfen. Auf dieser Welt kann man nichts verstecken. Drittens: Wir haben während unserer gesamten „Antiterroristischen Operation“ nie Raketen benutzt. Viertens: Diese Boden-Luft-Systeme kommen aus russischer Herstellung. Fünftens: Wir wissen, dass diese Systeme nicht von betrunkenen Gorillas bedient werden können. Hier ist sehr professionelles Personal nötig, um Ziele zu finden, und die Rakete abzufeuern. Möglicherweise könnten Leute dieser Art aus Russland gekommen sein.

Was passiert also in der Ostukraine? Haben Sie einen Bürgerkrieg im Land oder einen Krieg gegen Russland?

In meinem Land gibt es keinen Bürgerkrieg.

Steht die Ukraine also im Krieg gegen Russland?

Ich habe das schon vor ein paar Monaten gesagt. Die Ukraine steht in einem Krieg, der von Russland unterstützt und möglich gemacht worden ist. Das ist die richtige Definition.

Was erwarten Sie vom Westen?

Keine roten Linien mehr. Die haben schon so viele rote Linien überschritten. Zuerst auf der Krim und dann durch die Lieferung illegaler Waffen an diese Terroristen. Dies ist der Punkt für eine sehr harte Antwort der internationalen Gemeinschaft. Es ist höchste Zeit. Sie haben jetzt ein weiteres internationales Verbrechen begangen. Ein furchtbares internationales Verbrechen an 298 unschuldigen Menschen aus vielen Ländern der Welt. Und jeder in dieser Welt versteht, dass dies wegen der russischen Position und wegen der Unterstützung Russlands geschehen ist. Dies ist die Wahrheit.

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Sie sagen: Schluss mit dem Gerede über „Rote Linien“. Was also muss jetzt geschehen?

Das kann ich Ihnen sagen. Putin hat seine Agenten vom Territorium der Ukraine abzuziehen. Er hat den Nachschub tödlicher Waffen zu stoppen. Er hat ihre Finanzierung zu stoppen und er hat sie öffentlich zu verurteilen. Das ist das beste Rezept, um die Situation zu entspannen. Und fünftens: Die Kontrolle über die ukrainisch-russische Grenze muss wiederhergestellt werden. Das ist mein Friedensplan.

Was sollten Amerika, Deutschland, die EU oder die Nato tun? Erwarten Sie Geld, Waffen, härtere Sanktionen?

Sie haben es genannt. Wir können mit dieser Lage alleine nicht zurechtkommen. Wir sind nicht so stark. Und dies ist nicht nur ein Konflikt zwischen der Ukraine und Russland. Nach dem Flugzeugabschuss vom Donnerstag ist dies ein internationaler Konflikt geworden. Finanzielle Hilfe, Militärhilfe, Sanktionen und Gespräche, das brauchen wir.

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