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Ukrainer über ihr Land : Was bleibt nach dem Majdan?

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Erinnerung an die Vorgänge auf dem Majdan vor einem Jahr. Bild: Illustration von Anatoliy Belov

Die Protestbewegung des Majdan bildet eine Zäsur in der Geschichte der Ukraine, eine Linie zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. Kann ein Rückblick auf diese Ereignisse helfen, den Krieg im Osten des Landes zu verstehen? Der erste Gastbeitrag der Serie „Stereoscope Ukraine“.

          In der ersten Folge der fünfteiligen Reihe „Stereoscope Ukraine“, die FAZ.NET in Zusammenarbeit mit „N-Ost“, „Colta.ru“ und „Tygodnik Powszechny“ veröffentlicht, müssen sich die Gastautoren mit der Frage auseinandersetzen, was von den Ideen und Vorstellungen der Protestler des Majdan nach einem Jahr bleibt. Wie in allen fünf Beiträgen stellt die Künstlerin und Schriftstellerin Yevgenia Belorusets die Frage.

          Yevgenia Belorusets

          Die Protestbewegung des Majdan begann vor anderthalb Jahren in Kiew und vor einem Jahr stürzte Janukowitsch über sie. Diese Bewegung hat nicht nur unser politisches Leben, sondern auch unseren Alltag grundlegend verändert. Der Majdan ist die Demarkationslinie zwischen unserer Vergangenheit und der Gegenwart, in der wir leben.

          Haben wir die Kraft und besteht die Notwendigkeit, heute zurückzublicken und darüber nachzudenken, was wir mit diesem Protest verbinden und was er uns bedeutet? Kann ein Gespräch über den Majdan uns helfen, den Krieg zu verstehen, der immer mehr Aspekte unseres Lebens überlagert?

          Roman Dubasevych

          Ich gestehe, dass mich die Frage, was „nach dem Majdan bleibt“, unangenehm berührt. Sie klingt wie ein Abgesang auf einen Majdan, dessen Losungen schon vergessen sind und dessen Vermächtnis verschleudert wurde.

          Roman Dubasevych stammt aus Lwiw (Lemberg).

          Dennoch: Wie die Menschen immer wieder zusammenkamen, wie sie ausharrten und wie gut sie zusammenarbeiteten – all das bezeugt die Entstehung einer gesellschaftlichen Bewegung. Der Krieg hat ihr ein tragisches Ende gesetzt.

          Das Bürgerengagement des Majdan hinterließ das unbeschreibliche Gefühl einer gemeinsamen Sache, einer echten res publica, einer riesigen Gemeinschaft, der es zumindest zeitweise gelungen war, Angst, Entfremdung und Ausweglosigkeit zu überwinden.

          Warum mussten die Ereignisse in Kiew trotz der vielen positiven Gefühle in einer Tragödie und blutigen Konfrontation enden? Diese Frage lässt uns keine Ruhe. Warum folgte auf die erste „himmlische Hundertschaft“ in Kiew eine zweite, dritte, zehnte und fünfzigste in der Ostukraine?

          Wie Boris Chersonskij betont, waren für die Eskalation grundsätzlich die damaligen Machthabern verantwortlich, die sich demonstrativ über die Forderungen der friedlichen Bürger hinwegsetzten und durch den Einsatz der „Tituschki“ Gewalt provozierten. Wenn wir die Ideen des Majdan bewahren wollen, müssen wir aber auch fragen: War in ihm neben Solidarität und Menschlichkeit auch der Keim eines künftigen Krieges angelegt?

          Nach Monaten ergebnisloser Straßenproteste wurde hie und da Unzufriedenheit laut. Man war enttäuscht von den Anführern der Oppositionsparteien und warf ihnen Unfähigkeit, ja Verrat vor! In der Tat wirkten sie recht hilflos. Das war der Nährboden für den Mythos vom „konsequenten“ und „effektiven“ „Rechten Sektor“ und den Fackelzug der rechtsradikalen „Swoboda“-Partei.

          Eine bis zwei Wochen vor den blutigen Ereignissen auf dem Majdan sprach ich lange mit einem Freund aus dem westukrainischen Lwiw. Er hielt es für notwendig anzugreifen und verwies auf die Brutalität der Herrschenden und die wachsende Opferzahl unter den Demonstranten. Ich wollte ihn davon überzeugen, dass es beim friedlichen Protest bleiben müsse. Angesichts der unabweisbaren Gewalt von staatlicher Seite gab ich irgendwann auf und stimmte ihm zu.

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