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Ukraine : Die Macht der Milliardäre

Im Zentrum der Macht: Noch ist unklar, ob Poroschenko sein Amt nutzt, um die Ukraine von dem Filz der Oligarchen zu befreien. Bild: dpa

Auf dem Majdan kämpften die Ukrainer auch gegen die Oligarchen. Doch einer von ihnen wurde Präsident. Der fängt jetzt an, den anderen die Geschäfte zu verderben - und schafft damit Platz für neue Clans.

          In der Ukraine fallen die Oligarchen wie im Herbst die Blätter: nicht alle auf einmal, nicht in einem einzigen dramatischen Höllensturz, sondern einzeln, gemächlich, gleitend. Während manche noch im Saft stehen, sind andere schon im Sinkflug. Der Milliardär Ihor Kolomojskij musste unter einem dramatischen Schwall russischer Flüche im März von seiner wichtigsten Pfründe Abschied nehmen, vom Gouverneurssitz der Millionenstadt Dnipropetrowsk. Den Gas-Baron Dmytro Firtasch hat es erst jetzt getroffen. Mitte Juni feuerte das Parlament seinen Hauptgewährsmann im Machtapparat, den Geheimdienstchef Valentyn Nalywajtschenko.

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Im Revolutionswinter vor eineinhalb Jahren, als Zehntausende auf dem Kiewer „Majdan“ im Schnee standen, skandierten sie eine bestimmte Losung leidenschaftlich in die Eisluft: „Bandu het“ – „Die Bande raus“. Die „Bande“, das war das Netzwerk der Oligarchen - das Gewebe aus Geld, Politik und Verbrechen, das die Ukraine seit dem Fall der Sowjetunion im Griff hat.

          Zunächst schien alles beim Alten zu bleiben

          Dann floh Janukowitsch. Die Leute, die damals im Schnee standen, regieren heute. Russland hat die Ukraine in den Krieg gestürzt und Teile ihres Territoriums annektiert. Das Land kämpft ums Überleben. Eine Zeitlang hatte es so ausgesehen, als würde ausgerechnet an den Oligarchen die Sturmflut vorbeigehen. Der mächtigste ihrer Clans, die „Familie“ des Präsidenten, ist nach dessen Flucht zwar zerfallen. Aber viele andere konnten sich halten. Der ostukrainische Grubenbaron Rinat Achmetow, Pate des alten Regimes, ist nach wie vor der reichste Mann der Ukraine. Firtasch, Beherrscher des Gasmarkts und lange Zeit eng mit dem russischen Staatskonzern Gasprom verbunden, zog weiter seine Kreise. Kolomojskij, mit Erdöl, Banken, Fluggesellschaften zu Reichtum gekommen, saß nach wie vor im Sattel. Nach Janukowitschs’ Sturz wurde er erst sogar noch mächtiger. Denn er schlug sich auf die Seite der Revolution. Aus seinem Milliardenvermögen stellte er Freiwilligenbataillone gegen Russland auf. Die neuen Führer in Kiew gaben ihm dafür den Sitz des Gouverneurs von Dnipropetrowsk. Als Dreingabe bekam einer seiner Freunde dasselbe Amt in Odessa am Schwarzen Meer.

          Damit schien es zunächst, als sei zumindest für einige der Oligarchen alles beim Alten geblieben. Weil die neue proeuropäische Führung angesichts des russischen Überfalls im Osten nicht an zwei Fronten zugleich kämpfen wollte, suchte sie einen Kompromiss mit den Milliardären des alten Regimes. Jurij Luzenko, einer der Vordenker der Wende, sagte damals, die Revolution sei durch den Krieg gegen die alte Vormacht Russland eben aus der „antioligarchischen“ in die „antiimperialistische“ Phase übergegangen. Nun sei jeder willkommen, der gegen den neuen Feind helfe.

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