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Veröffentlicht: 22.07.2015, 10:46 Uhr

Nach Anschlag von Suruc Türkei entschlossen zu Kampf gegen IS

Die Türkei will nach dem Anschlag von Suruc unnachgiebig gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ vorgehen. Der Regierung in Ankara schlägt eine Welle massiver Kritik entgegen. Diese ließ Twitter sperren.

© AFP Protestler in Kadikoy machen das Sieges-Zeichen.

Nach dem tödlichen Bombenanschlag im türkischen Suruc mit 32 Toten haben die Ermittler angeblich den Selbstmordattentäter identifiziert. Aus DNA-Analysen gehe hervor, dass es sich um einen 20 Jahre alten Türken aus der südöstlichen Provinz Adiyaman handele, teilte ein Behördenvertreter mit. Inzwischen wurden nach Angaben des Senders CNN Türk 28 der 32 Opfer identifiziert.

Die Türkei kündigte an, die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) unnachgiebig zu bekämpfen. „Der Kampf gegen Daesh (IS) wird mit Entschlossenheit fortgeführt“, sagte Präsidentensprecher Ibrahim Kalin der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu am Dienstagabend. Zugleich wies er Vorwürfe der Opposition zurück, die Regierung unternehme zu wenig gegen die Terrormiliz.

Kalin sagte weiter, seit der Aufnahme des IS in die Terrorliste im Oktober 2013 seien 1600 Ausländer mit Verbindungen zur Terrormiliz abgeschoben und gegen mehr als 15.000 Einreiseverbote verhängt worden. Die Behörden hätten zudem mehr als 500 Verdächtige festgenommen und gegen rund Hundert Haftbefehl erlassen.

In Reaktion auf Bilder und andere Inhalte, die auf Twitter verbreitet wurden, hatten die Behörden am Mittwoch den Zugang zum Kurzmitteilungsdienst für mehrere Stunden gesperrt. Twitter war am Mittwochmittag aus der Türkei nicht mehr erreichbar. Auch der Zugang zum sozialen Netzwerk Facebook war teilweise eingeschränkt. Ein Gericht in Suruc habe die Sperre angeordnet, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Grund seien Bilder und weitere Inhalte, die auf den sozialen Medien über den Anschlag verbreitet worden seien. Sobald diese entfernt würden, werde der Zugang wieder freigegeben.

Bei dem Anschlag am Montag nahe der syrischen Grenze waren 32 Menschen getötet worden. Etwa Hundert Menschen wurden verletzt. Ziel waren Anhänger einer sozialistischen Jugendorganisation, die in der syrisch-kurdischen Nachbarstadt Kobane Hilfe leisten wollte.

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In einem Haus der Stadt Ceylanpinar an der Grenze zu Syrien sind unterdessen zwei tote türkische Polizisten gefunden worden. Türkische Medien zitierten den Gouverneur der Provinz Sanliurfa, Izzetin Küçük, mit den Worten, noch sei es unklar, ob es eine "Verbindung zum Terrorismus" gebe. Beide Polizisten wurden demnach durch Kopfschüsse getötet.

In der zweiten Nacht in Folge ist es nach dem Anschlag von Suruc zu Krawallen zwischen der Polizei und Demonstranten gekommen. Mindestens elf Menschen wurden in der Nacht zu Mittwoch festgenommen. In mehreren Vierteln in Istanbul, in der Hauptstadt Ankara und in überwiegend von Kurden bewohnten Städten im Südosten kam es zu teilweise gewaltsamen Kundgebungen. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Viele Kurden in der Türkei werfen Präsident Recep Tayyip Erdogan und seiner AK-Partei vor, den IS im Kampf gegen die Kurden im Nachbarland Syrien zu unterstützen. Die Regierung in Ankara bestreitet das.

© dpa, reuters Aufstände gegen die türkische Regierung

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