http://www.faz.net/-hox-8dp65
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Aktualisiert: 17.02.2016, 22:51 Uhr

Türkische Hauptstadt Anschlag erschüttert Ankara – 28 Tote

Im Stadtzentrum von Ankara sind mindestens 28 Menschen durch eine Autobombe getötet und zahlreiche mehr verletzt worden. Der türkische Ministerpräsident sagte nach dem Anschlag auf den Militärkonvoi seinen Besuch beim Flüchtlings-Gipfel in Brüssel ab.

© dpa Der Anschlag auf den Militärkonvoi hatte sich am Mittwochabend im Zentrum Ankaras ereignet, als die Kolonne an einer Ampel zum Stehen kam.

Bei einem Attentat in Ankara sind am Mittwoch nach Behördenangaben mindestens 28 Menschen getötet worden. Mindestens 61 weitere Menschen seien bei dem Autobombenanschlag auf einen Militärkonvoi verletzt worden, sagte der Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus am Mittwochabend. Zu der Detonation kam es im Regierungsviertel Cankaya vor einem Gebäude der Luftwaffe in der Nähe des Parlaments. Ziel seien mehrere Fahrzeuge gewesen, die Angehörige der Streitkräfte transportiert hätten, wie das Militär mitteilte. Zu der Detonation sei es gekommen, als die Fahrzeuge gegen 18.30 Uhr Ortszeit an einer Ampel gehalten hätten. Das Militär bestätigte zudem, dass unter den Toten auch Soldaten seien. Genaue Angaben machte die Armee nicht.

© AFP, reuters Schwere Explosion in Ankara

Justizminister Bekir Bozdag sprach von einem „Terrorangriff“ und verurteilte die Tat. Den Angehörigen der Opfer sprach er sein Beileid aus. Bislang hat sich noch niemand zu dem Anschlag bekannt.

38620279 © Twitter/ @mehtesohtaoglu Vergrößern Der Detonationsort liegt im Regierungsviertel Cankaya vor einem Gebäude der Luftwaffe.

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte eine Stunde nach dem Anschlag seinen Besuch in Brüssel zu Gesprächen über die Flüchtlingskrise für Donnerstag ab. Davutoglu wollte am Donnerstag in Brüssel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem griechischen Regierungschef Alexis Tsipras zusammenkommen. Zudem sollte er an einem Mini-Gipfel des "Clubs der Willigen" mit Deutschland und anderen EU-Staaten teilnehmen, bevor der eigentliche EU-Gipfel am späten Donnerstagnachmittag beginnt. Diese Zusammenkunft wurde nach der Absage Davutoglus jedoch am Mittwochabend vom österreichischen Bundeskanzleramt gestrichen.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan berief ein Sicherheitstreffen ein. Zudem sprach er den Familien der Opfer Beileid aus: „Die Türkei, deren lange Vergangenheit voller trauriger Erfahrungen ist, wird mit Gottes Hilfe auch über diese Angriffe hinwegkommen“, hieß es in einer am Mittwoch auf der Website des Präsidialbüros verbreiteten Erklärung. Der Kampf gegen den Terror werde noch entschlossener weitergeführt. Die Türkei werde von ihrem Recht auf Selbstverteidigung Gebrauch machen, hieß es weiter.

Auch der Iran hat den Bombenanschlag verurteilt. Im Namen der Regierung in Teheran sprach Außenamtssprecher Dschaber Ansari den Angehörigen der Opfer sowie der türkischen Regierung sein Mitgefühl aus. "Dieser Anschlag hat erneut bewiesen, wie wichtig und notwendig der gemeinsame Kampf gegen die Terroristen sei", sagte Ansbari nach Angaben der Agentur ISNA.

Fotos vom Ort des Attentats zeigen das Ausmaß der Zerstörung Ein Polizist versucht, den Ort der Explosion abzuriegeln. © Reuters Bilderstrecke 

In der Türkei gilt seit dem bislang blutigsten Anschlag auf türkischem Boden, bei dem im Oktober in Ankara 103 Menschen getötet worden waren, die höchste Terrorwarnstufe. Die Behörden machten damals die Dschihadistenorganisation Islamischer Staat (IS) für die Tat verantwortlich. Außerdem wurden im Januar bei einem Selbstmordanschlag eines mutmaßlichen IS-Anhängers auf eine deutsche Reisegruppe in Istanbul elf Deutsche getötet.

In jüngster Zeit wurden türkische Sicherheitskräfte auch immer wieder von Anhängern der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Gegen die PKK gehen die Sicherheitskräfte seit Mitte Dezember mit einer Offensive in der Südosttürkei vor.

Infografik / Karte / Ankara / Explosion im Regierungsviertel © F.A.Z. Vergrößern

Quelle: coeh./AFP

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Attacke in Cizre Mehrere Tote bei Anschlag auf Polizei in Türkei

Bei der Explosion einer Autobombe vor einem Polizeipräsidium in der türkischen Stadt Cizre sind mindestens elf Ordnungshüter getötet worden. Amtliche Quellen haben schon einen Schuldigen ausgemacht. Mehr

26.08.2016, 08:44 Uhr | Politik
Südosten der Türkei Tote und Verletzte bei Anschlag auf Polizeistation

Bei einem Autobombenanschlag in der Stadt Cizre im Südosten der Türkei sind zahlreiche Menschen getötet worden. Die Attacke galt einer Polizeidienststelle. Mehr

26.08.2016, 13:25 Uhr | Politik
Türkei-Besuch Biden reist ohne Antwort nach Ankara

Joe Biden besucht heute die Türkei. Vom Besuch des amerikanischen Vizepräsidenten erhofft sich Erdogan vor allem eines: Er will die Auslieferung seines größten Widersachers, Fethullah Gülen, erzwingen. Mehr Von Michael Martens, Athen

24.08.2016, 09:16 Uhr | Politik
UN-Bericht Syriens Militär und IS haben Chemiewaffen eingesetzt

Einem Untersuchungsbericht zufolge haben das syrische Militär und die Extremisten-Miliz Islamischer Staat (IS) Chemiewaffen eingesetzt. Der UN-Sicherheitsrat will sich mit den Ergebnissen in der kommenden Woche befassen. Mehr

25.08.2016, 15:41 Uhr | Politik
Euphrat-Einsatz Türkei attackiert Kurden in Nordsyrien

Das türkische Militär hat die Kurdenmiliz YPG im Norden Syriens mit Artilleriegranaten angegriffen. Die Regierung in Ankara wirft den Kurden einen Vormarsch in dem umkämpften Gebiet vor. Mehr

26.08.2016, 04:57 Uhr | Politik

Ein verlorener Ruf

Von Berthold Kohler

Nichts belastet das Verhältnis Deutschlands zu den ostmitteleuropäischen Ländern stärker als die Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin. Mehr 252