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Aktualisiert: 12.10.2015, 06:52 Uhr

Nach Anschlag in Ankara Türkische Gemeinde warnt vor Gewalt auch in Deutschland

Gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Kurden und nationalistischen Türken drohen laut der Türkischen Gemeinde nach Deutschland überzuschwappen. Die Regierung in Ankara meldet weiter steigende Opferzahlen.

© dpa Trauer um Anschlagsopfer in der Türkei: Die Zahl der Toten steigt weiter an.

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, hat nach dem verheerenden Bombenanschlag in Ankara vor gewaltsamen Auseinandersetzungen von Kurden und nationalistischen Türken und in Deutschland gewarnt. „So wie die Stimmung jetzt gerade in der Türkei ist, befürchte ich eine weitere Eskalation auch hier“, sagte er dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Er beobachte Aufrufe zu ungenehmigten Demonstrationen in den sozialen Medien. Anhänger der verbotenen kurdischen PKK riefen zur Vergeltung auf. Die radikalen Gruppen seien zwar auf beiden Seiten in der Minderheit. Der Chef der Türkischen Gemeinde fügte jedoch hinzu: „Wehret den Anfängen.“

Die Zahl der Todesopfer bei dem Anschlag stieg unterdessen auf 97, wie das Amt von Ministerpräsident Ahmet Davutoglu am Sonntagabend mitteilte. 95 von 97 Todesopfern seien identifiziert, unter den Toten sei ein Palästinenser. Mehr als 500 weitere Menschen wurden bei dem Anschlag am Samstag verletzt. Bei den beiden mutmaßlichen Selbstmordattentätern handelt es sich den Ermittlern zufolge um Männer. Ihre Identifizierung sei noch im Gange. Die türkische Regierung verdächtigt die Islamistenorganisation „Islamischer Staat“ (IS).

© Reuters, afp Nach Blutbad in Ankara: Proteste gegen Erdogan

Erdogan verurteilt Anschlag

Zwei Explosionen hatten sich am Samstagmorgen inmitten der Teilnehmer einer Friedensdemonstration von linken Gruppen und Parteien ereignet, die sich in der türkischen Hauptstadt vor dem Hauptbahnhof versammelt hatten. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach von einem „abscheulichen Anschlag“ auf Einheit und Frieden des Landes. Zu dem regierungskritischen Protestmarsch hatte unter anderen die Kurdenpartei HDP aufgerufen.

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In der Türkei war in den vergangenen Monaten der Konflikt zwischen der Regierung und den kurdischen Rebellen wieder eskaliert. Seither wurden 140 türkische Sicherheitskräfte bei PKK-Anschlägen und 1700 kurdische Rebellen bei Armee-Bombardements getötet. Die HDP hielt der Regierung Versäumnisse vor und gab ihr eine Mitschuld an dem Anschlag.

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Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir forderte die Europäische Union auf, Gespräche mit Erdogan auf Eis zu legen. „Wir dürfen bis zur Wahl am 1. November nichts tun, was als Stärkung von Erdogan verstanden werden könnte“, sagte Özdemir den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Jedes Abkommen wäre ein Signal, dass Erdogan für uns ein normaler Gesprächspartner wäre. Das kann aber kein Staatschef sein, der den Tod seiner Bürger, Polizisten und Soldaten in Kauf nimmt.“ Die Polizei mache ihre Arbeit nicht, „wie so häufig in jüngster Zeit, wenn Bomben detonierten“, fügte Özdemir an. „Wer sein eigenes Land ins Chaos stürzt, weil er Angst davor hat, im Falle einer Wahlniederlage für seine Untaten zur Rechenschaft gezogen zu werden, ist kein verlässlicher Partner.“

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