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Türkei : Warum der Putsch scheiterte

Der Kampf zwischen türkischer Polizei und der Armee geriet beim Putschversuch außer Kontrolle. Bild: Reuters

Die türkische Geschichte ist reich an erfolgreichen Coups der Armee. Diesmal machten die Putschisten aber eine Menge Fehler. Deshalb konnte ihr Versuch nur scheitern.

          Der Putschversuch in der Nacht von Freitag auf Samstag wirft mehr Fragen auf, als er neue Gewissheiten schafft. Unklar bleibt, wie gespalten die türkische Armee ist und wie viel die Regierung von der wachsenden Unzufriedenheit in offenbar großen Teilen der Armee gewusst hat. Diskutiert wird zudem die Rolle der Anhänger des Predigers Fethullah Gülen. Denn die Regierung von Ministerpräsident Binali Yildirim hat sie gleich in den ersten Stunden für den Putschversuch verantwortlich gemacht.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Die zunächst wichtigste Frage ist aber, wie es kommen konnte, dass eine Armee, die auf eine lange Geschichte „erfolgreicher“ Coups zurückblickt, einen solch dilettantischen Versuch unternimmt, die Macht an sich zu reißen. Bei den Coups der Jahre 1960, 1971 und 1980 hatten die Offiziere in jeweils kürzester Zeit die zivilen Institutionen ausgeschaltet; 1997 genügte ein Machtwort des Generalstabs, um den Islamisten Necmettin Erbakan zu stürzen.

          In der Nacht auf Samstag deutete jedoch vieles schon früh darauf hin, dass dieser Versuch nicht generalstabsmäßig geplant sein konnte und daher scheitern musste. Zwar hatte sich ein Kreis aus der Luftwaffe und der Gendarmerie gegen Präsident Tayyip Erdogan und dessen AKP-Regierung verschworen. Ihr Vorgehen war jedoch derart plump, dass es Zweifel an der Professionalität der zweitgrößten Armee der Nato weckte.

          Türkische Gesellschaft steht nicht hinter Putschisten

          Die früheren Schläge hatten tief in der Nacht stattgefunden, wenn die Panzer ruhig rollen konnten und auf keinerlei Widerstand stießen; am späten Freitagabend waren dagegen noch viele Menschen unterwegs.

          Frühere Putschisten schalteten als erstes die Präsidenten und Ministerpräsidenten aus und setzten sich an deren Stelle; diesmal konnte Präsident Erdogan aus seinem Urlaubsort Marmaris über sein Handy eine öffentliche Erklärung abgeben, auch Regierungschef Yildirim gab eine Erklärung ab. Beide riefen die Menschen auf die Straßen, wohin sie dann auch strömten. Erdogan-Anhänger hielten auf den Straßen Panzer auf, bis loyale Truppen die Putschisten neutralisieren konnten.

          Ein entscheidender Unterschied zu früheren Coups ist zudem, dass in der türkischen Gesellschaft kaum jemand Partei für die Putschisten ergriffen hat. 1960, 1971, 1980 und auch 1997 hatten die Militärs jeweils eine große Mehrheit der Bevölkerung hinter sich.

          Fehlkalkulationen und Planlosigkeit

          Dieses Mal brachten die Putschisten vielmehr die Menschen gegen sich auf. Sollten die Bombardierung des Parlamentsgebäudes und die anhaltende Tiefflüge von Kampfflugzeugen über Ankara und Istanbul das Ziel gehabt haben, die Menschen einzuschüchtern, haben sie dieses Ziel nicht erreicht. Viele Türken, selbst wenn sie Kritiker des Präsidenten sind, sahen dieses Verhalten auch als Angriff gegen sich selbst.

          Als Fehlkalkulation erwies sich ferner, darauf zu vertrauen, dass die Kontrolle über den Luftraum für einen Erfolg ausreichen würde. Zwar waren die wichtigsten Flughäfen des Landes vorübergehend geschlossen. Sie konnten aber nicht einmal verhindern, dass Erdogan von Marmaris nach Istanbul flog. Mit Erdogans Landung in Istanbul fiel der Putsch in sich zusammen. Und ein Flugzeug griff das Hotel, in dem Erdogan seit einer Woche Urlaub gemacht hatte, erst an, als der Marmaris längst verlassen hatte.

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