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Nach Putschversuch : Erdogan weint bei Trauerrede für getöteten Freund

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Präsident Erdogan, der normalerweise seine Gefühle unter Kontrolle hat, weint bei der Beisetzung von Erol Olcok. Bild: AFP

Bei der Beerdigung eines beim Putschversuch getöteten Freundes bricht der türkische Präsident in Tränen aus. Sein langjähriger Weggefährte und dessen Sohn starben auf der Bosporus-Brücke.

          Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ist bei der Trauerfeier für einen von Putschisten getöteten Freund in Tränen ausgebrochen. Fernsehbildern zufolge konnte Erdogan, der normalerweise seine Gefühle unter Kontrolle hat, seine Tränen nicht mehr zurückhalten, als er am Sonntag die Grabrede für seinen Freund Erol Olcak und dessen 16-jährigen Sohn hielt. Sie waren in der Nacht zum Samstag auf einer der Brücken über den Bosporus getötet worden, als sie gegen den Putschversuch von Teilen der Armee protestiert hatten.

          „Erol war ein alter Freund von mir“, sagte Erdogan vor hunderten Trauergästen, die „Allahu Akbar“ (Gott ist groß) sangen. Als er die Tränen nicht zurückhalten konnte, sagte er: „Ich kann nicht weiter sprechen. Mein Beileid unserer Nation.“

          Der bekannte Werbemanager Olcak hatte mit dem Präsidenten und der regierenden AKP-Partei zusammengearbeitet. Türkische Medien bezeichneten ihn als Chefplaner des Präsidentschaftswahlkampfs im Jahr 2014. Zuvor hatte Erdogan bereits an der Beisetzung anderer Opfer in der Fatih-Moschee teilgenommen.

          Teile des Militärs hatten am Freitagabend einen Putsch gestartet, der nach wenigen Stunden niedergeschlagen wurde. Bei den schweren Gefechten in Ankara und Istanbul wurden nach offiziellen Angaben 265 Menschen getötet. Nach Angaben der Regierung wurden bis Sonntag 6000 Menschen unter Putschverdacht festgenommen, unter ihnen dutzende Generäle, Richter und Staatsanwälte.

          Militärberater von Erdogan in Polizeigewahrsam

          Darunter ist auch ein Militärberater des türkischen Präsidenten. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete am Sonntag, die Staatsanwaltschaft von Ankara habe die Festnahme von Ali Yazici angeordnet. Der Oberst war seit dem 12. August 2015 Berater von Erdogan und bewegte sich damit im engen Umfeld des Präsidenten.

          Der Fernsehsender CNN-Türk berichtete, Yazici werde die Beteiligung an dem Putsch vorgeworfen. Er habe sich in Ankara aufgehalten, als der Putschversuch von Teilen der türkischen Armee begonnen habe.

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