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Aktualisiert: 31.07.2016, 13:02 Uhr

Außenminister Cavusoglu „Die Menschen in der Türkei lieben Erdogan“

Und sie wollen angeblich die Todesstrafe. Wie das zusammenpasst, darüber spricht der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu im F.A.S.-Interview.

von
© Imago Vielleicht wird die Entscheidung über die Einführung der Todesstrafe in einem Referendum fallen, sagt der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu.

Herr Minister, wenn die offizielle türkische Darstellung zutrifft, dann war der Putschversuch vom 15. Juli auch ein Armutszeugnis für die amerikanischen Geheimdienste: Da plant ein alternder muslimischer Prediger irgendwo in Pennsylvania einen Militärputsch, aber CIA und FBI bekommen das nicht mit. Oder, noch übler, sie verschweigen es dem Nato-Partner in Ankara. Ihr Vertrauen in die Vereinigten Staaten muss erschüttert sein.

Michael Martens Folgen:

Es wäre falsch, zum jetzigen Zeitpunkt und ohne genügend gesicherte Informationen die Schlussfolgerung zu ziehen, dass die Nachrichtendienste der Vereinigten Staaten oder anderer Staaten von den Putschvorbereitungen Kenntnisse hatten, diese aber nicht mit uns teilten. Eine Tatsache steht jedoch im Raum: Wir haben es mit einer Schwäche der Geheimdienste sowohl in der Türkei als auch im Ausland zu tun. Geheimdienste befreundeter Länder teilen ihre Erkenntnisse üblicherweise. Auch wenn der Putschversuch vom 15. Juli nur von einer kleinen Gruppe in der türkischen Armee unterstützt wurde, ist es ein Zeichen großer Schwäche der Geheimdienste, wenn sie von der Vorbereitung eines so umfangreichen Unterfangens nicht vorab Kenntnis erhalten konnten.

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Sie schließen die türkischen Geheimdienste ausdrücklich in Ihre Kritik ein?

Ja, das haben wir ja auch schon zugegeben. Aber da dieser Putschplan der Terrororganisation Fethullah Gülens innerhalb des Militärs ausgeheckt wurde und da Streitkräfte im Allgemeinen und die türkischen Streitkräfte im Besonderen von der Außenwelt abgeschottete Systeme sind, war es natürlich auch nicht einfach, Informationen zu erhalten. Organisiert wurde der Putschversuch allerdings von einer Person, die in den Vereinigten Staaten lebt, weshalb die dortigen Nachrichtendienste und die zuständigen Behörden eigentlich am besten darüber informiert sein sollten.

Wenn die mächtigsten Geheimdienste der Welt nun aber nicht fähig waren, rechtzeitig etwas über den Putschplan herauszufinden - wird die Türkei den Vereinigten Staaten genügend Beweise vorlegen können, um die Auslieferung Fethullah Gülens durchzusetzen?

Es besteht kein Zweifel daran, dass seine Terrororganisation hinter diesem Putschversuch stand. Das wissen wir auch deshalb, weil deren Verbindungen in unsere Streitkräfte bloßgestellt wurden. Die Person, die in der Putschnacht unseren Generalstabschef festnahm, wollte ihn mit Fethullah Gülen in Verbindung bringen. Die Verbindungen der Putschisten mit der Terrororganisation sind bekannt, es gibt Geständige. Frühere Polizisten, die aufgrund ihrer Verbindungen zu dieser Organisation entlassen worden waren, haben auch an dem Putsch teilgenommen. Einer wurde in der Putschnacht in einem Panzer aufgegriffen. Was hat jemand, der aufgrund seiner Verbindungen zu einer Terrorbande aus der Polizei entlassen wurde, in einem Panzer zu suchen? Wir haben auch Listen mit den Namen derer gefunden, die uns nach einem erfolgreichen Putsch hätten ersetzen sollen - alle standen mit dieser Terrororganisation in Verbindung. All diese Erkenntnisse werden wir mit den Vereinigten Staaten teilen und die Auslieferung Gülens verlangen. Zuvor verlangen wir aber die vorläufige Festnahme Gülens. Die Amerikaner dürfen es Gülen nicht erlauben, in ein anderes Land zu fliehen.

Beabsichtigt er das Ihrer Kenntnis nach? Wohin?

Wir haben bestimmte Hinweise dazu erhalten. Seine Unterstützer in bestimmten Ländern bereiten sich bereits darauf vor, ihn zu empfangen.

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