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Reparationen : Tsipras wirft Deutschland Trickserei vor

  • Aktualisiert am

Griechenlands Ministerpräsident Tsipras geht auf Konfrontationskurs mit Deutschland Bild: Reuters

Schweigen, juristische Tricks und Verzögerungen: Der griechische Ministerpräsident kritisiert den deutschen Umgang mit Reparationsforderungen aus Griechenland scharf. Diese sind für ihn noch nicht vom Tisch.

          Für die neue griechische Regierung sind Reparationsforderungen an Deutschland nicht vom Tisch. Ministerpräsident Alexis Tsipras sagte am Dienstag, ein Parlamentsausschuss solle sich mit dem Thema befassen. Es geht um milliardenschwere Ausgleichszahlungen für erlittenes Unrecht während des Zweiten Weltkriegs.

          „Nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 wurden die rechtlichen und politischen Bedingungen geschaffen, um diese Frage zu klären“, sagte Tsipras. „Aber seitdem haben deutsche Regierungen mit Schweigen, juristischen Tricks und Verzögerung reagiert“, kritisierte er in einer Parlamentsdebatte in Athen. „Und ich frage mich, weil auf europäischer Ebene in diesen Tagen viel über moralische Fragen gesprochen wird: Ist diese Haltung moralisch?“ Die Regierung hat ihre Forderungen bislang nicht konkret beziffert.

          Das griechische Parlament will nochmals Reparationsforderungen aus dem Zweiten Weltkrieg an Berlin prüfen und berief dazu einen Ausschuss aller Parteien ein. Das Thema belastet die deutsch-griechischen Beziehungen seit Jahrzehnten.

          Schuldenschnitt für Deutschland

          „Damit ehren wir alle Opfer des Zweiten Weltkrieges und des Nazismus (...) sowie des griechischen Widerstandes“, sagte der griechische Regierungschef Alexis Tsipras. „Wir vergessen nicht, dass das deutsche Volk auch unter den Nazis gelitten hat“, fügte der griechische Premier hinzu. Tsipras erinnerte daran, dass Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg „zurecht“ mit einem Schuldenschnitt geholfen wurde, wieder auf eigenen Beinen stehen zu können. Seitdem sperrten sich die deutschen Regierungen mit „juristischen Tricks“, um nicht mit Athen über Reparationen zu reden, sagte er.

          Zu den Reparationsforderungen gibt es bereits eine erste griechische Studie. Auf der Grundlage dieser Untersuchung prüft der Oberste griechische Gerichtshof zurzeit, wie mögliche Reparationsforderungen an Deutschland erhoben werden können.

          Diese erste Studie liegt seit Anfang März 2013 vor und wird als streng geheim eingestuft. Die Athener Zeitung „To Vima“ hatte die Studie jedoch am vergangenen Sonntag veröffentlicht. Die Gesamtforderungen werden darin in einer Höhe zwischen 269 und 332 Milliarden Euro beziffert. Die Bundesregierung sieht die Entschädigungsfrage dagegen als erledigt an

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