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Veröffentlicht: 24.01.2013, 18:12 Uhr

Tschechische Republik Die Hochburg des gepflegten Herrenwitzes

In Prag strebt ein schmutziger Wahlkampf zwischen Karel Schwarzenberg und Miloš Zeman seinem Höhepunkt zu. Die Wähler wurden umfassend aufgeklärt, kaum eine Frage blieb unbeantwortet.

© REUTERS Ältestenrat: Die beiden Kandidaten Zeman und Schwarzenberg

Der Wahlkampf in der Tschechischen Republik lässt kaum eine Frage unbeantwortet. Was soll man etwa tun, wenn einem die Freundin nur widerwillig gewisse Gefallen erweist? Eine schöne Halskette würde ihr das erleichtern, schöpft der 75 Jahre alte Präsidentschaftskandidat Karel (Fürst zu) Schwarzenberg aus seinem reichen Erfahrungsschatz. Und woran liegt es, dass der Hochadel degenerierte? Miloš Zeman, der 68 Jahre alte andere Bewerber für das höchste Staatsamt in Prag, erklärt das so: Weil den Fürsten das „ius primae noctis“, das Recht der ersten Nacht, zustand, mussten sie sich nicht die Mühe machen, ihre weiblichen Bediensteten zu vergewaltigen. Knappen hingegen mussten Energie aufbringen, nicht nur beim Sex - und das habe sie vor Degeneration bewahrt. Zeman ist das tschechische Wort für Knappe.

Karl-Peter Schwarz Folgen:

Bisweilen könnte man den Eindruck gewinnen, versehentlich in die Spalte für Herrenwitze gerutscht zu sein, aber so läuft der tschechische Wahlkampf. Einer der beiden älteren Herren wird in Kürze seinen Amtseid auf der Prager Burg leisten. Die tschechischen Feministinnen protestierten gegen die Einlassungen, und die Kandidaten murmelten Entschuldigungen. Es mag sein, dass die Tschechische Republik im Herzen Europas liegt, wie Schwarzenberg allenthalben von den Plakatwänden verkündet. Den in der EU vorherrschenden Maßstäben in Sachen politischer Korrektheit entsprechen allerdings nicht einmal die beiden Politiker, die sich als glühende europäische Föderalisten um die Nachfolge des permanenten EU-Kritikers Václav Klaus bewerben.

In den zweiten Wochen vor der Stichwahl, die an diesem Freitagmittag beginnt und Samstagnachmittag endet, gab es Radio- und Fernsehduelle am laufenden Band. Jede neue Begegnung diente vor allem dazu, die Entgleisungen und Missverständnisse der vorigen zu korrigieren und fällige Entschuldigungen anzubringen. In einer Endlosschleife kamen immer wieder dieselben Themen zur Sprache: die Beneš-Dekrete, die rudimentären Tschechisch-Kenntnisse der Ehefrau Schwarzenbergs, das Machtkartell von Miloš Zeman und Václav Klaus, die Mitverantwortung Schwarzenbergs für die soziale Eiszeit, dann wieder Beneš und seine Dekrete.

Mit Meistern der Desinformation und der Intrige

Zeman war in der Regel deutlich besser vorbereitet und angriffslustiger als sein Gegner, der meist aus der Defensive argumentierte. Nur selten gelang es Schwarzenberg, die Schwachstellen seines Gegners bloßzulegen. Dabei hatte Zemans Team einen besonders schmutzigen Wahlkampf geführt. Für die Behauptung, der niederösterreichische Stammsitz von Schwarzenbergs Frau Therese, geborene Hardegg, sei eine berüchtigte Bastion der Nazis gewesen, musste sich Zeman entschuldigen: Die Hardeggs hatten die Burg an der Thaya schon vor drei Jahrhunderten verkauft. Ungeprüft war eine Verleumdung aus dem Pamphlet eines antisemitischen Publizisten im Wahlkampf gelandet.

Zeman hatte jedoch kein Problem damit, sich auch von seinen engsten Mitarbeitern zu distanzieren, wenn es ihm opportun erschien. Da ist zum Beispiel Miroslav Šlouf, einst ein strammer Kommunist, den Zeman als Ministerpräsident (1998 bis 2002) zu seinem Chefberater machte und der damals in fast alle Skandale und Affären verwickelt war. Zeman hatte als Erster jene stille Rehabilitierung ehemaliger Kommunisten betrieben, die den Sozialdemokraten linke Wählerstimmen einbrachte und ihm die Mitarbeit ausgewiesener Meister der Desinformation und der Intrige sicherte. Am Mittwoch veröffentlichte die Zeitung „Mladá Fronta Dnes“ das Abhörprotokoll eines Telefongesprächs, das Chefberater Šlouf einst mit František Mrázek geführt hatte, einem Paten der Prager Unterwelt, der 2006 auf einem Parkplatz von unbekannten Tätern erschossen wurde. Šlouf versprach, bei der Komerční Banka zu seinen Gunsten zu intervenieren.

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