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Haiders Ziehsohn : „Die AfD ist ein Zwilling der FPÖ“

Haben derzeit gut lachen: AfD-Chefin Frauke Petry und der FPÖ-Vorsitzende Heinz-Christian Strache, hier bei einer Pressekonferenz im Februar 2016 Bild: dpa

Stefan Petzner war selbst Rechtspopulist – als politischer Ziehsohn des verstorbenen FPÖ-Stars Haider. Im Interview mit FAZ.NET spricht der Politikberater über die FPÖ, ihr deutsches Pendant und die Fehler der etablierten Parteien.

          Fernsehzuschauer werden sich vielleicht an die Tränen erinnern, die Stefan Petzner 2008 nach dem Tod seines politischen und persönlichen Freundes Jörg Haider in aller Öffentlichkeit vergoss. Petzner ist ein ehemaliger österreichischer Politiker des BZÖ, einer Abspaltung der rechtspopulistischen FPÖ. Er wurde von Haider entdeckt und war bis zu dessen Tod ein enger Vertrauter, Sprecher und Wahlkampfleiter.

          Nach Haiders Unfalltod und mehreren emotionalen Auftritten sank der parteiinterne Stern Petzners – bis zu seinem Ausschluss 2013. Heute ist er PR-Unternehmer in Wien und strategischer Berater diverser Politiker und Parteien. Unter anderem hat er das „Team Stronach“ in Kärnten beraten und die liberale Partei „Neos“ – welche anderen Parteien zu seinen Kunden gehören, möchte er nicht preisgeben.

          Als Politikberater blickt er auf Erfahrungen in erster Reihe zurück: Er war selbst Rechtspopulist und hat mit Haider bei einem der erfolgreichsten Vertreter dieser Zunft gelernt. Mit Blick auf die erstarkten Rechtspopulisten in Österreich und Deutschland rät er: Schaut nach Österreich! Warum, das erklärt er im Interview mit FAZ.NET.

          Die rechtspopulistische FPÖ hat in der ersten Runde der Bundespräsidentenwahl abgeräumt – keiner der Kandidaten der SPÖ und ÖVP hat es in die Stichwahl geschafft. SPÖ-Kanzler Werner Faymann hat hingeworfen, der Nachfolger wird Christian Kern. Was ist los in Österreich?

          Das schwache Abschneiden des SPÖ-Kandidaten bei der Bundespräsidentenwahl hat dazu geführt, dass Faymann ins Wanken geraten ist und schließlich die Flucht nach vorne angetreten hat. Das ist ein politisches Erdbeben in Österreich.  

          Die Stichwahl zwischen dem FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer und dem linksliberalen Politiker Alexander van der Bellen findet am 22. Mai statt. Wer hat die besten Karten?  

          Das ist erst einmal völlig offen. Wobei der Hofer durch den großen Abstand im ersten Wahlgang einen gewissen Startvorteil hat. Andererseits nutzt es van der Bellen, dass er nun der Angreifer ist und Hofer verteidigen muss. Die Verteidigungsrolle liegt der FPÖ nicht so wirklich, sie ist das als Fundamentaloppositionspartei nicht gewohnt. Trotzdem klarer Vorteil für Hofer.

          Stefan Petzner
          Stefan Petzner : Bild: Picture-Alliance

          Die FPÖ ist unter Ihrem Ziehvater Jörg Haider aufgestiegen und hat es zwischenzeitlich sogar in die Regierung geschafft. Heute scheint sie stärker denn je – was ist ihr Erfolgsrezept?  

          Österreich hat eine demokratische Anomalie: Seit 1945 regiert bis auf kurze Ausnahmen eine große Koalition aus SPÖ und ÖVP. Diese Parteien haben sehr viel geleistet, zugleich hat sich die Konstellation derart verbraucht, dass sich die Wähler massenhaft abwenden. Die FPÖ hat daraus Kapital geschlagen. Es ist daher falsch, die aktuellen politischen Entwicklungen in Österreich ausschließlich auf die Flüchtlingsfrage zurückzuführen. Klar ist aber auch, dass bei Neuwahlen die FPÖ als klarer Sieger vom Feld gehen würde – und Heinz-Christian Strache ins Kanzleramt ziehen könnte. Das Risiko, nach dem Rücktritt Faymanns Neuwahlen vom Zaun zu brechen, werden SPÖ und ÖVP daher nicht eingehen. Zumindest nicht derzeit.

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