http://www.faz.net/-gq5-78lkm

Spanien : Kampf dem Fünfhunderter

  • -Aktualisiert am

Jeder kennt sie, aber keiner will je einen von ihnen gesehen haben: Spaniens „Bin Ladin“ Bild: dpa

Spaniens Sozialisten wollen im Kampf gegen Korruption, Geldwäsche und Steuerbetrug den „Bin Ladin“ abschaffen. In der Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy hält sich der Beifall einstweilen in Grenzen.

          Die spanischen Sozialisten wollen zwar nicht den Euro, aber doch den Fünfhunderterschein abschaffen. Und die grünen Kommunisten des Landes haben vorgeschlagen, zumindest die Farbe des Scheins zu ändern. Beide Initiativen sind, wie die Parteien sagen, zum Kampf gegen Korruption, Geldwäsche und Steuerbetrug gedacht.

          Sie sollen das Schwarzgeld der Reichen von unter den Matratzen an die Oberfläche bringen, um damit dann neue Sozialprogramme gegen Armut und Obdachlosigkeit zu finanzieren. In der Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy, der aufgefordert wird, dieses Projekt schleunigst im Kreis der europäischen Partner durchzusetzen, hält sich der Beifall einstweilen in Grenzen.

          Billiger Populismus

          Hier ist von billigem Populismus und pharisäerhafter Demagogie derer die Rede, die Spaniens Wirtschaft zuvor ruiniert hätten. Aber dem geschwächten sozialistischen Oppositionsführer Alfredo Pérez Rubalcaba, der gerade innerparteilich um sein Überleben als Generalsekretär kämpft, scheint jeder Einfall recht, um sich wieder etwas vorteilhafter in das öffentliche Bild zu setzen.

          So besuchte er gerade ein Armenviertel, um Rajoy hernach den Vorwurf zu machen: „Er kennt nicht die Gesichter derer, die von seiner Politik geschlagen werden. Er kennt nicht ihre Leiden und ihre Gefühle.“ Die in Spanien traditionell besonders beliebten Fünfhunderter werden mit iberischer Ironie - die den Tod des Al-Qaida-Führers überdauert hat - „Bin Ladins“ genannt, weil jeder sie kennt, aber keiner je einen von ihnen gesehen haben will.

          Als die Immobilienblase vor der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2008 ihre größte Ausdehnung erreicht hatte, zirkulierte nach Angaben von Bank- und Währungsfachleuten in Spanien allein mehr als die Hälfte aller in der Eurozone ausgegebenen großen Scheine. Inzwischen soll sich ihr Volumen auf ein Viertel des geschätzten Gesamtbetrags von rund 290 Milliarden Euro verringert haben.

          Das wäre gleichwohl noch immer ein beträchtlicher Vorrat in den mutmaßlichen Händen von „Baulöwen“, bestechlichen Politikern und Funktionären sowie des organisierten Verbrechens. Oppositionsführer Rubalcaba möchte nun diesen „Schatz“ heben und in Fonds zur Finanzierung von Volksspeisungen und Sozialwohnungen investieren.

          Kommunistenführer Cayo Lara hat ähnliche Pläne für Arbeitsbeschaffungsprogramme. Die Abschaffung oder Farbänderung, so ihr Kalkül, würde die Besitzer der „Bin Ladins“ zwingen, die Scheine binnen einer gesetzten Frist gegen kleinere Scheine umzutauschen und dabei zugleich zu beweisen, dass sie ehrlich erworben wurden.

          Spaniens Oppositionelle berufen sich auf ein angebliches starkes Interesse, insbesondere in Deutschland und Frankreich, den Fünfhunderter aus dem Geldkreislauf zu ziehen. Die Konservativen zweifeln hingegen grundsätzlich an der Praktikabilität einer solchen Maßnahme und fragen, wo das Ganze dann enden solle: bei dem Zweihunderter, dem Hunderter oder dem Fünf-Euro-Schein?

          Weitere Themen

          Trump und Macron für neues Abkommen mit dem Iran Video-Seite öffnen

          Iranisches Atomprogramm : Trump und Macron für neues Abkommen mit dem Iran

          Trotz offen zutage getretener Differenzen haben sich Donald Trump und Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron bei ihrem Treffen in Washington für ein "neues" Abkommen mit dem Iran ausgesprochen. Trump hatte zuvor das Atomabkommen erneut heftig kritisiert.

          Staatsbankett für die Macrons Video-Seite öffnen

          Smokings und Abendkleider : Staatsbankett für die Macrons

          Auf die Freundschaft beider Länder! Neben Emmanuel und Brigitte Macron waren auch Gäste aus Politik, Wirtschaft und Sport geladen. Für Trump war die Veranstaltung eine Premiere.

          Topmeldungen

          Söders Spiel mit den Bildern : Im Angesicht des Kreuzes

          Markus Söder weiß, wie man sich in Szene setzt: Dass er für das Aufhängen eines Kreuzes in der bayerischen Staatskanzlei vor allem Kritik, Hohn und Spott erntet, nimmt der Ministerpräsident in Kauf.
          Volle Konzentration auf Ball und Gegner: Bayerns Thomas Müller.

          Champions League im Liveticker : Volle Offensivkraft gegen Real

          Die Bayern beginnen gegen Madrid im Halbfinale der Champions League sehr mutig mit Lewandowski, Müller, Robben, Ribéry und James in der Startformation. Abwehrspieler Alaba fällt hingegen aus. Verfolgen Sie das Spiel im Liveticker.

          Berlin trägt Kippa : Angriff auf Israel-Kundgebung

          Eigentlich sollte es ein Solidaritätstag gegen Antisemitismus werden. Doch in Berlin gab es auch einen Zwischenfall auf eine kleine proisraelische Kundgebung. Sie musste schnell abgebrochen werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.