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Spanien Kampf dem Fünfhunderter

Spaniens Sozialisten wollen im Kampf gegen Korruption, Geldwäsche und Steuerbetrug den „Bin Ladin“ abschaffen. In der Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy hält sich der Beifall einstweilen in Grenzen.

© dpa Vergrößern Jeder kennt sie, aber keiner will je einen von ihnen gesehen haben: Spaniens „Bin Ladin“

Die spanischen Sozialisten wollen zwar nicht den Euro, aber doch den Fünfhunderterschein abschaffen. Und die grünen Kommunisten des Landes haben vorgeschlagen, zumindest die Farbe des Scheins zu ändern. Beide Initiativen sind, wie die Parteien sagen, zum Kampf gegen Korruption, Geldwäsche und Steuerbetrug gedacht.

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Sie sollen das Schwarzgeld der Reichen von unter den Matratzen an die Oberfläche bringen, um damit dann neue Sozialprogramme gegen Armut und Obdachlosigkeit zu finanzieren. In der Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy, der aufgefordert wird, dieses Projekt schleunigst im Kreis der europäischen Partner durchzusetzen, hält sich der Beifall einstweilen in Grenzen.

Billiger Populismus

Hier ist von billigem Populismus und pharisäerhafter Demagogie derer die Rede, die Spaniens Wirtschaft zuvor ruiniert hätten. Aber dem geschwächten sozialistischen Oppositionsführer Alfredo Pérez Rubalcaba, der gerade innerparteilich um sein Überleben als Generalsekretär kämpft, scheint jeder Einfall recht, um sich wieder etwas vorteilhafter in das öffentliche Bild zu setzen.

So besuchte er gerade ein Armenviertel, um Rajoy hernach den Vorwurf zu machen: „Er kennt nicht die Gesichter derer, die von seiner Politik geschlagen werden. Er kennt nicht ihre Leiden und ihre Gefühle.“ Die in Spanien traditionell besonders beliebten Fünfhunderter werden mit iberischer Ironie - die den Tod des Al-Qaida-Führers überdauert hat - „Bin Ladins“ genannt, weil jeder sie kennt, aber keiner je einen von ihnen gesehen haben will.

Als die Immobilienblase vor der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2008 ihre größte Ausdehnung erreicht hatte, zirkulierte nach Angaben von Bank- und Währungsfachleuten in Spanien allein mehr als die Hälfte aller in der Eurozone ausgegebenen großen Scheine. Inzwischen soll sich ihr Volumen auf ein Viertel des geschätzten Gesamtbetrags von rund 290 Milliarden Euro verringert haben.

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Das wäre gleichwohl noch immer ein beträchtlicher Vorrat in den mutmaßlichen Händen von „Baulöwen“, bestechlichen Politikern und Funktionären sowie des organisierten Verbrechens. Oppositionsführer Rubalcaba möchte nun diesen „Schatz“ heben und in Fonds zur Finanzierung von Volksspeisungen und Sozialwohnungen investieren.

Kommunistenführer Cayo Lara hat ähnliche Pläne für Arbeitsbeschaffungsprogramme. Die Abschaffung oder Farbänderung, so ihr Kalkül, würde die Besitzer der „Bin Ladins“ zwingen, die Scheine binnen einer gesetzten Frist gegen kleinere Scheine umzutauschen und dabei zugleich zu beweisen, dass sie ehrlich erworben wurden.

Spaniens Oppositionelle berufen sich auf ein angebliches starkes Interesse, insbesondere in Deutschland und Frankreich, den Fünfhunderter aus dem Geldkreislauf zu ziehen. Die Konservativen zweifeln hingegen grundsätzlich an der Praktikabilität einer solchen Maßnahme und fragen, wo das Ganze dann enden solle: bei dem Zweihunderter, dem Hunderter oder dem Fünf-Euro-Schein?

Quelle: F.A.Z.

 
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