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Aktualisiert: 23.10.2015, 16:53 Uhr

Gewalttat in Schweden Attentäter suchte seine Opfer nach Hautfarbe aus

Die Polizei ist sich inzwischen sicher: Der Mann, der an einer schwedischen Schule in schwarzer Maske und Wehrmachtshelm auf Schüler und Erwachsene eingestochen und zwei Menschen getötet hat, handelte aus Fremdenhass.

© dpa Polizeieinsatz an der Schule Kronan im schwedischen Trollhättan nach der Attacke.

Der Anschlag mit zwei Toten auf eine Schule in Schweden ist aus Fremdenhass verübt worden: Der mit einem Schwert bewaffnete Angreifer habe aus „rassistischen Motiven“ auf seine Opfer eingestochen, teilte die Polizei am Freitag mit. Der 21 Jahre alte Täter, der im Internet Hitler glorifiziert und Stimmung gegen Ausländer gemacht hatte, wählte seine Opfer demnach nach ihrer Hautfarbe aus. „Wer helle Haut hatte, wurde nicht angegriffen“, sagte Thord Haraldsson von der schwedischen Polizei am Freitag. „Wer dunkle Haut hatte, wurde angegriffen.“

Der Attentäter war am Donnerstag in die Kronan-Schule in Trollhättan gestürmt, die in einem Problemviertel der Industriestadt mit hohem Ausländeranteil liegt. Das Gesicht hinter einer schwarzen Maske versteckt und mit einem Helm ausgerüstet, der an die deutsche Wehrmacht erinnerte, hatte er einen Lehrer und einen Schüler getötet und einen weiteren Lehrer und Schüler lebensgefährlich verletzt. Sie lagen am Freitag noch im Krankenhaus.

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Schüler waren arglos

Der Angreifer, der in einem Mittelschicht-Viertel der 57.000-Einwohner-Stadt wohnte, wurde von der Polizei am Tatort niedergeschossen und erlag später seinen Verletzungen. Es sei auch eine „Art Suizidbrief“ gefunden worden, in dem der Täter seine Absichten angekündigt habe und der die Annahme eine „rassistischen Verbrechens“ stütze. Die Polizei verwies zudem auf „Aufmachung und Verhalten“ des Maskierten am Tatort. Dem waren die Schüler trotzdem völlig arglos begegnet. Sie dachten, dass er sich vorzeitig zu Halloween verkleidet hätte. Einige posierten mit ihm, schossen sogar ein Foto.

Die angegriffene Kronan-Schule hat rund 400 Schüler im Alter von sechs bis 15 Jahren, darunter viele Kinder von kürzlich angekommenen Flüchtlingen. Sie liegt in dem Problemviertel Kronogarden von Trollhättan, das von hoher Arbeitslosigkeit und Integrationsproblemen geprägt ist.

Täter nicht polizeibekannt

Schwedische Medien hatten bereits zuvor über einen rechtsextremen Hintergrund bei dem Angreifer berichtet, der in Berichten als Anton Lundin-Pettersson identifiziert wurde. Demnach hatte der Täter im Internet Material verbreitet, in dem Adolf Hitler und Nazi-Deutschland glorifiziert wurden. Es ging auch um Kritik am Islam und an der Einwanderung. So verbreitete er einen Aufruf der rechtspopulistischen Partei Schweden-Demokraten (SD) für eine Volksabstimmung zur Einwanderung. Er war Medienberichten zufolge auch von Kriegsfilmen und Romanen von Stephen King fasziniert und liebte Hard-Rock-Musik. Bei der Polizei war er bisher nicht auffällig geworden.

36843187 © Archiv Vergrößern Schwedischer Amokläufer von Trollhattan, angeblich kurz vor seiner Tat aufgenommen von einer Schülerin.

Zunehmende Ausländerfeindlichkeit

Schweden ist einer der EU-Staaten mit der höchsten Einwanderungsquote. Viele Flüchtlinge, die derzeit über die sogenannte Balkanroute in die EU kommen, wollen nach Schweden weiterreisen. In diesem Jahr rechnet Schweden mit 190.000 Asylanträgen. Wie in Deutschland gibt es aber auch viele Anschläge gegen Flüchtlinge. Seit Jahresbeginn wurden den Behörden zufolge bereits rund 15 Aufnahmezentren oder Wohnungen von Flüchtlingen entweder vollständig abgebrannt oder durch Feuer stark beschädigt.

Nach Einschätzung des schwedischen Magazins Expo, das auf die extreme Rechte spezialisiert ist, macht sich in dem Land eine Stimmung des „Hasses“ breit, die „neue Anschläge zur Folge“ haben könnte. Mit Blick auf Internet-Seiten von rechtsradikalen Gruppen, die den Anschlag von Trollhättan begrüßten, warnte das Magazin vor dem Risiko einer „Eskalation“ in Schweden.

Parallelen zu Brevik-Attentat

Andere schwedische Zeitungen haben am Freitag Parallelen zu den Terrortaten des norwegischen Massenmörders Anders Behring Breivik gezogen, der vor vier Jahren 77 Menschen tötete. Bei einem der beiden Angriffe des Rechtsextremisten starben Dutzende Jugendliche in einem sozialdemokratischen Sommerlager. „Ja, wir müssen das Attentat in Trollhättan als Terrortat beschreiben. Ein Hassverbrechen mit rassistischem Unterton. Wir müssen diese widerwärtige Tat beim richtigen Namen nennen“, kommentiert der Journalist Oisín Cantwell in der Zeitung „Aftonbladet“. Viele denken mit Angst daran, was Schlimmeres hätte passieren können, hätte der Schwede ein Waffenarsenal dabei gehabt wie damals Breivik.

© Reuters, reuters Schwertangriff: Maskierter stürmt in schwedische Schule

Das Attentat an der Schule macht die Fremdenfeindlichkeit in dem Land sichtbar. Das macht vielen Schweden Angst und das Land weniger offen. Damit sich die Kinder und Jugendlichen sicher fühlen können, verschließen manche Schulen am Freitag ihre Eingänge. Weil die Schüler verkleidete Menschen als bedrohlich empfinden, werden Halloween-Feiern abgesagt. Doch der Spuk ist damit nicht vorbei.

Rote Blitze, rote Linien

Von Daniel Deckers

Während die Kirchen die Religionsfreiheit hochhalten und für eine offene Gesellschaft eintreten, will die AfD genau das Gegenteil. Kirchenleute und Rechtspopulisten sind sich trotzdem manchmal ähnlicher, als ihnen lieb sein kann. Mehr 73 36

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