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Schlacht um Debalzewe : „Zahlreiche Gefangene und viele Tote“

Ein zerstörtes Sanitätsfahrzeug in der Nähe der Ortschaft Switlodarsk, unweit von Debalzewe. Bild: AP

In der Schlacht um Debalzewe scheinen die Separatisten die Oberhand zu gewinnen. Große Teile der Stadt sind nach ihren Angaben eingenommen. Die ukrainische Armee ist eingekesselt. Der Kampf um die strategisch wichtige Stadt widerspricht sämtlichen Abmachungen aus Minsk.

          Ungeachtet der Waffenstillstandsvereinbarung in der Ostukraine haben am Dienstag im Donbass die heftigsten Straßenkämpfe seit Beginn des Konflikts getobt. Die von Russland unterstützten Separatisten gaben bekannt, die strategisch wichtige Stadt Debalzewe „zu achtzig Prozent“ eingenommen zu haben. „Nur ein paar Wohnviertel sind noch übrig, dann haben wir den Ort völlig unter Kontrolle“, sagte der Befehlshaber Eduard Bassurin am Dienstag. Er sprach von „zahlreichen Gefangenen und vielen Toten“.

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Die ukrainische Regierung hat die weitgehende Einnahme von Debalzewe durch die prorussischen Separatisten bestätigt. „Straßenkämpfe dauern an“, teilte das Verteidigungsministerium in Kiew am Dienstag mit. Regierungstreue Einheiten versuchten, den Gegner aufzuhalten.

          Ein Mitarbeiter der Kanzlei des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am Dienstag, die Armee habe die einzige Straße, über die noch Nachschub in den Kessel gelangte, lediglich noch unter „Feuerkontrolle“: Man könne die Straße M 03 von Debalzewe nach Artemiwsk zwar noch mit der eigenen Artillerie erreichen und damit den Feind fernhalten, aber man habe auf ihr keine eigenen Kontrollpunkte mehr.

          Da die von Russland unterstützten Separatisten ebenfalls genug Artillerie besitzen, um die Straße ihrerseits unter „Feuerkontrolle“ zu nehmen, ist die Konsequenz klar: Die ukrainischen Soldaten und die Bevölkerung in Debalzewe sind eingeschlossen. Und nicht nur das: Die Stadt ist am Dienstag zum ersten Mal auch Schauplatz intensiver Straßenkämpfe geworden. Mehrere Vertreter der ukrainischen Streitkräfte und der Polizei, unter ihnen Armeesprecher Andrij Lysenko, sprachen von „schweren Gefechten“ am Stadtrand und am Bahnhof. Die eindringenden Separatisten setzten Minenwerfer und Panzerfäuste ein, es gebe Tote und Verletzte. Allerdings leisteten die Ukrainer weiter Widerstand.

          Bild: dpa

          Drei Tage nach dem offiziellen Beginn des Waffenstillstandes, den die Präsidenten Frankreichs, Russlands und der Ukraine sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel vergangene Woche in Minsk ausgehandelt haben, tobt der Krieg um Debalzewe heftiger als je zuvor. Ein Blick auf die Landkarte erklärt, warum. Die von der ukrainischen Armee gehaltene Stadt und das sie umgebende Gebiet ragen wie ein Keil in das Separatistenterritorium. Debalzewe ist Verkehrsknotenpunkt für das Schienennetz und die wichtigste Landstraße der Region, die M 04, welche die Separatistenhochburgen Donezk und Luhansk verbindet und die Hauptverbindung für russischen Nachschub ist. Für Kiew ist Debalzewe damit ein wertvolles Faustpfand, für die Separatisten ein strategischer Ort, den sie erobern müssen, wenn ihre „Volksrepubliken“ auf lange Sicht überleben sollen.

          Manche Separatistenführer, etwa Eduard Bassurin vom „Verteidigungsministerium“ der „Volksrepublik Donezk“, haben zwar immer wieder bestritten, dass sie versuchten, Debalzewe zu erobern. Man reagiere, so sagte er, lediglich auf Angriffe der Ukrainer. Diesen Behauptungen stehen allerdings klare Aussagen mehrerer anderer Separatisten gegenüber. Das „Oberhaupt“ der „Volksrepublik“, Alexander Sachartschenko, hat zum Beispiel schon am Samstag, vor dem Inkrafttreten des jetzigen „Waffenstillstands“, klargemacht, dass die Waffenruhe seine Kämpfer keineswegs daran hindern werde, Debalzewe weiter anzugreifen. Man werde überall das Feuer einstellen, außer eben hier - „denn die Abkommen von Minsk sagen nichts über Debalzewe“. Die Stadt sei „internes“ Territorium der „Volksrepublik“, und er habe „befohlen“, den dort eingekesselten ukrainischen Soldaten den Abzug zu verwehren. Bassurin vom „Verteidigungsministerium“ ergänzte, man schlage den Ukrainern vor, einfach „am Leben zu bleiben“. Bedingung sei allerdings, „dass sie die Waffen niederlegen und abhauen“.

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