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Schäubles Besuch in Athen : Der Deutsche und die Griechen

Bisher ist er nur der zweitunbeliebteste deutsche Politiker in Athen. Bild: dpa

Athen rüstet sich für den Besuch Wolfgang Schäubles – mit alten Forderungen nach Reparationen. Der Bundesfinanzminister verteidigt das Recht der Kreditgeber, sich um ihr Geld zu sorgen.

          Noch führt die Bundeskanzlerin, doch ihr Finanzminister holt auf. Als die seriöse Athener Tageszeitung „Kathimerini“ und der zum gleichen Haus gehörende Fernsehsender „Skai“ im April wieder einmal eine Umfrage zur Popularität griechischer und ausländischer Politiker erheben ließen, gaben 87 Prozent der Befragten an, eine negative Meinung von Angela Merkel zu haben. Auf Platz zwei folgte Wolfgang Schäuble, über den sich 82 Prozent ablehnend äußerten – ein neuer Rekordwert für ihn.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Athen.

          Entsprechend fielen einige Schlagzeilen aus, als im vergangenen Monat öffentlich bekannt wurde, dass nach Angela Merkel nun auch der zweitunbeliebteste nach 1889 geborene deutschsprachige Politiker in Athen erwartet werde. Die Kanzlerin hatte sich Anfang Oktober 2012 in die von mehreren Tausendschaften griechischer Polizei festungsartig gesicherte Hauptstadt der Staatsschuldenkrise begeben, ihr Finanzminister soll an diesem Donnerstag folgen.

          „Der harte Mann von Berlin kommt nach Athen“, titelte das Blatt „Ta Nea“, dessen Redaktion sich besonders auf Schäuble eingeschossen hat. Laut „Ta Nea“ ist Schäuble ein Politiker, der „dem ganzen Planeten eine Lehre in korrekter Haushaltsführung“ erteilen wolle: „Wer aber ist Schäuble? Schäuble ist nicht einmal Wirtschaftswissenschaftler! Er ist einfach nur ein Deutscher, der zur Auffassung gelangte, der ,deutsche Weg‘ sei das Medikament für alle Probleme.“ Berlins Finanzminister, so urteilte das Blatt in der seit gut drei Jahren bis zum Überdruss gepflegten, einstweilen aber weiterhin nichtolympischen Disziplin des Deutschenprügelns, schade mit seiner Politik nicht nur Griechenland und Europa, sondern auch seinem eigenen Land, weil er es geschafft habe, „alle Alpträume zu wecken, die Generationen von Deutschen nach den zwei Weltkriegen geduldig zu verjagen versucht haben. Und deswegen kann es nur eine Lösung geben: Schäuble in die Schranken zu weisen!“

          Athener wollen Schäuble in die Schranken weisen

          Als Schrankenwärter möchte sich vor allem Emmanouil Glezos empfehlen. Der Alte mit den schlohweißen Haaren ist in Griechenland ungefähr so bekannt wie Thomas Gottschalk oder Helmut Schmidt in Deutschland – allerdings schon bedeutend länger als diese, denn das Ereignis, das Glezos in seiner Heimat berühmt machte, ereignete sich bereits in der Nacht vom 30. auf den 31. Mai 1941. Damals erklommen Glezos und sein Landsmann Apostolos Santas heimlich den Hügel der Akropolis zu Athen, um die über der Stadt wehende Hakenkreuzfahne einzuholen. In einigen Versionen der Geschichte hissten sie sogar die griechische Flagge, doch das ist eine Legende.

          Fest steht, dass beide entkamen und die deutschen Besatzungsbehörden die ihnen unbekannten Täter nur in Abwesenheit zum Tode verurteilen konnten. Noch während des Krieges sprach sich ihre Tat in Griechenland herum, die jungen Männer wurden zu Ikonen des Widerstands. Konservative und bürgerliche Griechen wenden zwar mitunter ein, es gebe keinerlei Beweise dafür, dass Glezos, ein Erzlinker, den ihm zugeschriebenen Widerstandsakt tatsächlich begangen habe, doch darauf kommt es schon seit Jahrzehnten nicht mehr an. Emmanouil („Manolis“) Glezos ist in Griechenland ein Nationalheld.

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