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Russlands U-Boote im Atlantik : Jagd unter Wasser

  • -Aktualisiert am

Die HMS Vanguard gehört zur U-Boot-Flotte der britischen Royal Navy. Bild: CPOA(Phot) Tam McDonald - Defence Imagery

Russland hat seine Unterwasserflotte erneuert und lotet die Grenzen aus. Auch die amerikanische Marine rüstet auf. Ein amerikanischer Admiral spricht von der „vierten Schlacht im Atlantik“.

          Am 31. Mai waren Bundespräsident Joachim Gauck und der damalige britische Premierminister David Cameron an die Nordspitze Schottlands gekommen, um des 100. Jahrestages der Skagerrakschlacht zu gedenken. Zu den Feierlichkeiten in dem ehemaligen Marinestützpunkt Scapa Flow hatte die britische Marine unter anderen die Fregatte „HMS Kent“ geschickt, die Salutschüsse zu Ehren der damals gefallenen 8500 Seeleute abfeuern sollte. Doch plötzlich lichtete die „HMS Kent“ den Anker und lief in hohem Tempo in die Nordsee aus.

          Einige Tage später nannte der britische Verteidigungsminister Michael Fallon den Grund dafür: Die „HMS Kent“ habe in der Nordsee das russische Jagd-U-Boot „Staryj Oskol“ aufgespürt. Es habe sich auf dem Weg in den Ärmelkanal befunden. „Damit hat die Navy ihre Wachsamkeit bewiesen und gezeigt, dass sie Großbritannien vor Bedrohungen wirksam schützen kann.“

          Die Reaktion aus Moskau ließ nicht lange auf sich warten. Es stimme schon, dass es sich um die „Staryj Oskol“ gehandelt habe, sagte ein Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums. Das Boot habe sich nach drei Jahren Erprobung in der Barentssee und der Nordsee auf einer Überführungsfahrt nach Noworossijsk am Schwarzen Meer befunden. Es könne keine Rede davon sein, dass die Briten das Boot „aufgespürt“ hätten, denn es sei aufgetaucht und in Begleitung eines Schleppers gefahren.

          Vermehrte Präsenz der Russen

          Dieser verbale Schlagabtausch könnte eine Anekdote sein, wenn er nicht einen ernsten Hintergrund hätte. Im Atlantik und seinen angrenzenden Meeren steigen erstmals seit gut zwanzig Jahren wieder die russischen U-Boot-Aktivitäten. Der Kommandeur der in Europa stationierten 6. US-Flotte, Vizeadmiral James Foggo, berichtet, die Zahl der russischen Patrouillen habe in den zurückliegenden zwölf Monaten um mehr als die Hälfte zugenommen.

          Das allein, so der Admiral, bereite ihm noch keine Sorge. Es seien vielmehr die neue Technologie und die Bewaffnung dieser Boote, die eine ernste Bedrohung für die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten in der Nato darstellten. „Was wir hier sehen“, schrieb der Admiral vor kurzem in einem Artikel für das U.S. Naval Institute in Annapolis, „das ist die vierte Schlacht im Atlantik.“

          Moskau lotet Grenzen aus

          Die 6. Flotte gehört mit 40 Schiffen, 175 Flugzeugen und 21 000 Soldaten zu den größeren Verbänden der amerikanischen Marine. Während des Kalten Krieges hatten die Amerikaner allerdings deutlich mehr Streitkräfte in den Gewässern zwischen Europa und Nordamerika stationiert. Ein Teil davon wurde außer Dienst gestellt, ein anderer in den asiatisch-pazifischen Raum verlagert.

          „Die amerikanische Marine ist heute schon überlastet“, sagt Nick Childs, Marinefachmann des International Institute for Strategic Studies (IISS) in London. Ein neuer Konflikt mit Russland im Nordatlantik und den angrenzenden Meeren würde diese Situation weiter verschärfen. Das, so Childs, wisse die Regierung in Moskau und teste nun, wie weit sie gehen könne. Putin wolle die Vereinigten Staaten und die Nato nun auch auf See wieder herausfordern.

          Beunruhigte Amerikaner

          U-Boote spielen dabei eine wichtige Rolle. Es werden zwei Arten unterschieden. Strategische U-Boote sind eine Trägerplattform für nuklear bestückte Interkontinentalraketen und Teil der atomaren Abschreckung. Jagd-U-Boote sind kleiner, schneller und mit Torpedos und Marschflugkörpern ausgerüstet. Ein, zwei Boote in einem riesigen Seegebiet reichen, um für Unruhe zu sorgen. Flugzeugträger umgeben sich deshalb mit einem Schutzring, zu dem auch Schiffe, Hubschrauber und U-Boote gehören, die Jagd-U-Boote bekämpfen können.

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