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Roms neue Bürgermeisterin : Müllberge als römischer Willkommensgruß

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Die Ewige Stadt von ihrem Ewigen Müll befreien: Das ist eines der großen Ziele der neuen römischen Bürgermeisterin Virginia Raggi. Bild: AP

Roms neue Bürgermeisterin Virginia Raggi will verkrustete Strukturen zerschlagen. Doch sie stößt allenthalben auf Widerstand - sogar in ihrer eigenen Partei.

          Es kann kein Zufall sein, dass sich just im Viertel Borgata Ottavia, wo Roms neue Bürgermeisterin zu Hause ist, die Müllberge besonders hoch türmen. Das sei eine Botschaft des städtischen Müllunternehmens Ama an Virginia Raggi, sagen ihre Nachbarn; der böse Versuch, der neuen „sindaca“ im Kapitol nicht einmal einen guten Start zu gönnen. Rund um die Metalltonnen, in welche die Bürger ihre Glasflaschen werfen sollen, sammeln sich Haufen von Plastiktüten mit anderem Müll. Ratten und Mäuse versammeln sich in der Nacht, am Tag fliegen die Möwen ein, und verkommene Fleischreste sowie geronnene Milch verpesten die heiße Augustluft.

          Bei Ama heißt es, „unsere erfahrenen Teams“ arbeiteten ihre üblichen Touren ab. Doch die Bürger monieren, es sei so wie immer, wenn ein neuer Bürgermeister im Kapitol einzieht: Müllabfuhr und Nahverkehr demonstrierten dann ihre Macht als städtische Betriebe mit mehreren zehntausend Angestellten, um die neue Stadtspitze wissen zu lassen, dass sie Ideen wie Personalabbau oder gar eine Privatisierung der Abfallbeseitigung lieber gleich vergessen sollte.

          Feinde bei städtischen Betrieben und Parteien

          Virginia Raggi, die Mitte Juli 38 Jahre alt gewordene Anwältin, wurde am 19. Juni die erste weibliche Bürgermeisterin der wohl mehr als 2700 Jahre alten „Ewigen Stadt“. Es dauerte zähe sechs Wochen, bis sie ihr Team zusammengestellt hatte. Doch noch immer will ihr kein Start gelingen. Dabei muss man Raggi zugutehalten, dass sie in den verkrusteten Strukturen Roms nur auf Feinde stößt, bei den städtischen Betrieben genauso wie bei den Parteien.

          Denn Virginia Raggi wurde von der „Bewegung Fünf Sterne“ ins Rennen geschickt, der populistischen, tendenziell rechtslastigen Totalopposition unter dem Komiker Beppe Grillo. Noch immer weiß die Nation nicht recht, was diese „Fünf Sterne“ für eine Politik wollen, aber ihre unscharf konturierten Ziele lassen sich unter dem Motto zusammenfassen: Wir machen alles anders als die alten Parteien, die nach Hause geschickt werden müssen.

          Kein Wunder also, dass sich die Parteien wehren, die Rom bisher regierten: die sozialdemokratische Partei (PD) von Ministerpräsident Matteo Renzi genauso wie die Rechte, die unter dem Neofaschisten Gianni Alemanno zwischen 2008 und 2013 Rom lenkte. Freilich soll zumindest die PD-Opposition nicht negativ auffallen: Renzi verdonnerte die Vertreter seiner Partei in Rom dazu, Raggi nichts in den Weg zu legen. Diese Bürgermeisterin solle an sich selbst scheitern, es dürfe auf keinen Fall der Eindruck entstehen, Raggi habe keine faire Chance gehabt.

          Auch die eigene Partei ist belastend für Raggi

          Aber offensichtlich hat die Bürgermeisterin nicht nur keine faire Chance, weil sie es mit verkrusteten städtischen Unternehmen aufnehmen muss, die ihr freilich noch mehr Hindernisse in den Weg legen als ihrem Vorgänger Ignazio Marino von der PD, der auch schon an ihnen gescheitert war. Ebenso belastend ist für Raggi ihre eigene Partei. Für Grillo und das Direktorium der „Fünf Sterne“, in dem der Vizepräsident des Abgeordnetenhauses und mutmaßliche Herausforderer Renzis, Luigi Di Maio, das Sagen hat, ist die Eroberung des römischen Rathauses der erste Schritt auf dem Weg an die Macht in ganz Italien. Die Erwartungen an Raggi sind riesig. Da darf jetzt nichts schiefgehen; und darum wollen alle Grillo-Funktionäre mitreden.

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