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Rebellenführer : Die Frontmänner der Separatisten

Die beiden Separatistenführer Igor Plotnizkij (l.) und Aleksandr Sachartschenko am Donnerstag in Minsk. Bild: AFP

Aleksandr Sachartschenko und Igor Plotnizkij sind die Anführer der „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk. Sie standen jedoch nicht von Anfang an in der ersten Reihe. Nun fallen sie oft mit zweifelhaften Äußerungen auf.

          „Um nicht zum Sklaven zu werden, habe ich einen Spaten genommen und aus meinem Blumenbeet meine persönliche Maschinenpistole ausgegraben.“ So hat Aleksandr Sachartschenko im Oktober vergangenen Jahres einer russischen Journalistin seine Reaktion auf den Sturz des ukrainischen Präsidenten Janukowitsch geschildert. Das war einen Monat, nachdem er in Minsk als Vertreter der Donezker Separatisten zum ersten Mal eine Vereinbarung über einen Waffenstillstand in der Ostukraine unterzeichnet hatte. Auf die Nachfrage, wozu ein friedlicher Mensch eine Maschinenpistole brauche, antwortete er: „Außer der Maschinenpistole lagen da noch zwei Pistolen, eine Kiste mit Granaten und ein Scharfschützengewehr.“

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

          Dieser erste Waffenstillstand hat nie wirklich gehalten. „Seit der Unterzeichnung der Vereinbarung durch mich am 5. September bis zum 2. Oktober haben wir 38 Ortschaften zurückerobert“, sagte Sachartschenko im selben Interview. Einen Bruch des Waffenstillstands sah er darin nicht: „Wir haben nur zurückgeschossen.“

          Der 38 Jahre alte Aleksandr Sachartschenko, der sich als „Präsident“ der „Volksrepublik Donezk“ bezeichnet, war von Anfang an aktiv an den Aktionen der Separatisten im Donbass beteiligt. Der erste öffentlich dokumentierte Schritt Sachartschenkos nach seinem Gang zum Blumenbeet war im April 2014 die Besetzung des Stadtsowjets von Donezk durch eine Gruppe maskierter Bewaffneter, deren Anführer er war. Als bald darauf die ersten Kämpfe begannen, wurde er auf separatistischen Internetseiten als „Stadtkommandant“ von Donezk bezeichnet, stand aber noch im Hintergrund. Igor Plotnizkij, der 50 Jahre alte „Präsident“ der Luhansker „Volksrepublik“ gehörte hingegen als deren erster „Verteidigungsminister“ schon im Mai erkennbar zur Führung der Separatisten.

          In die erste Reihe sind beide erst während der schweren Kämpfe im August vergangenen Jahres aufgerückt, als die aus Moskau gekommenen Anführer der Separatisten, die bis dahin tonangebend waren, nach Russland zurückkehrten. Sachartschenko und Plotnizkij stammen tatsächlich aus Donezk und Luhansk. Sachartschenko war laut seinem offiziell verbreiteten Lebenslauf ursprünglich Bergwerkselektriker, bevor er sich im Kohlegeschäft selbständig machte - laut einigen Medienberichten verkaufte er illegal geförderte Kohle. Plotnizkij war bis zum Zerfall der Sowjetunion Berufssoldat, wurde dann Geschäftsmann, bevor er schließlich ab 2004 in der Verwaltung des Gebiets Luhansk Karriere machte.

          Vergangene Woche fielen beide mit antisemitischen Äußerungen auf: Sachartschenko sagte, in Kiew herrschten „armselige Vertreter des großen jüdischen Volkes“, während Plotnizkij über die „Oligarchen Walzman, Hrojsman und Kolomojskij“ sprach, für welche die ukrainischen Soldaten Kanonenfutter seien. Unter Antisemiten in Russland und der Ukraine ist die Behauptung verbreitet, der ukrainische Präsident Poroschenko heiße in Wirklichkeit Walzman und sei Jude; die beiden anderen Politiker - Parlamentspräsident Wladimir Hrojsman und der Dnipropetrowsker Gouverneur Igor Kolomojskij - sind tatsächlich Juden.

          Meist ist Sachartschenko derjenige der beiden Separatistenführer, der sich schärfer äußert: Er war es, der Ende Januar ankündigte, es werde keine Friedensgespräche mehr geben. Am Donnerstag, kurz nach Unterzeichnung der neuen Minsker Vereinbarung, sagte er: „Alle Punkte des unterschriebenen Dokuments fordern weitere Vereinbarungen, deshalb wird es im Fall von Verstößen keine weiteren Begegnungen und Memoranden geben.“ Die Schuld trage dann allein Poroschenko.

          Eigentlich waren Sachartschenko und Plotnizkij nicht erst am Mittwoch, sondern schon zum Treffen der Kontaktgruppe in Minsk Ende Januar erwartet worden - es war vereinbart worden, dass für die Separatisten stets jene Männer sprechen sollten, die die beiden ersten Minsker Vereinbarungen im September vergangenen Jahres unterzeichnet hatten. Die von ihnen stattdessen entsandten Vertreter verkündeten in Minsk, die „Präsidenten“ kämen nur, wenn es unterschriftsreife Dokumente gebe. Die beiden Ersatzmänner hatten aber offenbar keine Vollmachten - jedenfalls führte deren Verhalten zu einer Stellungnahme der OSZE, in der die Schuld für das Scheitern der Gespräche den Separatisten gegeben wurde.

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