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Neue Papst-Enzyklika : Ein Warnschrei für die Schöpfung

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Bedrohte Lebensgrundlagen der Menschheit: Papst Franziskus’ Enzyklika befasst sich mit der Bewahrung der Schöpfung. Bild: dpa

In seinem neuen Lehrschreiben „Laudato Si“ fordert Papst Franziskus eine globale ökologische Umkehr. Er spricht sich gegen undifferenzierte genetische Manipulationen aus und ruft dazu auf, den eigenen Körper „als Gabe Gottes“ zu akzeptieren.

          Gegen eine schlechte Politik blinder Machthaber, gegen Gleichgültigkeit oder bequeme Resignation ruft Papst Franziskus „alle Menschen guten Willens“ in seinem Lehrschreiben „Laudato Si“ auf, das am Donnerstag im Vatikan vom Präsidenten des Rates für Gerechtigkeit und Frieden, Peter Kardinal Turkson, und dem Potsdamer Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber vorgestellt wurde. Darin plädiert der Papst dafür, die Erde als „das gemeinsame Haus“ aller Kreaturen besser zu schützen und für mehr Gerechtigkeit und Frieden allerorts eine „globale ökologische Umkehr“ anzustreben. Er hoffe, „dass diese Enzyklika, die an die Soziallehre der Kirche anschließt, dabei hilft, Größe, Dringlichkeit und Schönheit der Herausforderung zu erkennen, die vor uns steht.“

          Der Papst warnt unter anderem vor Wachstumsglauben, der Vernachlässigung der Armen, vor undifferenzierten genetischen Manipulationen und vor der „Logik einer Herrschaft über den eigenen Körper“, wenn jemand seine Männlich- oder Weiblichkeit nicht annehmen wolle. Das zweite Lehrschreiben des Papstes nach „Lumen fidei“, das 2013 gemeinsam mit Amtsvorgänger Benedikt XVI. entstand, beginnt in Anlehnung an Francescos Namenpatron Franz von Assisi mit den ersten zwei altitalienischen Worten aus dem mystischen „Sonnengesang“, in dem der Ordensgründer der franziskanischen Brüder die Erde „unsere Schwester“ nennt, die wegen des Schadens aufschreit, den ihr der Mensch in unverantwortlichem Missbrauch zufügt.

          Der Papst schreibt, Franz habe die Schöpfung besonders aufmerksam gehütet und zugleich die Armen und Einsamen. Darum sei er das beste „Vorbild für eine authentisch gelebte ganzheitliche Ökologie“, die Mensch und Natur in Harmonie zu bringen versucht; denn das Buch der Natur sei „eines und unteilbar“ und schließe “die Umwelt, das Leben, die Sexualität, die Familie und die sozialen Beziehungen mit ein.“ Der Papst zitiert für „Laudato Si`“ nicht nur Vorgänger sondern zur Betonung seines kollegialen Amtsverständnisses auch viele Bischofskonferenzen; zugleich weist er über die katholische Lehre hinaus, wenn er sich ökumenisch am griechisch-orthodoxen Patriarchen Bartholomäus, am evangelischen Philosophen Paul Ricœur aus Frankreich und dem muslimischen Mystiker Ali Al Khawas orientiert. Der Papst will einen Dialog, der „alle zusammenführt“, um gegen die Ausbeutung der Natur und die Fehlfunktionen der Weltwirtschaft vorzugehen.

          Ein Dialog, der „alle zusammenführt“

          Franziskus ruft seine Leser dazu auf, die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschungen ernst zu nehmen. Ausführlich schreibt er über die Umweltverschmutzung, den Verlust biologischer Vielfalt und den durch Menschen herbeigeführten Klimawandel. Viele von denen aber, „die mehr Ressourcen besitzen sowie ökonomische oder politische Macht, scheinen sich vor allem darauf zu konzentrieren, die Probleme zu verschleiern oder ihre Symptome zu verbergen“, schreibt der Papst. Er greift so in eine amerikanische Debatte ein, bei der konservative Republikaner zwar mit der Bibel argumentieren, aber nach des Papstes Meinung gleichzeitig Gottes Schöpfung malträtieren.

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