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Putins Rede : Nationalistisches Feuer

Putin, aus der Perspektive eines Kreml-Türstehers in Uniform Bild: dpa

Nach Putins mit Drohungen und wüsten Verschwörungstheorien gespickter Rede muss man mehr denn je befürchten, dass die Krise in Osteuropa weiter schwelt. Ein Kommentar.

          Die wirtschaftlichen Aussichten sind mehr als trübe, das Land ist politisch weitgehend isoliert – klar, dass Präsident Putin da nichts anderes, schon gar nichts Besseres einfällt, als gegen den Westen zu donnern und ihm zu drohen. Er hat den russischen Nationalismus entfacht, und nun muss er immer und immer wieder nachlegen. Putins Rede zur Lage der Nation war jedenfalls eine krude Mischung aus halsbrecherischer Rechtfertigung seiner Ukraine-Politik, der Stilisierung Russlands als Opfer westlicher Weltherrschaftsgelüste und Drohungen gegen Europa und vor allem gegen die Vereinigten Staaten.

          Und natürlich durfte auch nicht der Hinweis auf Hitler fehlen: Wer Russland wieder von der Krim drängen wolle, werde das gleiche Schicksal erleiden wie einst Nazi-Deutschland. So einfach ist das: Weil die Krim für Russland „heilig“ ist und strategische Bedeutung habe, kann man sie schon mal, ruck, zuck, annektieren. Was schert Putin, dass Russland Garantiemacht der Unabhängigkeit, Souveränität und territorialen Integrität der Ukraine ist?

          Selektive Wahrnehmung

          Nach dieser von Drohungen gespickten Rede muss man mehr denn je befürchten, dass die Krise in Osteuropa nicht abflauen wird. Putins Sicht der Dinge ist grotesk verzerrt; derlei Wahrnehmung nennt man selektiv. Er ruft den Russen den großen vaterländischen Krieg in Erinnerung und beschwört ihren Widerstandswillen: Der Westen im Allgemeinen und Amerika im Besonderen wollten Russland einfach kleinhalten. Wer Opfer ist, also den Russen das einredet, der kann und muss sich aggressiv wehren.

          Das ist die Sicht des Wladimir Putin, und diese Sicht, die schon vor Jahren in dem Satz zum Ausdruck gekommen war, die größte Katastrophe des 20. Jahrhunderts sei der Zusammenbruch der Sowjetunion gewesen, bestimmt seine großrussische Politik. Die Staaten des Westens tun gut daran, sich darauf einzustellen, dass der russische Präsident für sie noch weitere Kraft- und Machtproben auf Lager hat.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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