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Nach dem Anschlag von Ankara : Böse Blicke auf Deutschland

Noch immer gesperrt: Der Seiteneingang der amerikanischen Botschaft in Ankara, an dem am vergangenen Freitag ein Selbstmordattentäter seine Bombe zündete. Bild: AFP

Der Attentäter des Anschlags auf die amerikanische Botschaft in Ankara ist offenbar aus Deutschland eingereist. Dieser Umstand wurde in der Türkei als neuerlicher Beleg dafür gewertet, dass die deutschen Behörden die Staatsfeinde der Türkei frei gewähren ließen.

          Der Anschlag auf die amerikanische Botschaft am vergangenen Freitag in Ankara galt den Vereinigten Staaten, aber getroffen hat er auch Deutschland. Nach dem Sprengstoffattentat, bei dem außer dem Attentäter auch ein Sicherheitsbeamter getötet und eine zufällig anwesende türkische Journalistin so schwer verletzt wurde, dass sie ein Auge verlor, richteten sich viele Blicke nach Deutschland. Dort hatte der politische Extremist Ecevit Şanli, den die Behörden in der türkischen Hauptstadt als Täter eindeutig identifiziert haben wollen, nach seiner Entlassung aus türkischer Haft vor mehr als einem Jahrzehnt offenbar lange Zeit gelebt. Er galt als Aktivist der extremistischen Gruppe, die sich „Revolutionäre Volksbefreiungspartei/Front“ (DHKP/C) nennt und den Anschlag verübt haben will, der sich gegen die amerikanische Politik im Nahen Osten gerichtet habe.

          Vorwürfe an deutsche Behörden

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Athen.

          Der Umstand, dass der Attentäter offenbar aus Deutschland eingereist war, wurde in Ankara als neuerlicher Beleg dafür gewertet, dass die Behörden dort Staatsfeinde der Türkei frei gewähren ließen, solange sich deren Treiben nicht gegen deutsche Interessen richte. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat in den vergangenen Jahren mehrmals europäische Staaten hart angegriffen, weil sie nicht gegen auf ihrem Territorium lebende Rädelsführer der gegen die Türkei operierenden Terrorgruppen vorgingen.

          Durch den Vorfall vom Freitag sehen sich die Anhänger von Erdogans Lesart bestätigt. In der Erdogans Regierungspartei AKP nahe stehenden Zeitung „Zaman“ heißt es etwa in einem Kommentar: „Deutschland ist ein zentraler Komplize des PKK- und DHKP/C-Terrorismus. Die Geheimdienste und Polizeibehörden dieses Landes haben sich dafür entschieden, vor diesen Netzwerken die Augen zu schließen und sie gewähren zu lassen, solange diese linken und ethnischen Terrorgruppen sich nicht gegen deutsche Interessen richten.“

          Der Anschlag auf die amerikanische Botschaft sei in Deutschland geplant worden, hieß es in dem Kommentar weiter, in dem auch bemängelt wurde, dass Deutschland in den vergangenen beiden Jahrzehnten nur zwei mutmaßliche Mitglieder der kurdischen Terrororganisation PKK in die Türkei überstellt, alle anderen Auslieferungsgesuche Ankaras hingegen ignoriert habe. Dass zumindest im ersten dieser beiden Jahrzehnte, also in den neunziger Jahren, in der Türkei noch systematisch gefoltert wurde und dies der Grund für verweigerte Auslieferungen war, erwähnte der Kommentator allerdings nicht.

          Friedrich weist türkische Vorwürfe zurück

          Die zahlreichen Spekulationen, die angesichts der kargen offiziellen Angaben zu dem Attentat besonders üppig wucherten, wiesen allerdings nicht alle gen Deutschland. Seit längerem weisen Sicherheitsfachleute in der Türkei darauf hin, dass Iran versucht sein könne, angesichts der türkischen Unterstützung für die Gegner des syrischen Diktators Assad, der wiederum von Teheran unterstützt wird,  der PKK und anderen Terrorbanden noch stärker als bisher zu helfen. Zu solchen Spekulationen nahm Erdogan sogar Stellung, auch wenn er sie zurückwies.

          Der deutsche Innenminister Hans-Peter Friedrich wies die türkischen Vorwürfe zurückgewiesen. Seines Wissens seien die türkischen Behörden schon im vergangenen Jahr darüber informiert gewesen, dass der spätere Attentäter illegal in die Türkei zurückgekehrt sei, sagte Friedrich am Dienstag zum Auftakt eines dreitägigen Türkei-Besuches in Istanbul.

          Quelle: F.A.Z.

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