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Moldau : Ein schönes, leeres Land

Viel Land für wenige Bewohner: Elena Mişota (von hinten) und eine Dorfbewohnerin in ihrem Heimatdorf Lingura. Bild: Carola Fritzsche

Wenn jeder Vierte im Ausland nach Arbeit sucht, wie geht es dann den Menschen, die zurückbleiben? Ein Besuch in der Republik Moldau.

          Elena Mişota und ihr Mann Petru lieben ihre Enkel, trotzdem werden vor dem Abschied ein paar harte Worte fallen. Elena Mişota wird nicht mehr wissen, wie es eigentlich dazu kam. Der Tag hatte friedlich begonnen. Sie hat lange in der kleinen Küche gestanden, denn ihre Schwester Mariana ist aus Deutschland angereist, und auch ihre Tochter mit Mann und Kindern ist aus Irland zu Besuch in der alten Heimat, dem Dorf Lingura im Süden der Republik Moldau. Elena Mişota bringt die dampfenden Schüsseln mit Fleisch und Paprikagemüse auf den Tisch unter dem Weinlaub im Hof. Die Sonne malt Flecken auf ihre blaue Kittelschürze. Die grauen Haare, die unter ihrem Kopftuch hervorschauen, lassen sie älter wirken, als sie mit Anfang 50 ist. Elena ist zufrieden, die Familie isst und redet.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Es ist für Elena und Petru Mişota der letzte Tag, an dem sie ihre Enkel in diesem Jahr sehen. Die Enkelin sagt: „Ich finde Moldau furchtbar“, dann schaut sie den Großeltern fest in die Augen. „Ich werde jedes Jahr wieder hierherkommen, um euch zu besuchen. Aber ich will hierher nicht mehr zurück.“ „Und was sollen wir jetzt machen?“, fragt Elena Mişota, und ihre Stimme, die durch eine verpatzte Schilddrüsenoperation sowieso hoch klingt, kratzt schrill. „Sollen wir alle das Land verlassen?“ Keiner sagt mehr etwas.

          Junge Menschen verlassen das Land

          Von den 3,5 Millionen Einwohnern der Republik Moldau leben und arbeiten mehrere hunderttausend im Ausland. Eingekeilt zwischen dem EU-Mitglied Rumänien und der Ukraine, befindet sich das Land in unmittelbarer Nähe zum größten Krisengebiet, das Europa derzeit hat. Wenn in Westeuropa von der Republik Moldau die Rede ist, dann allerdings meist im Zusammenhang mit Migration. Jeder vierte erwerbstätige Moldauer arbeite im Ausland, hieß es im jüngsten Bericht zur Arbeitsmigration in Moldau, den die Internationale Organisation für Migration 2008 veröffentlichte. Drei Jahre zuvor ging sie noch von rund 400.000 Moldauer Arbeitsmigranten aus. Doch was passiert in einem Land, das die jungen Arbeitskräfte verlassen?

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          Das will auch Elena Mişotas Schwester Mariana Tscherwienski wissen. Sie will die Menschen besuchen, die sie zurücklassen musste, als sie vor 15 Jahren nach Deutschland ging. Ihr Studium als Lehrerin hatte sie in Moldau kurz nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion beendet, dann schlug sie sich in der neuen Heimat mit Gelegenheitsjobs durch, machte eine Weiterbildung zur Erzieherin und arbeitet heute in einer Behörde für Integration. Sie lernte in Deutschland ihren Mann kennen, das Paar hat mehrere Kinder. Wenn Mariana Tscherwienski deutsch spricht, hat sie fast keinen Akzent. Trotzdem ist sie in Deutschland öfters angefeindet worden, sagt sie. Das Klischee vom „Sozialtourismus“ hängt in den Köpfen. Weil sie sich und ihre Familie davor schützen will, möchte Mariana Tscherwienski ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen.

          Tscherwienski war mehrere Jahre nicht mehr in ihrer alten Heimat. Sie käme gerne öfter, doch ein Flug in die Republik Moldau ist teuer, und die Anreise in den Süden des Landes wegen der schlechten Straßen sehr lang. Deshalb kommt auch die Tochter von Elena Mişota nur einmal im Jahr zu Besuch. Sie wohnt mit ihrem Mann und den zwei Kindern mittlerweile in Irland. Sie putzt dort Büros, er arbeitet auf dem Bau. Als die Kinder noch klein waren, teilte sich das Paar die Schichten auf, damit immer einer zu Hause bleiben konnte. Jetzt, da die Kinder in die Schule gehen, fliegt die Familie meistens in den Sommerferien nach Moldau. Dann versuchen sie, beide Familien zu treffen, damit die Großeltern ihre Enkel sehen können.

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