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Veröffentlicht: 04.03.2015, 07:15 Uhr

Missbrauchs-Skandal in England In einem verdorbenen Land

In der Grafschaft Oxfordshire wurden in den vergangenen 16 Jahren fast vierhundert Kinder missbraucht. Lange Zeit wollten das die Behörden nicht wahrhaben, deckt ein aktueller Bericht auf. Cameron reagierte mit einem „Kindermissbrauchsgipfel“ in London. Er will einen Kulturwandel erreichen.

von , London
© dpa Premierminister David Cameron, hier am Montag während einer Rede in Colchester, lud Fachleute zum „Kindermissbrauchsgipfel“ in Downing Street ein.

Vor eineinhalb Jahren erhielten die Briten schon eine Vorstellung davon, was in der Grafschaft Oxfordshire passiert ist. Von einem Gericht im Londoner „Old Bailey“ wurden im Juli 2013 sieben Männer zu Haftstrafen bis zu zwanzig Jahren verurteilt. Sie hatten niemanden ermordet, aber sich, wie es Richter Peter Rock ausdrückte, „Sexualverbrechen von äußerster Verdorbenheit“ schuldig gemacht. Gezielt hatten sich die Männer - fünf mit pakistanischen, zwei mit ostafrikanischen Wurzeln - an junge, weiße Mädchen zwischen 11 und 15 Jahren herangemacht, sie in ihre Gewalt gebracht, vergewaltigt, zum Teil zu Foltersex gezwungen und verkauft.

Jochen Buchsteiner Folgen:

Am Dienstag wurde nun das größere Bild enthüllt, eine Art Unsittengemälde der mittelenglischen Grafschaft. Laut einem Bericht des „Oxfordshire Safeguarding Children Board“, einer von der Grafschaft eingesetzten Kommission zum Schutz von Kindern, wurden in den vergangenen 16 Jahren mindestens 370 Kinder - die meisten von ihnen Mädchen aus Oxford - von Banden missbraucht. Viele der Opfer lebten in staatlichen Kinderheimen. Sie verschwanden oft tagelang, ohne dass davon Notiz genommen wurde. Manche der Opfer wandten sich an Sozialarbeiter oder die Polizei, die Anzeigen blieben aber folgenlos. Erst 2011 begannen Ermittlungen.

„Diese Mädchen wurden im Stich gelassen“, sagte der Chefermittler in Oxfordshire, Simon Morton. „Ich glaube nicht, dass dies bewusst geschah - die Behörden haben die normalen Dinge gemacht, aber die funktionierten nicht.“ Der Bericht arbeitet heraus, dass viele der Opfer von Polizei und Jugendamt als mündige Personen gesehen wurden, als „frühreife und schwierige Mädchen, die einen schlechten Weg eingeschlagen haben“.

Es habe eine „professionelle Toleranz“ dafür gegeben, dass Minderjährige mit älteren Männern schlafen, heißt es in dem Bericht. Jim Leivers, der Leiter des Jugendamtes, sagte, dass niemand die Verbindung zwischen all den Einzelfällen gezogen habe. Sie hätten „einfach nicht begriffen, womit man es zu tun hatte: mit organisierter Kriminalität“, sagte er der BBC. Die Verwaltungschefin von Oxfordshire, Joanna Simmons, kündigte bereits ihren Rücktritt für den Sommer an. Vorher hatte sie sich bei den Opfern entschuldigt: „Es tut uns unendlich leid, dass wir das nicht früher stoppen konnten.“

Jahresrückblick 2014 - Missbrauchsskandal in Rotherham © dpa Vergrößern In Rotherham wurden schätzungsweise 1400 Mädchen von pakistanischen Banden sexuell missbraucht

Vergleichbares Szenario in Rotherham

Derartiges war aus dem Ort Rotherham nicht zu hören, der Stadt, die die Briten zuletzt in Schockstarre versetzt hatte. Aber vieles ähnelt sich. In Rotherham trat der Stadtrat geschlossen zurück, es kamen Zwangsverwalter aus London, nachdem den Stadtrepräsentanten Anfang Februar von einer Regierungsgutachterin aus London Unfähigkeit und ein „Zustand des Leugnens und Wegschauens“ bescheinigt worden war. In der nordenglischen Zechenstadt sind nach „konservativen Schätzungen“, so heißt es, in einem vergleichbaren Zeitraum 1400 Mädchen von pakistanischen Banden sexuell missbraucht worden.

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