Home
http://www.faz.net/-hox-76yo4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Milliardenprogramm Spanien will Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen

Bei 55 Prozent liegt die Arbeitslosigkeit bei spanischen Jugendlichen. Das will die Regierung in Madrid nun mit einem Milliardenhilfsprogramm bekämpfen.

© dpa Vergrößern In Madrid bei einer Demonstration im Mai vergangenen Jahres: Jeder zweite spanische Jugendliche ist arbeitslos.

Mit einem neuen Milliardenprogramm, das vor allem die Berufsausbildung fördern und zu selbständigem Unternehmertum anreizen soll, will Spanien die bei 55 Prozent liegende Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen. Darauf einigten sich die Regierung, der Arbeitgeberverband und die Dachverbände der beiden großen Gewerkschaften in Madrid. Das Programm, das auf vier Jahre angelegt ist und sich zum Teil auf EU-Empfehlungen stützt, soll mit 3,5 Milliarden Euro ausgestattet werden. Davon kommt nahezu ein Drittel aus dem europäischen Sozialfonds. Eine Zusage hatte Spanien bei dem jüngsten EU-Gipfel in der vergangenen Woche erhalten.

„Schockmaßnahmen“ und Ausbildungsprogramme

Leo Wieland Folgen:    

Das Projekt muss noch konkretisiert und dann von der Regierung unter Ministerpräsident Mariano Rajoy mit einem Kabinettsbeschluss verabschiedet werden. Es sieht sowohl kurzfristige „Schockmaßnahmen“ wie finanzielle Anreize für Unternehmen bei der Einstellung Jugendlicher als auch längerfristige Förderungsschritte vor, insbesondere bei der Berufsausbildung.

Jugendliche Schulabbrecher und ungelernte Hilfskräfte sollen über Ausbildungsprogramme, die sich auch am deutschen „dualen System“ orientieren, wieder in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden. Von den rund 3,5 Millionen Spaniern, die seit 2008 ihre Arbeit verloren, sind nahezu eine Million Jugendliche unter 25 Jahren.

Nach den Generalstreiks

Das Programm, welches auf die Verabschiedung einer heftig umstrittenen Reform des Arbeitsmarktes vor einem Jahr und zwei anschließende - nicht sonderlich wirkungsvolle - Generalstreiks folgt, ist das erste Zeichen neuer Kooperationsbereitschaft der Sozialpartner. Es wurde von Arbeitsministerin Fátima Báñez zusammen mit dem Vorsitzenden des Arbeitgeberverbands, Juan Rosell, und den Führern der Gewerkschaften UGT und CCOO, Cándido Méndez und Ignacio Fernández Toxo, präsentiert. Frau Báñez sagte danach im Parlament: „Etwas beginnt sich auf dem Arbeitsmarkt zu verändern.“

Die spanische Regierung hatte im Januar bei einer Konferenz der europäischen Gewerkschaftsverbände in Madrid erste Maßnahmen wie Vergünstigungen bei der Sozialversicherung Jugendlicher angekündigt, um so bei Firmen die Bereitschaft zu Neueinstellungen zu wecken. Insgesamt liegt die Arbeitslosigkeit in Spanien jetzt mit fast sechs Millionen Menschen bei über 26 Prozent. In dem ersten Jahr seit der Arbeitsmarktreform, welche Entlassungen erleichterten, verloren abermals 850000 Spanier ihre Beschäftigung.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Linksruck in Südeuropa Iberer blicken gebannt nach Griechenland

Im Herbst wählen Portugal und Spanien ihre Regierung neu. Ein Linksruck kündigt sich an. Ministerpräsident Rajoy warnt vor Podemos als russischem Roulette. Mehr Von Leo Wieland, Madrid

26.01.2015, 17:29 Uhr | Wirtschaft
Merkel und Rajoy ein Stück auf dem Jakobsweg

Santiago de Compostela ist der Geburtsort des spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy. Deswegen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel hier einige Kilometer auf dem historischen Pilgerweg zurückgelegt. Es war der Einstieg in zweitägige Beratungen zwischen beiden Regierungschefs. Mehr

25.08.2014, 12:26 Uhr | Politik
Linksruck in Südeuropa Spaniens Linke hoffen auf Griechenland

Spanien schaut gebannt auf die Parlamentswahl in Griechenland. Denn ein Sieg Syrizas dürfte das Schicksal der spanischen Linkspartei Podemos beeinflussen. Mehr Von Leo Wieland, Madrid

17.01.2015, 21:29 Uhr | Politik
Sexy, aber arm Spanische Hipster müssen sparen

Spaniens Hauptstadt Madrid ist berühmt für ihr Nachtleben, doch die Wirtschaftskrise hat auch dort ihre Spuren hinterlassen. Clubbetreiber verzeichnen drastische Umsatzeinbrüche. Mehr

02.01.2015, 13:45 Uhr | Gesellschaft
Spanische Exklave Ceuta Polizei nimmt Dschihadisten fest

Die spanische Polizei hat in der Exklave Ceuta in Nordafrika vier mutmaßliche Dschihadisten festgenommen. Schon vorher war ein Drogenhändlerring zerschlagen worden, der Terroristen finanzierte. Mehr

24.01.2015, 12:25 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 15.02.2013, 17:48 Uhr

Jetzt muss sich Tsipras beweisen

Von Klaus-Dieter Frankenberger

Für Tsipras und seine Koalitionstruppe schlägt jetzt die Stunde der Wahrheit. Alles zuvor waren Versprechungen. Mit anderen Worten: Jetzt beginnt die Phase der Wählerenttäuschungen. Mehr 10 9