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Merkel-Besuch in der Türkei : Nicht gerutscht

Die Bundeskanzlerin ist nicht auf den Knien nach Ankara gerutscht. Warum auch? Es gibt keinen Anlass, auf die Knie zu fallen.

          Die Bundeskanzlerin ist nicht auf den Knien nach Ankara gerutscht, um die türkischen „Freunde“ nach Europa einzuladen. Diese Übung erwartet EU-Kommissar Oettinger allerdings auch erst auf mittlere Sicht. Vermutlich wird es zu einer solchen Selbstdemütigung gar nicht kommen, Oettingers Seher-Qualität in allen Ehren. Und es sollte auch nicht dazu kommen. Die EU, deren Mitglieder in der Erweiterungspolitik das Tempo bestimmen, und Ankara werden noch lange mit den Beitrittsverhandlungen beschäftigt sein.

          Unabhängig davon, was man von einer Aufnahme der Türkei in die EU hält - die Argumente für und wider sind hinreichend bekannt -, so liegen stabile, gute Beziehungen im Interesse beider Seiten. Darauf hinzuwirken ist das Ziel der Kanzlerin; dass sie ein weiteres Verhandlungskapitel eröffnen will, beweist nicht, dass ihre generelle Skepsis geschwunden ist. Übrigens: Sieht man von russischen Energielieferungen ab, ist Deutschland der wichtigste Handelspartner der Türkei. In der Außenpolitik eilt Erdogan nicht von Erfolg zu Erfolg. Es gibt keinen Anlass, auf die Knie zu fallen.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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